Geldanlage: Aus dem risikolosen Zins wurde das zinslose Risiko

Man stelle sich ein Fußballspiel vor, bei dem alle Spieler im Tor stehen. Man hätte die perfekte Sicherheit, würde aber kein Spiel gewinnen. Genau diesem Trugschluss folgen viele deutsche Anleger: Sie setzen alles auf gefühlte Sicherheit und verschenken wertvolle Renditen. 

Geldvernichtung durch negative Realzinsen

Das private Geldvermögen der Deutschen beträgt knapp 5 Billionen Euro. Über zwei Drittel dieses Betrags liegt in niedrigverzinsten Geldanlagen, wie die Bundesbank berichtet. Anleger setzen damit alles auf „gefühlte Sicherheit“ und nehmen dabei einen empfindlichen Kaufkraftverlust hin. Die Herausforderung ist nicht eine hohe Inflation. Störfaktor Nummer eins ist das ultraniedrige Zinsniveau, welches vielen Sparern negative Realzinsen beschert. Die Zinsen sind unter anderem deshalb so niedrig, weil Banken und Versicherungen grenzenlos Staatsanleihen kaufen, weil sie diese kaum bis überhaupt nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen.

Mit Sicherheit zu wenig

Wer sein komplettes Vermögen auf Tagesgeld- oder Sparkonten schlummern lässt, hat nur eine gefühlte Sicherheit. Kaufkraftverlust ist ja keine Sollbuchung, die man auf dem Kontoauszug sehen kann. Jeder kann ausrechnen, wie hoch sein persönlicher Verlust ist. Man nimmt einfach die Inflationsrate und zieht die Zinserträge davon ab. Verluste von über 1% sind keine Seltenheit. Frage in die Runde: Wer würde ein Tagesgeldkonto machen, wenn es keine Inflation gäbe, die Bank aber 1% Gebühr verlangen würde? Bei Inflation verlieren nicht nur Guthaben an Wert, sondern auch Schulden, denn Guthaben sind Schulden. Der größte Schuldner ist der Staat. Der Verlust der Sparer ist demnach wie eine Sondersteuer auf die Bundesschuld zu verstehen. Vorteil für die Politik ist, dass diese Steuer nicht durch das komplizierte Gesetzgebungsverfahren geschickt werden muss. Man spricht auch von Enteignung oder finanzieller Repression.

Es gibt Auswege

Aus dem risikolosen Zins, wurde das zinslose Risiko. Tagesgelder bringen nur noch eine gefühlte Sicherheit. Profis nutzen internationale Chancen und streuen ihr Vermögen über Einzelwerte und mehrere Anlageklassen. Über ein temporär gestaffeltes Einstiegsmanagement kann man sogar das Risiko über die Zeit streuen. Ein „temporär gestaffeltes Einstiegsmanagement“ ist übrigens ein sogenannter Fondssparplan, hört sich aber gut an, gell? Man muss sich klar machen, dass Guthaben nur Forderungen also Kredite sind. Sach- und Nutzwerte gehören definitiv in jedes Portfolio. Aktien zum Beispiel waren in der Vergangenheit immer dann sicher, wenn man einen sehr langen Atem hatte. Anleger wurden dann mit sehr hohen Renditen belohnt.

Vielfalt tut gut

Deutsche Anleger denken oft sehr simpel; sie setzen meist alles auf eine Karte. Die einen setzen alles auf Tagesgeld, andere auf Edelmetalle und manche setzen ihr gesamtes Vermögen auf Immobilien. Man bildet sich dabei ein, eine „sichere Geldanlage“ zu haben. Zu was fehlende Diversifikation führt, haben die vergangenen Krisen eindrucksvoll gezeigt. Besonders in Zeiten, in denen wir eine lokale Inflation sehen und sich in einzelnen Märkten Preisblasen bilden, werden wir immer wieder solche Krisen sehen. Nehmen wir die US-Immobilienkrise oder die 2000er-Internetaktienkrise. Manche kaufen sich von ihrem gesamten Geld Edelmetalle, weil sie denken es bricht bald alles zusammen. Das ist ja ok, aber haben diese Leute schon mal nachgedacht, was passiert, wenn der BIGBÄNG erst in 100 oder 150 Jahren kommt? Man sollte sich auf alle Eventualitäten einstellen und weil niemand weiß, was gut und was schlecht ist, sollte man einfach alles machen. Vielfalt tut gut.


