Populismus rund um die Dispozinsen

linkedispozinsenDie Stiftung Warentest kritisiert „Abzocke mit Dispozinsen“ und hält Zinssätze von deutlich unter 10% für angemessener. DIE LINKE fordert sogar eine Deckelung von 5% über dem Basiszins. Eines scheinen die Beteiligten dabei zu vergessen, nämlich dass Zinsen Preise sind, die durch Angebot und Nachfrage entstehen. Wenn es Nachfrage für Liquidität zu 12% gibt, warum soll das eine Bank dann nicht anbieten dürfen? Viele Bürger kompensieren mit dem Dispo Einkommenseinbußen oder ihren Kaufkraftverlust. Im Dispo sammelt sich der Betrag an, der an anderer Stelle fehlt, weil Staat, Ausbeutung und Inflation die Einkommenssituation der Menschen stark beeinträchtigen.

Das Wesen eines Dispokredites ist es, kurzfristige Engpässe oder spontane Konsumlust zu finanzieren. Wer den Dispo dauerhaft nutzt, betreibt Zweckentfremdung. Für längerfristige Wünsche sind Ratendarlehen die günstigere Alternative. Richtig genutzt ist ein Dispo nicht teuer. Genau genommen kostet er gar nichts, denn Banken richten diese Kreditform in der  Regel ohne Bearbeitungsgebühren ein. Auch die Bereitstellung der Summe ist zinsfrei. Den Zins bezahlt man erst, wenn man die Kreditlinie aktiv nutzt. Es gibt keine Bereitstellungszinsen! Hat jemand zum Beispiel 3.000€ Dispo und nutzt diesen nie, dann muss er für den Vertag nie Gebühren oder Zinsen entrichten, obwohl er jederzeit die Freiheit hat, über die Zusatzliquidität zu verfügen. Diese Bereitstellung dient dem Kontoinhaber als Sicherheit für unvorhergesehenen Geldbedarf, kostet aber zunächst keinen Cent.

Richtig gerechnet sind 12% nicht viel. Dass ein zweckentfremdeter Dispokredit teuer ist,möchte ich nicht bestreiten. Wird er aber normal genutzt, dann sind 12% Zinsen nicht zu viel. Bleiben wir bei unserem Beispiel mit den 3.000€. Jemand bekommt immer zum ersten eines Monats sein Gehalt, hat aber 5 Tage vorher einen spontanen Konsumwunsch. Das Konto ist leer, also soll der Dispo genutzt werden. Taucht man nun mit z.B. 1.000€ „ins Minus“, dann kostet dies knapp 33 Cent pro Tag, also für die 5 Tage 1,64€. Die Frage, die man sich hier stellen muss ist, ob es die 1,64€ Wert war, den Konsumwunsch bereits 5 Tage vorher zu erfüllen. Größere Wünsche, die man in mehreren Monatsraten zurückzahlen will, sollte man niemals mit dem Dispo bezahlen. Richtig genutzt, als Sicherheitspuffer für wenige Tage, sind 12% nicht zu viel.

Der Dispokredit kostet nur dann Geld, wenn man ihn nutzt. Bei 12% Zinsen macht dies pro 1.000€ und pro Tag nur knapp 33 Cent aus. Den Dispokredit kann man am Wochenende spontan am Geldautomaten in Anspruch nehmen. Einmal eingeräumt hat man keine bürokratische Rennerei mit diesem Kredit. Viele Menschen haben dies als Serviceleistung begriffen, weshalb Liquidität zu diesen hohen Zinssätzen auch einen Markt findet. Wären die Zinssätze zu hoch für diese Nachfrage, dann müssten Banken mit niedrigeren Zinssätzen massenhaften Zulauf haben. Das haben sie aber nicht. Manchmal macht es Sinn, einfach mal den Taschenrechner zu benutzen. „Wie viele Cents kostet es denn?“, ist die Frage, die man sich stellen muss. Kontoinhaber, die dauerhaft im Dispo hängen, haben andere Probleme. Die Ursachen könnte man im politischen Bereich finden. Als Stichwort sollen Niedriglohnsektor, Hartz4 und Reallohnverluste genannt sein. Die Politik sollte dafür sorgen, dass alle Menschen in Würde leben können. Ich sehe die Diskussion um die Dispozinsen als reinen Populismus an.

Mit Artikeln wie diesem mache ich mich auf den ersten Blick unbeliebt. Aber Hand auf´s Herz, sind Dispozinsen wirklich das schlimmste, das Banken machen? Gibt es sonst nichts, das man regulieren müsste? Sind Dispozinsen wirklich der Grund, dass viele Menschen mit ihrem Einkommen nicht mehr auskommen? Jeder zehnte Euro, den der Staat ausgibt, fließt als Zinsen für die Staatsschulden. Diese Zinsen sind unser Hauptproblem; nicht Dispozinsen. Tipp: In Monaten ohne außergewöhnliche Konsumlust, sollte man mit einem Spardauerauftrag eine Liquiditätsreserve bilden. Diese nutzt man dann bei erhöhtem Geldbedarf als „eigenen Dispo“; völlig zinsfrei.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog,
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liebe Grüße, eure Jenny

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5 Antworten zu “Populismus rund um die Dispozinsen

  1. Ob 12% viel sind, liegt im Auge des Betrachters. Tatsache ist, dass die Bank/Sparkasse bei so einer Zinsspanne selbst bei einem etwas höheren Ausfallrisikos nicht schlecht verdient. Vor Jahren waren die Dispozinsen auf einem ähnlichen Niveau – bei höheren Einstandskosten für die Kreditinstitute.

