Finanzwissen: Was sind CFDs?

Manch einer fragt sich was diese CFDs eigentlich sind. Es handelt sich um die wohl spekulativsten Finanzinstrumente, die es gibt.

„Verluste mit CFDs können Ihre Einlagen in unbegrenzter Höhe übersteigen“, warnen die Anbieter in ihren Unterlagen. Formell handelt es sich um Differenzkontrakte (englisch: contract for difference, kurz CFD). Man kauft oder verkauft einen CFD, der sich auf einen Basiswert bezieht. Hierzu hinterlegt man aber nicht die volle Summe, sondern nur eine gewisse Sicherheitsleistung. Mit CFDs ist es also möglich, z.B. den DAX zu kaufen, in dem man i.d.R. 1% des Kontraktwertes hinterlegt. Ein DAX-Kontrakt hat aktuell einen Wert in Höhe von 9.210 Euro. Bei 1% Sicherheitsleistung (Margin) benötigt man demnach nur 92,10 Euro, um daran zu partizipieren.

Spielen wir das mal durch: Ich kaufe einen DAX-Kontrakt mit Wert 9.210 Euro und hinterlege 92,10 Euro von meinem Guthaben. Der DAX steigt um 1% auf 9.302 Punkte. Ich verkaufe den Kontrakt zu 9.302 Euro und streiche 92 Euro Gewinn ein; meine Sicherheitsleistung erhalte ich zurück. Meine Rendite beträgt 100%, denn ich habe meinen Einsatz verdoppelt. Wäre der DAX um nur 1% gefallen, dann wäre mein Einsatz weg gewesen. Wäre er noch weiter gefallen, dann müsste ich Geld nachlegen. Kann ich das nicht, weil mein Guthaben nicht ausreicht, dann wird mein Kontrakt zwangsliquidiert. Vorher bietet mir der Anbieter aber an, in Sekundenschnelle Geld per Kreditkarte einzuzahlen („Margin-Call“).

Mit CFDs kann man so ziemlich alles zocken. Aktien, Währungen, Zinssätze oder auch Rohstoffe. Die Orders verlaufen schnell und unkompliziert; einfach mit 2-3 Klicks und ohne TAN-Liste oder ähnliches. Mit 1.000€ Einsatz kann man bei 1%-Margin mit 100.000 Euro in den Markt gehen. Bei taggleichem Kauf und Verkauf verlangen die meisten Anbieter keine Finanzierungszinsen. Hält man die Position über Nacht, dann bezahlt man für die Summe Kreditzinsen. Mit CFDs kann man wesentlich mehr verlieren, als man eingesetzt hat. Beängstigend ist die Einfachheit. Jeder kann mitmachen, egal ob Profi oder Anfänger. Der Handel mit CFDs ist ein Glückspiel und kann süchtig machen. Mit Geldanlage hat dies nichts mehr zu tun.

Wertpapierkäufe auf Kredit oder das Spekulieren mit Hebelwirkung ist beim Börsencrash von 1929 zu trauriger Berühmtheit gelangt. Damals hat man genau das gemacht, was bei CFDs mit 2-3 Klicks möglich ist. Man zockt mit Geld, welches man nicht besitzt. Die meisten Anbieter von CFDs sitzen im Ausland. Deshalb kommt es auch nicht zum „lästigen“ Abzug der Abgeltungssteuer. Auch Ordergebühren gibt es vielmals nicht, denn die Anbieter verdienen am Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Natürlich kann man auch Kontrakte verkaufen, die man nicht besitzt. So können ahnungslose Privatanleger in Sekundenschnelle einen Leerverkauf machen.

Fazit: Der Handel mit CFDs ist vergleichbar mit einem sehr riskanten Glückspiel. Das schnelle Geld ist möglich, aber der schnelle Verlust ist wahrscheinlicher. Wer den Traum hat, ohne Arbeit und Leistung Geld zu verdienen, sollte lieber zum Arzt gehen. Ich kenne viele Leute, die tagtäglich Derivate gezockt haben und bitte glaubt mir: Keiner, niemand, also überhaupt niemand ist davon reich geworden. Die meisten haben ein teures Lehrgeld bezahlt.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog,
oder via Twitter an http://twitter.com/_JennyGER_

Mail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de

liebe Grüße, eure Jenny

10 Antworten zu “Finanzwissen: Was sind CFDs?

  1. Ein interessantes Thema, Jenny. Aber bitte nicht so sensationsheischend. CFDs sind sicherlich nichts für Witwen und Waisen. Aber bloss, weil es sich um stark gehebelte Instrumente handelt, diese als „spekulativste Finanzinstrumente“ überhaupt zu bezeichnen, das geht doch erheblich zu weit. Letztlich ist das mit einem fairen Partner im Prinzip genauso riskant, wie eine entsprechend per Kredit gehebelte Anlage auf das jeweilige Unterlying. Die Profis machen genau dasselbe mit den sog. Futures am Terminmarkt und das in erheblich größerem Massstab.

    Und beim Stichwort „fairer Partner“ liegt auch der eigentliche Hund begraben hinsichtlich CFDs. Entgegen dem Terminmarkt für Futures handelts Du CFDs nämlich NICHT an einem Markt, der von einem neutralen Partner betrieben wird, sondern du handelts stets GEGEN den Betreiber des Marktes. Gegen denjenigen, der die Kurse liefert und die Ausführungen dokumentiert. Wenn Du gewinnst, dann verliert er. Da ist seine Interessenlage ja wohl klar, oder? Und Möglichkeiten zur Manipulation hat er ohne Ende.

    Gruss

    Uwe

  2. Da hast Du vermutlich recht. Zumindest die meisten. Das selbe gilt dann aber auch für Optionsscheine und vor allem die neueren Varianten wie z.B. Knockout oder noch schlimmer Binäre Optionen, echt übles Zeug. Ohne Glaskugel kannst Du da gar nicht gewinnen.

  3. uwe – Binäre Optionen. Das ist ein Wettgeschäft. CFDs sind ein Glückspielautomat. Die Spielidee ist ähnlich. Rechtlich wird das vermutlich anders behandelt…

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