Kleinstaaterei als Erfolgsrezept

Die @Vernunftpartei hat gestern einen sehr interessanten Link getwittert. Dort findet man einen Text von Goethe vom 23. Oktober 1828. Ich habe mir nun folgenden Spass erlaubt: Ich nehme einige Auszüge und ersetze das Wort „Deutschland“ mit dem Wort „Europa“.

„Es sei eins, daß der europäische Taler und Groschen im ganzen Reich gleichen Wert habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle sechsunddreißig Staaten ungeöffnet passieren könne. Es sei eins, daß der städtische Reisepaß eines weimarischen Bürgers von dem Grenzbeamten eines großen Nachbarstaates nicht für unzulänglich gehalten werde, als der Paß eines Ausländers. Es sei von Inland und Ausland unter europäischen Staaten überhaupt keine Rede mehr. Europa sei ferner eins in Maß und Gewicht, in Handel und Wandel und hundert ähnlichen Dingen, die ich nicht alle nennen kann und mag.

Wenn man aber denkt, die Einheit Europas bestehe darin, daß das sehr große Reich eine einzige große Residenz habe, und daß diese eine große Residenz, wie zum Wohl der Entwickelung einzelner großer Talente, so auch zum Wohl der großen Masse des Volkes gereiche, so ist man im Irrtum.

Wodurch ist Europa groß als durch eine bewundernswürdige Volkskultur, die alle Teile des Reichs gleichmäßig durchdrungen hat. Sind es aber nicht die einzelnen Fürstensitze, von denen sie ausgeht und welche ihre Träger und Pfleger sind? – Gesetzt, wir hätten in Europa seit Jahrhunderten nur die beiden Residenzstädte Wien und Berlin, oder gar nur eine, da möchte ich doch sehen, wie es um die deutsche Kultur stände, ja auch um einen überall verbreiteten Wohlstand, der mit der Kultur Hand in Hand geht!

Frankfurt, Bremen, Hamburg, Lübeck sind groß und glänzend, ihre Wirkungen auf den Wohlstand von Europa gar nicht zu berechnen. Würden sie aber wohl bleiben, was sie sind, wenn sie ihre eigene Souveränität verlieren und irgendeinem großen europäischen Reich als Provinzialstädte einverleibt werden sollten? – Ich habe Ursache, daran zu zweifeln.“

Goethe, 23. Oktober 1828 (edtiert von Jenny am 25.12.2013)

Kommentar: Großreiche wie die EU werden nicht auf Dauer funktionieren. Auch der Nationalismus scheitert regelmäßig. Ein gangbarer Weg wäre der Regionalismus. Die Probleme sollten dort gelöst werden, wo sie sind. Die Kommunen und Bürger vor Ort sollten sich selbst verwalten.


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liebe Grüße, eure Jenny

9 Antworten zu “Kleinstaaterei als Erfolgsrezept

  1. Pingback: Mal mit Goethe über Politik gesprochen | LOB's Metier

  2. Mei, Jenny, wie platt! Mehr Inhalt bitte. Und weniger Provokation ohne jeglichen Beleg oder Argument, ohne Für bzw. Wider, selbst wenn Du als Aufhänger den guten alten Goethe verwendest:

    > Kommentar Jenny: Großreiche wie die EU werden nicht auf Dauer funktionieren

    Was bedeutet „auf Dauer“? Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende? Alles schon da gewesen, siehe unten.

    Da sind so einige „Großreiche“, die jeweils für verdammt lange Zeit funktionerten, e.g. Ägyptens Pharaonen, Römisches Imperium, Chinesisches Kaiserreich.
    Die USA – na ja, inzwischen immerhin über 100 Jahre als Macht wahrnehmbar – kommen zeitlich noch lange nicht an die vorgenannten heran. Mit dieser Dauer für die EU wäre ich schon sehr zufrieden.

    Einen ganz wesentlichen Punkt hat Goethe in seiner Aufzählung nicht genannt, da für den vormaligen Kleinstaatenflickenteppich Deutschland angesichts konkurrierender und ggf. feindlicher Umfeldstaaten auch weniger wesentlich – die Befriedung vormals miteinander kriegerisch verstrickter Nationen.

    Wir erleben heute die längsten Friedensperionde zwischen den Staaten der heutigen EU, die es in den letzten Jahrhunderten gab. Alleine dies ist für mich ein sehr, sehr starkes Argument für statt wider Europäischer Union. Da lebe ich doch gerne mit der genormten Salatgurke, den nicht-nachfüllbaren Essig/Ölfläschchen und anderem bürokratischen Irrsinn.