    Wem es nicht gefällt sollte nicht heulen, sondern sparen – oder (jetzt mache ich mich unbeliebt bei Jenny) sein Konto bei einer Direktbank haben – ING Diba Dispo 8,5% (8,84% eff.). (Die Liquiditätsreserve ist natürlich trotzdem besser).

    Warum haben die Leute nicht alle ihr Konto bei einer Direktbank (Keine Kontogebühr, keine Depotgebühr, (ok, letzteres interessiert den Dispokunden jetzt nicht so sehr)? Weil sie halt auch eine Beratung und Service benötigen – there is no free lunch. Wenn sie Glück haben, geraten die Kunden auch an einen Berater und nicht an einen Produktverkäufer (bei Retailkunden ist die Warscheinlichkeit an einen Berater zu geraten aber eher gering).

    Wünschenswert wäre, wenn die Bevölkerung eine finanzielle Grundbildung in der Schule bekommen würde – aber dann würden die wohlmöglich auch in der Politik mitreden wollen und das kann ja keine Blockpartei wollen.

  2. Jenny, ich finde, Du siehst diese Problematik für meinen Geschmack viel zu sehr aus dem abgebrüht-eiskalten ökonomischen Blickwinkel, sorry. Und lässt die von den Banken abgezockten und geschröpften Menschen mit ihren Problemen allein…natürlich sind die nicht wegen dem Dispozins pleite. Aber der Dispozins zockt sie gerade dann noch mal im falschen Moment richtig ab, weil die Banken genau wissen, dass die Menschen dann keine andere Wahl mehr haben, um überhaupt noch an Geld zu kommen. Weiter geht es nur noch mit „Kreditvermittlern“ … die letzte Station vor dem Absturz…es sind also wieder mal die Starken, die sich an den Wehrlosen und Schwachen mästen, das ist für mich der Skandal. Viele sind eben dauerhaft tief im Dispo, weil sie in Schulden gerutscht sind, und nicht nur mal kurz Mehrausgaben haben…das passiert, wie Du selbst schreibst, aus den verschiedensten Gründen, Zeitarbeit, Niedriglohn, Trennungen, Krankheit, Kurzarbeit… Von allein kommen sie nicht so schnell raus, und genau dann tun 15% richtig weh. Die Banken wissen das genau. Umschulden/Bank wechseln/Kredit beantragen ist dann nicht so einfach, wenn die andere Bank die aktuelle Einkommenssituation sieht…und dann dankend ablehnt. Wie sollen sich Menschen in solch einer Situation fühlen, wenn sie deinen Beitrag lesen?

    • Die Menschen sind selbst Schuld. Ein Volk hat immer die Politik, welche es gewählt hat. Wenn die verdummten Menschen versklavt und abgezockt werden wollen und deshalb das Parteien- und Lügenkartell wählen, dann ist das nunmal der innigste Wunsch der Menschen.

  3. „Die Menschen“ sind eben nicht einfach nur selbst schuld, Jenny. Sie wären es nur unter der Voraussetzung, dass sie umfassend und wahrheitsgemäß informiert werden und dass die Politiker in ihrem Sinne handeln. Tun die das? Eben nicht! Sie tun nur so als ob und handeln nach egoistischen Motiven, unter dem Druck der Lobbyisten und insbesondere der Finanziers der Parteien. Was sie genau wollen, wird gerne verschleiert oder spielt nach der Wahl keine Rolle („Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“…). Und es ist bestimmt auch nicht der innigste Wunsch der Menschen, ein Lügenkartell zu wählen. Hier müsste die Berichterstattung ansetzen, aber: Stattdessen beschönigen die meisten Journalisten die Situation mit Euphemismen wie „robuster Arbeitsmarkt“, reden ständig den Wirtschaftsaufschwung und die gute „Kauflaune“ herbei und schreiben Artikel, die auch vom Regierungssprecher stammen könnten. Meine Eltern wohnen z.B. in einer Gegend, wo das Tageblatt schwärzer ist als die CDU, gedruckte Alternativen sind schwer zugänglich, das Internet wird kaum genutzt, vor allem nicht für Politikinformation. Bleibt also nur noch das TV übrig. Und wer sitzt dort in den Aufsichtsgremien? Jahrzehntelang also immer nur die gleichen „Filter“…weil die bestimmenden politischen Parteien, Besitzer und Verleger eben IHRE Meinung verbreitet wissen wollen und nicht die Anliegen der Leser. Wenn Typen wie Nikolaus Blome als Vizechefredakteur problemlos von „Bild“ zu „Spiegel“ wechseln können: Was sagt uns das dann über die Medienlandschaft? Die meisten Menschen sind nicht dumm, sie werden nur ununterbrochen verdummt und verführt und es gibt kaum Gegenstimmen (wie etwa die wenigen Blogs und einige kleinere Parteien). Und wenn, werden diese Gegenstimmen niedergemacht, in die extreme rechte oder linke Ecke gestellt, als „regierungsunfähig“ abgestempelt, totgeschwiegen usw. und weiter das „Brot und Spiele“ -Prinzip umgesetzt, das nur den Profiteuren des Systems nutzt. Andererseits, ganz wichtig, sollte nicht verschwiegen werden, dass es auch Teile der Bevölkerung gibt, die genau von dieser Politik profitieren: Beamte, Vermögende und Gutverdienener, Hoteliers, Ärzte usw…für die ist die Welt in Ordnung so wie sie ist. Leistung muss sich schließlich lohnen…für den Rest bleiben halt nur die Krumen.
    Du gibst dir mit deinem Blog und der Aufklärungsarbeit viel Mühe, bitte nicht Schwarzsehen, das fällt schon auf fruchtbaren Boden, dafür von mir ein Dankeschön!

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