Philipp Rösler will den neuen Neuen Markt

Den Nemax kenne ich nur aus Geschichtsbüchern. Ab 1997 hat die Deutsche Börse nach Vorbild der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ den „neuen Markt“ kreiert. Leitindex dieses sog. Zukunftmarktes war der Nemax50. Nun wollen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und die Deutsche Börse dieses Börsensegment wiederbeleben. Die Idee, die dahinter  steckt, ist die Finanzierung von Wachstumsunternehmen aus dem Technologiebereich.  Damit will man den Mangel an Wagniskapital für junge und innovative Unternehmen beseitigen.

nemax50

Der alte neue Markt ist nach einer Serie von Skandalen, zum Beispiel Bilanzfälschung und Kursmanipulation, zusammen gebrochen. „Zusammen gebrochen“, das ist wohl das, was die Anleger gemacht haben. Sie haben sich gierig auf die Aktien des neuen Marktes geworfen als gäbe es keine betriebswirtschaftliche Vernunft. Viele Unternehmen des Nemax50 waren mit einem tausendfachen ihres eigentlichen Wertes bewertet und die Anleger wollten immer mehr. Nachdem die Blase geplatzt ist und sich die Gier der Anleger in schmerzhafte Verluste gewandelt hatte, wurde der neue Markt am 03.06.2003 geschlossen. Zu dieser Zeit machte ich gerade meinen Realschulabschluss und der DAX stand bei zirka 3.500 Punkten. Selbst in den heißesten Phasen der Finanzkrise (rund um den Jahreswechsel 2008-2009) war er nie wieder auf diesem Tiefststand.

Angesichts des großen Vertrauensverlustes beim alten Neuen Markt, soll der neue Neue Markt nun sorgfältig geplant werden. Manche Optimisten gehen davon aus, dass das neue neue Markt Börsensegment bereits Mitte 2014 starten könnte. Der alte neue Markt war kein kompletter Reinfall. Abgesehen von den astronomischen Bewertungen und gigantisch hohen Einstandskursen, sind viele Unternehmen noch immer erfolgreich. Schaut man in die USA, dann erkennt man, dass fast alle großen Technologieunternehmen amerikanisch sind. Wir haben hier in Deutschland kein Apple, Google oder Microsoft. Daher ist es verständlich, dass es einen Markt für innovative Finanzierungen geben muss. Gute Ideen brauchen Wagniskapital und einen Markt, der es bereitstellt. Wenn dies in vernünftigen Bahnen verläuft und nicht zu exzessiven Gier-Orgien führt, dann sehe ich großes Potenzial für den neuen Neuen Markt.

Bekannte Firmen von damals, die noch heute attraktiv sind, gibt es viele. Zum Beispiel BB Biotech, deren Aktie sich seit 2011 mehr als verdoppelt hat. Man fährt mit einer Eigenkapitalrendite von knapp 30%; was will man mehr? Aber auch Unternehmen wie Freenet, Jenoptik, Süss Microtec oder United Internet (web.de, gmx.de, 1 & 1) gehören heute zu den Größen ihrer Branche. Viele Firmen wie Lycos, Solarworld und andere sind hingegen so gut wie pleite oder komplett vom Markt verschwunden. Das Platzen der Dotcom-Blase hat den Markt sicherlich auch bereinigt. Jetzt ist es wichtig, dass neue Technologien (z.B. ölunabhängige Mobilität/Energie) eine breite Finanzausstattung bekommen. Vielleicht haben die Anleger aus dem alten neuen Markt gelernt, dass nicht alles Gold ist, das nicht glänzt. Richtig gemacht, sehe ich im neuen Neuen Markt viele neue neue Markt Chancen. Und ja, mir gefällt das Wortspiel mit dem neuen Neuen Markt.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog,
oder via Twitter an http://twitter.com/_JennyGER_  Wer mit mir quatschen will, der kann mich gerne im SocialGame Utherverse treffen.

liebe Grüße, eure Jenny

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11 Antworten zu “Philipp Rösler will den neuen Neuen Markt

  1. Hi Jenny,

    Dir scheint der Unterschied zwischen zusammenbrechen und zusammen brechen nicht klar zu sein. Denk mal drüber nach!

    Carsten

    Lucke in Ketten

  2. Der Dax war im Jahr 2003 unter 3000 Punkten 😉

  3. Liebe Jenny,

    Du hast in Deinem jungen Leben noch nichts verpaßt: Einen DAX unter 3000, unter 2000 und vielleicht sogar unter 1000 wirst Du bald wieder sehen können.

    Naja, und den Neuen Markt braucht eh keiner, ob nun mit dem vietnamesischen Findelkind, oder ohne.
    Gier frißt Hirn, nur deshalb war der Neue Markt überhaupt möglich.

    Und paß auf, was Du anziehst:
    http://tinyurl.com/mjwcuky

    • Danke für den Hinweis. Ich habe leider keinen Einfluss und auch keine Verantwortung in Bezug auf die politische Gesinnung meiner Leser. Ab und zu lösche ich Kommentare, die mir nicht gefallen – mehr Möglichkeiten habe ich nicht.

  4. Tja, so sind sie die „Liberalen“ – hart erarbeitetes Steuerzahlergeld in den Rachen ihrer Klientel werfen zu wollen, ohne daß ein Mehrwert für die Gesellschaft daraus entsteht.

