Ein verhaltenspsychologischer Blick auf die Eurorettung

220px-EZBIm Jahr 1999, zitierte der Spiegel Jean-Claude Juncker, den ehemaligen Chef der Eurogruppe, mit diesen Worten: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter, Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ Nun ist der Karren definitiv im Dreck und ein „Zurück“ ist politisch sowie ökonomisch kaum machbar. Die Taktik ist durchschaut. Es handelt sich wie immer um die berühmte Salamitaktik.

Die Wählerinnen und Wähler werden nur scheibchenweise mit den Fakten konfrontiert. Erinnert sich noch jemand an das erste Griechenland-Rettungspaket? Es wurde stundlang bei Anne Will, Plasberg und Co. darüber diskutiert. Heute stellt das Volumen aus diesem Griechenland-Rettungspaket gerade noch 2,1% der kompletten Haftungs- und Rettungssumme dar. Man hat uns 15 Mrd€ angeboten um uns später dann ca. 712 Mrd€ zu verkaufen.  Es gab schon in 2010 und 2011 warnende Stimmen. Es gab Leute, die für Krisenländer eine geordnete Insolvenz gefordert haben. Es gab auch Leute, die bereits damals warnten, dass diese Summen so nicht ausreichen werden. Dieses System hat natürlich Methode. Man nutzt den psychologischen „Sunk Cost Effekt“. Dieser besagt, dass man an einer Sache immer dann festhält, wenn man bereits Kosten oder Energie, auch emotionale Energie (z.B. politische Macht), investiert hat.

Es fällt emotional handelnden Menschen nicht einfach, an gescheiterten Dingen los zu lassen. Lieber schießt man noch weiteres Geld hinein, als die bereits „versenkten Kosten“ zu verlieren. Hierzu gibt es zahlreiche Studien und ich möchte an dieser Stelle gerne an Joachim Goldberg von Cognitrend verweisen; einer der Gründungsväter der Behavioural Finance. Es kann also kein Zurück mehr geben. Die einzige Richtung, die man ohne Zeitmaschine ohnenhin gehen kann, ist der Weg nach vorne. Viele wissen es nicht: Es ist technisch noch nicht möglich in die Vergangenheit zu reisen. Deshalb kann es nur eine Richtung geben: Nach vorne! Die deutsche Haftsumme hat sich von 2010 bis heute von 15 Milliarden Euro auf über 712 Milliarden Euro erhöht. Kein Bürger wurde gefragt. Bei den Target2 Verbindlichkeiten und bei den Anleihekäufen durch die Zentralbank wurde nicht mal mehr ein Parlament gefragt. Es wird Zeit, dass wir über neue Wege nachdenken. So kann es nicht weiter gehen. Diese Politik hat versagt. Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger wird genau diese Politik am 22.09. bestätigen und legitimieren. Lieber schießt man neue Billionen nach, statt zuzugegen, dass die versenkten Milliarden falsch investiert waren. Das ist mindestens so gaga, wie es sich anhört.

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Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog,
oder via Twitter an http://twitter.com/_JennyGER_  Wer mit mir quatschen will, der kann mich gerne im SocialGame Utherverse treffen.

liebe Grüße, eure Jenny

5 Antworten zu “Ein verhaltenspsychologischer Blick auf die Eurorettung

  1. Pingback: Re-Blog von JennyGer: Ein verhaltenspsychologischer Blick auf die Eurorettung | Martin Schweiger

  2. Das einnert mich am Spielen an einem Casinotisch, oder, wie es vielleicht manche Leute mehr vergleichen können, mit dem Spielen an einem einarmigen Banditen:

    Man schmeisst mehr Chips auf den Tisch bzw. Münzen in den Automaten, in der irrigen Hoffnung, wenigstens seinen EInsatz wieder zu bekommen…. und wird letztendlich doch nur enttäuscht.

    Letztendlich hat sich unsere Regierung also grandios verzockt… und wir alle dürfen dafür zahlen.

  3. Vernunftbegabte

    Ein guter Erklärungsansatz aus der Gehirnforschung ist der „unrealistische Optimismus“. D. h. der Stirnlappen (präfrontaler Cortex) wird bei diesen Menschen einfach heruntergefahren, wenn sie mit Meldungen/Informationen konfrontiert werden, die sich nicht mit ihrer Wohlfühlwelt vereinbaren lassen (vgl. u. a. Dr. Tali Sharot vom University College in London).

  4. Das Bundesministerium des Inneren schreibt 450.000 Schuß Munion zur Auftragsvergabe aus, LIEFERFRIST: SEPTEMBER 2013!
    … und weitere „Gründe“, warum der Euro bald „Geschichte“ ist!
    http://endlichruheforu.my1.ru/forum/2-26-7137-16-1377111062

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