Das Märchen von der 50% Jugendarbeitslosigkeit

Dass die Arbeitslosenzahlen hinten und vorne nicht stimmen, beschönigt und hingebogen werden, dürfte den meisten klar sein. Je nach Methode kommen andere Zahlen und Quoten raus. So auch bei der gefürchteten „50% Jugendarbeitslosigkeit“ in manch einem europäischen Krisenland. Diese Zahl scheint bewusst negativ berechnet zu sein, damit sich Journalisten wie Hyänen darauf stürzen können.

jugendar

Zirka 116% der Deutschen können kein Prozentrechnen und mindestens 7 von 5 Leser verstehen die Poente dieses Satzes nicht. Beim Pisa-Test 2001 schlossen die Deutschen Schüler beim Prozentrechnen besonders schlecht ab (Platz 20). Die damals 15 jährigen Schüler sind heute zirka 27 Jahre alt und damit fast in der Mitte der Gesellschaft. Viele verstehen auch nicht den folgenden Zusammenhang bei der Geldanlage: Ist eine Aktie um 50% gefallen, dann muss sie um 100% steigen, um wieder auf das Anfangsniveau zu kommen. Aber nun zurück zur Jugendarbeitslosigkeit. Auch dort spielt uns die „unverständliche Prozentrechnung“ einen Streich.

Bei der Arbeitslosenquote werden die Arbeitslosen ins Verhältnis zu allen Erwerbstätigen und Arbeitslosen gesetzt. Bei der Jugendarbeitslosenquote beschränkt man dies auf diese Altersklasse. Es handelt sich also um einen Bruch, bestehend aus Zähler und Nenner. Schüler, Studenten und Azubis werden in den meisten Ländern nicht im Nenner erfasst, weil sie nicht als arbeitslos gelten. Weil es bei der Jugendarbeitslosigkeit um 15 bis 24 Jährige geht, macht diese Gruppe aber einen Bärenanteil aus. Besser wäre die Größe „Arbeitslosenanteil“. Diese gibt die Zahl der erwerbslosen Jugendlichen im Verhältnis zur Bevölkerung ihrer Altersgruppe wieder.

Korrekt berechnet, also mit den tatsächlichen arbeitslosen 15 bis 24 Jährigen, die weder Schule,Studium, Ausbildung noch Beruf nachgehen, liegt die „Quote“ nicht bei 50%. Im vergangenen Jahr waren fast 10 % aller Jugendlichen im Euroraum erwerbslos, während in Portugal und Griechenland 14 % bis 16 % aller Jugendlichen arbeitslos waren. In Spanien fiel der Anteil mit 21 % wesentlich höher aus. Es ist also nicht jeder zweite Jugendliche in Spanien ohne Perspektive; es ist „nur“ jeder fünfte. Auch diese Zahl ist alarmierend und spricht gegen das EU-Spardiktat. Dennoch ist die offiziell ausgewiesene Jugendarbeitslosenquote von Spanien und Griechenland von über 50% sehr irreführend. Die Quote ist zwar korrekt, aber das heißt nicht, dass 50% aller Jugendlichen „nichts tun“.


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liebe Grüße, eure Jenny

19 Antworten zu “Das Märchen von der 50% Jugendarbeitslosigkeit

  1. Die Argumentation im Artikel ist zwar logisch richtig, trotzdem sollte man die Schüler und Studenten irgendwie berücksichtigen. Bei uns in Deutschland ist es so, dass viele, die aus welchen Gründen auch immer, keine Arbeit bekommen, eben weiter auf die Schule gehen (bzw. von der Bürokratie in irgendeine mehr oder weniger sinnvolle „Fortbildungsmaßnahme“ gesteckt werden und dann als „Schüler“ gelten). Bei den Studenten ist es teilweise ähnlich: Man weiß nicht was man machen soll, wird vielleicht auch mehrfach bei Bewerbungen abgelehnt, und dann studiert man halt irgendwas.
    Die Azubis sind, zumindest hier in Deutschland, etwas anders zu sehen, da stimme ich zu. Es gibt immer noch relativ viele Betriebe, die ihre Azubis nach dem Abschluss der Ausbildung übernehmen, zumindest zur Zeit.
    Jetzt gilt das Gesagte eben für Deutschland, da kann ich es auch beurteilen. Ob das in Spanien, Portugal,… genauso ist, da fehlt mir der Einblick. Ich denke aber, dass es wahrscheinlich nicht völlig anders sein wird.