    Wenn es eine Nachfrage gibt, nach z.B. einem europäischen Facebook mit Datenschutzstandards, dann wird es das in einer Marktwirtschaft auch geben. Die Technologien dafür sind da und müssen nicht(!) erst entwickelt werden.
    Verschlüsselungstechnologien weiterzuentwickeln bringt keinen Mehrwert, da Geheimdienste mit 2-stelligen Mrd Budgets alles entschlüsseln können, die Frage ist lediglich wie lange sie dafür brauchen.
    Sicheren E-mail-Versand zu versprechen, wie die Telecom, gmx und Co. vor kurzem, sind leere Versprechen und Verblödung der Kunden.

    Anders als bei der Umwelttechnologie gibt es also bei einer vermeintlich neuen „IT-Sicherheit“ keinen Mehrwert für die Gesellschaft, und dies ist meiner Meinung nach der einzige legitime Grund überhaupt Subventionen (seien es nun Steuererleichterungen oder direkte Subventionen) in Märkte zu geben.

    Bei der Umwelttechnologie gibt es sogar zwei Mehrwerte für die Gesellschaft, erstens das Schützen unsere Lebengrundlage und zweitens wird es in Europa in 30-50 Jahren Strom fast umsonst geben können, Stromverbrauch ohne schlechtes Gewissen möglich wird, und dies einen massiven wirtschaftlichen Standortvorteil für Europa geben wird.
    Strom aus Wind ist innerhalb von 15 Jahren Subventionierung voll konkurenzfähig geworden, mit Atom, Kohle und Co. die seit Jahrzehnten mit 4-stelligen Mrd. Beträgen subventioniert werden.
    Schon jetzt braucht/bräuchte die Windenergie keine Unterstützung mehr.
    Die Solarbranche hätte mehr mit Südeuropa und Nordafrika kooperieren müssen (hier entwickeln, dort aufstellen), da die Sonne in Deutschland noch(!) nicht so gut und effektiv genutzt werden kann, wie in Ländern die näher am Äquator liegen.
    Zudem wurde die Solarbranche zu stark subventioniert und damit überhitzt, danach durch Schwarz-Gelb (wissendlich) zu schnell und stark gekürzt, und international hat man sich von den Chinesen über den Tisch ziehen lassen.

    Röslers Vorschlag bringt also keinen Mehrwert für die Gesellschaft, Technologie ist vorhanden oder schützt nicht !

    Die deutschen „Liberalen“ sind rechts, nicht links wie in anderen Ländern, weil sie sich rechter Methoden bedienen.
    Die Angst der Massen vor Totalüberwachung auszunutzen, um Wenigen Vorteile zu verschaffen, die die Mehrheit dann bezahlen darf ohne was davon zu haben, ist rechte Methodik.

    Freiheit statt Angst ! Lasst euch nicht verars…. !

    Abschließend:
    Die Börse ist nichts „böses“, sie sollte Menschen mit Ideen und ohne Geld, sowie Menschen ohne Ideen und mit Geld zusammenbringen.
    Staatskohle oder Vorteile eingeräumt durch den Staat, haben dort nur etwas zu suchen, wenn die Gesellschaft dadurch profitiert, sonst ist es wieder nur eine weitere Umverteilung von „unten“ nach „oben“.

    Naja, die FDP mal wieder …
    Der Rösler braucht wohl noch ein paar Stimmen von den Aktionären, damit er im Herbst nicht eine Anschlussverwendung für sich finden muß.

    Gruß
    Hugo

  5. wichtige stellen: eigentlich alles was er sagt.

  6. und jenny so stimmt das nicht, dass deutschland keine technologie unternehmen hätte….

    siemens, sap,datev…. ja global player. aber qualität, statt quantität.

    mir ist ein SAP, DATEV viel lieber als Google/MS oder Facebook 😉

    dahinter kenn ich deren dauerhaft funktionierendes Geschäftsmodell…

  7. im kostolany clip, ist auch der mobilcom fuzzy 😉
    Jenny darfst da ruhig mal googlen (nicht unbedingt mobilcom, aber den typen da) ;)))))

  8. Tipp:
    „Banken außer Kontrolle – Wie die Politik uns in die Krise führte“

    Phoenix, heute, 21:00 Uhr

  9. Ich habe selbst viel Lehrgeld (Kostolany) beim Neuen Markt gezahlt, bin aber immer noch am Aktienmarkt unterwegs. Und inzwischen auch viel Erfolgreicher.

    Ich gebe beim Neuen Markt aber fast ausschließlich mir selbst die Schuld für Kursverluste. Der Neue Markt war nicht schuld, dass die Kleinanleger Geld verloren hätten.
    Wenn die Kleinanleger bei der Geldanlage von tausenden Euros mal so lange nachdenken und vergleichen würden wie beim Kauf einer Waschmaschine, dann hätten viele auch kein Geld verloren.

    Und der Neue Markt war Volkswirtschaftlich gesehen nicht einmal schlecht. Da viel passives Geld aktiviert wurde. Auch wenn viele Unternehmen pleite sind, die Auswirkungen auf unsere Netze und der Fortschritt im Internet wäre ohne Börsenwahnsinn wohl nicht so schnell gegangen.

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