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liebe Grüße, eure Jenny

12 Antworten zu “Geldanlage: Aus dem risikolosen Zins wurde das zinslose Risiko

  1. Das mit dem Risiko streuen ist sicher das Beste. Schon alleine deswegen das man nur sehr bedingt abschätzen kann wo den der BIGBANG eingeleitet wird. Damit hat man gute Chancen das nicht in der ersten Runde im Drama gleich alles flöten geht.
    BIGBANG in 100-150 Jahren ??? Megalach (Natürlich grundsätzlich gibt es da gar nichts zu lachen.) Das kann Bestenfalls nur noch Jahre dauern.
    Mich überrascht nur noch das der BIGBANG nicht vor rund 10 Jahren eingetreten ist. An dieser Stelle einen Blumenstrauss an die Verantwortlichen Aktöre, die haben das ganz gut gemacht. Doch so langsam aber sicher sind auch die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft. Schätze mal die sind inzwischen kurz davor sich etwas in die Hose zu machen.
    Die sind schlicht und ergreifend mit ihrem Latein faktisch am Ende.
    Aufmerksamen bestmöglich Sachkundigen Beobachter ist klar die produzieren nur noch heisse Luft. zB. Zwangsenteignungen und dergleichen mehr. Alles nur noch Kopf und Substanzlose, kaum zu verheimlichende Ratlosigkeits und Panikreaktionen. Tja die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch grosse ,,Tiere,, sind ganz einfach und simpel, auch NUR Menschen. Gewiss etwas Eingebildeter, Rechthaberischer, Arroganter. Auch Massanzug und Schlipsträger müssen P. und Sch. und das stinkt bei denen wie bei allen anderen auch. Megalach. ( In diesem Falle darf man aus vollem Hals und ohne Einschränkung lachen bis der Bauch schmerzt.)

    • @Hans von Atzigen

      Deine hellseherischen Möglichkeiten in Ehren aber wann das dicke Ende kommt ist auch deinen Fähigkeiten verborgen.

      Solange es jemanden gibt, der das alles bezahlt wird es munter weitergehen. Wer dann der Dumme ist, wird sich erst später herausstellen.

      Ich z. B. habe eine Kreditkarte, mit der ich alles bezahle. Solange die Bank bezahlt, kann ich kaufen was ich will. Jetzt stell dir vor ich hätte meine eigene Bank und könnte Geld selber herstellen. Wann meinst du wäre ich pleite?
      Genauso ist es in der Finanzwelt. Solange alle mitmachen passiert gar nichts. Die entscheidenden Leute werden versorgt und sorgen für ein „immer weiter so“. Warum sollte in der nächsten Zeit ein BigBäng kommen?
      Bestimmt nicht weil es einigen Zeitgenossen zu schwer ist, Zahlen mit ganz viel Nullen zu verstehen.

      Vor 8 Jahren war ich auch deiner Meinung es könne nicht mehr lange so weitergehen aber mittlerweile habe ich dazugelernt. Es wird noch eine lange Zeit so bleiben – Das ist meine Einschätzung.

  2. Hallo Jenny,

    genau so ist es. Immer schön streuen statt alle Eier in einen Korb. Und mit einer längeren Anlagedauer rechnen, ab 10 Jahren aufwärts.
    Dann klappt es auch mit der Rendite, wenn die Weltuntergangspropheten auch dieses Mal daneben liegen – so wie immer.

    Gruss

    Uwe

  3. Hallo Jenny,
    habe Deine Beiträge bisher immer gemocht, aber warum musst Du Dich ausgerechnet mit einem Thema beschäftigen, welches seit Jahrtausenden zu Recht höchst umstritten ist und auch heute noch in vielen Religionen als „Sünde“ gilt, nämlich Geld mit Geld verdienen, was wahrscheinlich das größte Problem unseres heutigen Wirtschaftssystems ist.

    Ich fand es schon als ganz junger Mann absurd, wenn ich einem Kumpel ein paar Mark geliehen habe, dass ich dann nach Meinung von Anderen mehr zurück verlangen sollte, als ich ihm gegeben hatte. Und absurd und unmoralisch/lächerlich finde ich es immer noch.
    Und sag jetzt nicht „Kumpel ist was anderes“ oder „hier geht es doch um ganz andere Beträge“. Scheibenkleister bleibt Sch . . .

    Wir haben soviel Probleme auf der Welt und das Zinseszinssystem ist eines der größten, da muss man doch nicht auch noch mit Artikeln wie Deinem in die gleiche Kerbe hauen.

  4. Pingback: Geldanlage: Aus dem risikolosen Zins wurde das zinslose Risiko | FreieWelt.net

  5. Hellseher muss man nicht sein um zu erkennen das, das Spiel nicht mehr all zulange weitergehen kann. Der Hintergrund ist eigentlich recht einfach.
    Liquidität in der Masse die, die Realwirtschaftlichen Möglichkeiten erheblich übersteigt ist grundsätzlich ganz einfach Falschgeld in der Umgangssprache auch ,,Blüten,, genannt. Aktuell läuft eben diese Blütenproduktion mit Volldampf. Zum einen sind die Notenbanken Blütenproduzenten, zum anderen generiert auf diversen Kanälen und Mechanismen der Geld- Markt diese Blüten. Eigentlich im Kern ganz einfach es gibt Rechtlich eine Illegale und eine Legale Blütenproduktion. Die Illegale Blütenproduktion konfisziert das Rechtssystem. Die Legale Blütenproduktion eliminiert der Geldmarkt. Der Anstoss für das Eliminieren der Legalen Blüten geht von der Einbrechenden Realwirtschaft aus. Es ist allein der Glaube an die Legale Blütenproduktion die das System vor dem, BIGBANG bis auf weiteres bewahrt. Angesichts der Irren Dimensionen liegt das auffliegen dieses Geldbetruges nicht in allzu weiter Ferne. Hellseherei ??? Nichts dergleichen einfach schonungslos nüchterne Analyse. Dagegen sträubt sich sehr sehr verständlich das Wesen des Menschen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Genauer sie Endet wenn sie durch die Fakten gemeuchelt wird.
    Hellseherei betreiben nur jene die meinen ein genaues Datum zu kennen.
    Freundliche Grüsse

    • Trotz deiner Ausführungen ist mir immer noch nicht klar, warum diese „legale Blütenproduktion“ ein Ende nehmen muß.