  2. „Ist eine Aktie um 50% gefallen, dann muss sie um 100% steigen, um wieder auf das Anfangsniveau zu kommen.“ Mit anderen Worten: Man teilt das Ganze in eine Hälfte und erklärt diese eine Hälfte wiederrum zum Ganzen. Dieses ‚Ganze‘ muß man dann als Ganzes verdoppeln, um was zu erreichen? Das Ganze? Welches Ganzes? Ein anderes, früheres Ganzes? Was ist mit der anderen Hälfte, die man anfangs unter den Tisch hat fallen lassen? Ist es vielleicht nur diese andere Hälfte, die man durch Verdoppelung des ’neuen‘ Ganzen erreichen kann? Gaukelt uns Deine Art der reduktionistischen Prozentrechnung jene 100% nur vor? Ist dies nur nur ein Schein-, ein Buchwert? Ist dies nur ‚Das Märchen vom Ewigen Wachstum‘? Ich – für meinen Teil – rechne lieber mit einem Ganzen und beiden Hälften… 🙂

  3. Helmut Josef Weber

    Ja- genau so sieht es aus.
    Ich wohne seit 12 Jahren in Spanien.
    Hinzu kommt noch die enorme Schwarzarbeit.
    Ich kenne viele Arbeitslose, aber Niemanden ohne Arbeit.
    Wenn ich bei LIDL ein paar Kisten Wein Kaufe, dann muss die Verkäuferin bei 3 Kisten a. 6 Flaschen, in eine Liste sehen, um die Anzahl der Flaschen zu ermitteln.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  4. Die Aktienrechnung ist doch logisch.
    Nehmen wir an eine Aktie kostet 100€ und verliert 50%.
    Der aktuelle Wert beträgt nun 50€.
    Der Ausgangsleistung der Aktie sind nun die 50€. Würde sie jetzt um 50% steigen, hätte sie einen aktuellen Wert von 75€.
    Jede neue Berechnung fängt wieder mit 1em Ganzen an. Egal wieviel oder welchen Wert saß Ganze hat.

    Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt.

  5. Die Perspektivlosigkeit für die europäische Jugend ist ein Fakt. Was für Chancen bieten sich Jugendlichen zum Berufseinstieg in Europa, egal ob sie die Universität oder die Basisschule verlassen?
    Selbst ein Abschluss an einer Hochschule ist heute keine Garantie für eine Festanstellung, es sei denn man hat einen Havardabschluss vorzuweisen. Die Kanzlerin spielt wieder einmal Sandfrau. Eigenlob stinkt und es stinkt mächtig, besonders wenn die CDU frech und dreist die sog. niedrige Quote bei der „Arbeitslosigkeit“ unter deutschen Jugendlichen als Beweis für den Erfolg ihrer Regierung heranzieht. Das ist auch wieder so eine PR-Finte. Die zentrale Frage ist doch: Sind diese nackten Zahlen wirklich vergleichbar? Wie lange gehen deutsche Jugendliche zur Schule? Wann ist das durchschnittliche Eintrittsalter von Jugendlichen in die Berufsausbildung? Wie sieht unsere Alterspyramide im Vergleich dazu aus? Schon ein Blick in die Niederlande zeigt, wir sind was den Einritt in die Berufswelt betrifft Spätzünder und rangieren nicht an der Spitze. Das wirft ein Licht auf unser Bildungssystem und den langen Schatten einer schlechten schulischen Grundausbildung. Kaum ein deutsches Unternehmen ist mit dem Bildungsstand deutscher Schulabsolventen zufrieden. Dreisatz und Prozentrechnung – tote Hose! Der Mittelstand, die Handwerksbetrieb nehmen vermehrt Abiturienten… usw.
    Die Kanzlerin ist hämisch und arrogant. Deutschland, D. über alles, so macht man Wahlkampf und Otto Normalverbraucher hört gerne die positiven Signale.
    Es wird Zeit, dass wir neben den Grasswurzel-Blogs auch einen Grasswurzel-Nachrichtenkanal aufbauen.
    Was uns die Propaganda Abteilung der Parteien mittels der Leitmedien anbietet ist zum Kotzen.
    Wie sagte Dostojewskij: „Aus hundert Kaninchen wird niemals ein Pferd und
    aus hundert Verdachtsgründen niemals ein Beweis.“