    Gruss
    Uwe

    • gradischnik

      Die längste Friedensperiode? Die dürfte wohl seit dem Vertrag von Lissabon zu Ende gegangen sein. Die Agressionen der Nato, die Agressoren der Brüsseler Diktatur, Einmischungen in Angelegenheiten souveräner Staaten. Sehen Sie nur die Tagesschau? Die kriegsgeilen Franzosen, Engländer,……Hollande will sich sogar seine Kriege von der EU finanzieren lassen. Bis zum Hindukusch hin mischen sie sich in jeden Dreck ein, der ihnen von den Amerikanern vorgegeben wird.
      Grenzen werden immer weiter ausgedehnt, Raketenschilde aufgestellt, wo nun wirklich keine hingehören.
      Das ist jedenfalls nicht mein Wille. Wenn Sie sich tatsächlich wohlfühlen unter diesem Diktat unserer Staatsratsvorsitzenden des Zentralrats der GroKo, dann ersticken Sie bloß nicht an Ihrer genormten Gurke in der nächsten Zeit.
      Es ist schon erstaunlich, in welche Ecke Goethe hier nach seinem gesellschaftlichen Rang von einigen Kommentatoren gemessen wird. Vielleicht irgendwo nen Comic von Goethe gelesen? So kommt es mir jedenfalls vor.
      Sehr schöner Artikel von Jenny, sollte sicherlich zum Nachdenken anregen. Hat es bei mir auch getan als dankbarer Leser. Bedauerlich ist es nur, wenn die Kommentatoren Platitüden von sich geben.
      „Mehr Inhalt bitte!!““ ….oha, der Herr möchte unterhalten werden!
      Der Griff von jenny war alles andere als platt!

    • @gradischnik
      Oh welch Eifer – oder auch Geifer. 🙂 Sorry, das Wortspiel lag einfach zu nahe.

      Ich rede von Frieden als Gegensatz zu offenem Krieg – nicht von Rüstung oder meinetwegen auch UNO gedeckte Aktionen am Hindukusch (nicht dass ich mich damit wohl fühlen würde) -, von ganz klassichem Krieg auf deutschem oder meinetwegen auch europäischem Boden mit deutschen Truppen. So mancher Gutmensch oder auch politisch eifrige Europaseparatist und Nationalstaatler kann sich das in Europa wohl überhaupt nicht mehr vorstellen.

      Über Argumente und interessante, fundierte Thesen freue ich mich ja immer. Nur waren da keine von Jenny. Nur ein paar provokative Behauptungen mit Goethe als Aufhänger. .

  3. Jenny,

    ich bin bei dir.
    Es wird zurückgehen in zur „Kleinstaaterei“ und mehr Regionalität und weniger Globalisierung.

  4. Goethe ist logischerweise Anwalt des Bildungsbürgertums und damit eines Partikularinteresses. Das Bildungsbürgertum, darunter die zahlreichen Hofmusikanten, Hofschauspieler, Hofbibliothekare, Hofmarschälle, Hofdamen, Prinzenerzieher, Bereiter, Zeremonienmeister, Hofprediger, Hofköche und Hofbaumeister waren allein von ihrer Anzahl ein deutsches Spezifikum. Fast alle von diesen Hofschranzen verdankten ihre wirtschaftliche Existenz den zahlreichen Kleinstaaten mit ihren Höfen, Hoftheatern, Hofkapellen und Hofbibliotheken. Sie wären verrückt gewesen, wenn sie die deutsche Einheit gefordert hätten. Nur in den zahlreichen Residenzen mit ihrem Repräsentationsbedürfnis konnte sich eine deratig zahlreiche kulturelle Koterie behaupten. Klein- und Mittelstädte wie Weimar, Schwerin, Meiningen, Detmold, Darmstadt, Altenburg, Neustrelitz, Rudolstadt, Dessau, Bückeburg, Gera, Arolsen, Sondershausen und Greiz leisteten sich einen an der Bevölkerunszahl gemessen üppigen Kulturbetrieb. Vom Bildungsbürgertum kam die Forderung nach der deutschen Einheit nicht, und so blieb Deutschland bis heute ein föderaler Staat. Mit allen positiven und negativen Wirkungen.

  5. Gut gebrüllt Löwin Jenny, nur es fehlt das Geschmäckle! Wo ist der historische Kontext? Wie steht es mit Deutschlands Souveränität? Was sagen Deutschlands europäische Nachbarn?( Arnulf Bahring lesen!) Gibt es im heutigen Deutschland ein vergleichbares Bildungsbürgertum? Wer macht Geschichte? Der eiserne Kanzler oder/und das Hambacher Fest? Lassen dies Großmächte überhaupt zu ? Wer herrscht in Deutschland? Gibt es überhaupt Strukturen in Deutschland die dieses Szenario zulassen? Was ist mit den grundlegenden finanzökonomischen Strukturen? Wer ist die Kreatur von Jekyll Island? Beherrschen 120 Monopole & 2 Familienclans diese Welt? ect.
    Erst gut recherchieren und dann das Extrakt zur veröffentlichten Diskussion stellen!
    Guten Hunger & wohl bekomm`s Löwin

  6. Eine Kleinstaaterei ist nicht möglich wie Henry Nitzsche ausführt:



    MfG

  7. Jaja, der Goethe war ein hochintelligenter Mensch zu seiner Zeit. Er muss sich sehr einsam gefühlt haben. Genau zu diesem Thema gibt es einen sehr guten Beitrag von Prof. Hans-Hermann Hoppe. Dort begründet er, warum kleinere „Staaten“ für Wohlstand, Bildung (und damit letztlich auch für Frieden) besser geeignet sind als die großen Imperien (z.B. auch das nationalistische Frankreich).

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