      Eine Trillionen Dollar Schulden (10 hoch 18) sind noch nicht einmal ein Promille von einer Quadrillion (10 hoch 24) Dollar Schulden und wenn kein Platz für die Nullen auf den Geldscheinen vorhanden ist, wird mit Exponenten geschrieben oder einfach Nullen gestrichen.

      Wenn Du meinst der Schuldenstand sei jetzt schon immens was ist dann wenn die Schulden sich noch vertausendfachen?
      Man sollte sich mal mit den Grenzen des Wachstums beschäftigen und den Begriff Unendlich definieren. Nur dann kann erklärt werden warum es einen BIGBÄNG geben m u ß .

      Das schöne an diesen Voraussagen ist, man hat immer recht. Kommt kein BIGBÄNG, müssen wir nur noch etwas warten bis er kommt und wenn er tatsächlich eintritt heißt es : Das habe ich immer schon gesagt und hatte recht.

      Wenn Du kein Prophet bist, bin ich kein Zyniker.

  6. Hallo Jenny ein kleiner und vermtl unwichtiger Hinweis

    Es sollte heißen:
    Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden

    und nicht:
    Dein Kommentar muss noch freigeschalten werden.

    Ich habe es mal recherchiert weil diese Art zu schreiben sehr oft benutzt wird.

  7. @ Werter IPKlaus. Zu Deiner,, Beruhigung,, die Blütenproduktion wird weitergehen vermute sogar weiter beschleunigt. Innzwischen sind die Dinge soweit aus dem Lot, es gibt keine Alternative. Schätze mal das wird bis zum Absurdum weiterlaufen oder eben bis zum BIGBANG, Wann das sein wird ,offen. Bis Mitte der 1980 iger Jahre war auch ich im unerschütterlichen Glauben die Menschheit kann doch nicht sooooo blöd sein, sich selbst in ein Megadesaster zu reiten. Zwischenzeitlich hat sich bei mir längst Ernüchterung breitgemacht. Wirtschaft ist seit 40 Jahren mein wichtigstes Interessegebiet, dazu noch so einiges Ergänzendes sehr breites Spektrum. Mein ,,Rezept,, bewusste pflegte bedingungslose Offenheit, nach allen Seiten, verbunden mit bedingungsloser bestmöglich gepflegter Geistiger Freiheit. Dazu gehört auch das möglicherweise unerfreuliche überdenken und Geistig Durchspielen. Die sog. 68 iger Generation durfte insbesondere in den Industrienationen ein fürwahr Goldenes Zeitalter erleben. Leider hat sie zufiel verschlafen. Den Preis müssen die Enkel bezahlen. Die Chancen und Möglichkeiten zur Gestaltung einer Nachhaltig guten Zukunft waren so exzellent wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Falls meine unerfreulichen Prognosen nicht eintreffen, wäre das sehr sehr sehr erfreulich, vor allem im Interesse der aktuell Heranwachsenden.
    Freundliche Grüsse
    http://www.hans-von-atzigen.ch

  8. Ich halte vom Streuen nicht ganz so viel wie die Mit-Diskutanten.
    Sicher, Professor Markowitz hat für seine Portfolio-Theorie einen Nobelpreis für Wirtschaft abgeräumt, nur funktioniert diese Theorie immer nur über einen Jahreszeitraum einigermaßen zuverlässig, und auch das nur bei schönem Wetter.
    Wenn sie am notwendigsten ist, nämlich in Krisensituationen, versagt sie.
    Bestes Beispiel ist ein Zertifikat, das vom Zertifikate-Journal initiiert und vor etwa 10 Jahren von ABM Amro begeben wurde (WKN ABN2BF). Es ist nach der Markowitzschen Portfoliotheorie konstruiert und streut breit über fast alle Anlageklassen. Ich habe es im Juli 2005 für 120 €uro gekauft und nach etwa 4 Jahren mit leichten Verlusten verkauft. Heute steht es bei 102,77 €uro.

    Das Streuen des Risikos ist falsch. Man muß sich immer auf die jeweils beste Anlageklasse konzentrieren. In den 60er und 70er Jahren waren das Immobilien. Ende der 80er bis zur Jahrtausendwende waren es Aktien. In den letzten 10 Jahren waren und sind es Edelmetalle.
    Innerhalb der jeweils besten Anlageklasse zu streuen, ist dagegen vollkommen richtig.

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