  6. Hehe, manche scheinen das Aktienbeispiel aus dem zweiten Absatz tatsächlich nicht zu verstehen. Hier ein Erklärungsversuch:

    Es ist der 01.01.2013 und man hat eine Aktie, einen Fonds, einen Klumpen Edelmetalle oder was auch immer. Dieses eine Stück hat man heute am 01.01.2013 zu 100€ gekauft. Bis zum Jahresende fällt der Preis um 50% auf 50 Euro. Der Depotauszug oder das Inventarverzeichnis oder was auch immer zeigt einen Verlust von 50%. Um wieviel muss nun der Preis in 2014 steigen, damit ich wieder 100€ habe? Wie hoch muss die Rendite in 2014 sein um den 50%-Verlust wieder gut zu machen? Ich benötige 50Euro Gewinn und das sind nunmal 100% (Verdoppelung), damit ich Null auf Null da stehe. Es kommt noch besser: Fällt der Wert in einem Jahr um 90%, also z.B. von 100€ auf 10€, dann muss sich der Wert im Folgejahr verneunfachen, also um 900% steigen um wieder auf 100€ zu kommen. Toll gell? Fällt ein Wert in einem Jahr um z.B. 20%, dann muss er im nächsten um zirka 22% steigen, damit man unterm Strich nichts verloren hat. Das ist die Prozentrechnung…. haben´s jetzt alle verstanden? ;.-)) *grins*

    • oooooooohhhhhhhhh, jaaaaaaaaaaa – merci –
      quod erat demonstrandum
      die schulische Ausbildung in Deutschland ….. !!!

  7. Stimmt das auch wirklich? *grübel*

  8. Tut mir leid, dass ich hier den Klugschei…. gebe, aber in deinem Erklärungsbeispiel zur Prozentrechnung muss sich der Kurs im Folgejahr verzehnfachen (was das Gleiche ist wie UM (nicht auf) 900% steigen). Bitte nicht als besserwisserische Kritik verstehen, sowas passiert halt im Eifer des Gefechts… Nur falls jemand in Prozentrechnung nicht so fit ist und versucht, die Sache aus dem Beispiel heraus zu verstehen, dann irritiert das ein bißchen.

    • Opps danke…. habe selbst auch lange gebraucht, bis ich das verstanden habe. ^^ Umso schwieriger wird´s wenn man es dann noch anderen beibringen will. Deshalb danke für die Ergänzung ;-))

  9. Bitte sehr! 🙂

  10. Hi Jenny,

    wenn es hier schon so problematisch ist die Prozentrechnung zu erklären, wie sollen diese Leute denn bei Aussagen von Politikern durchblicken?

    Sieh dir die Reden dieser Schaumschläger an und du kannst bei fast jedem Satz in die eine oder andere Richtung interpretieren.
    Viele Statistiken werden ausschließlich dazu erstellt um falsche Aussagen richtig erscheinen zu lassen. Sollte eine erstellte Statistik mal ungeeignet sein, so wird sie nicht veröffentlicht. Unsere Arbeitsministerin v. d. Leyen hat so ja auch „bewiesen“, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich geschlossen hat.
    Erinner dich an die Intervention vom Wirtschaftsminister Rößler zum Armutsbericht wo ihm eine Aussage niht gefiel.

    Arbeitslosenstatistiken waren noch nie dazu geeignet eine überparteiliche Meinung wieder zu geben. Darüber braucht niemand mehr etwas zu sagen.

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