Zertifikate für Privatanleger

Zertifikate für Privatanleger haben keinen guten Ruf. Doch richtig eingesetzt können sie sehr hilfreich sein. Dabei spreche ich weniger von gehebelten Wetten, sondern eher von Instrumenten mit denen man eine angemessene Seitwärtsrendite erwirtschaften kann. Insbesondere in unsicheren Marktphasen sollte man ein Augenmerk auf Produkte lenken, die auch bei gleichbleibenden oder fallenden Kursen eine Rendite bringen. Anbei eine kleine Übersicht über gängige Zertifikate.

  • Bonitätsanleihen

Bei den sogenannten Credit Linked Notes (CLN) handelt es sich um normale Anleihen mit fester Verzinsung sowie Fälligkeitstermin. Die Rückzahlung der Anleihe erfolgt zum Nennwert (100%) sofern bei einem vorher festgelegten Referenzschuldner kein Kreditausfall eintritt. Daher liegt die Rendite solcher Bonitätsanleihen meist über einer laufzeitadäquaten Anleihe eines hochqualitativen Schuldners. Käufer von Bonitätsanleihen erwarten, dass es beim Referenzschuldner zu keinem Kreditevent kommt. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist asymmetrisch: Die maximale Rendite ist der Zins. Das maximale Risiko ist der Totalverlust.

  • Aktienanleihen

Aktienanleihen sind klassische Anleihen mit fester Laufzeit und fixer Zinszahlung. Die Rückzahlung am Fälligkeitstermin orientiert sich an der Entwicklung einer Aktie (Basiswert). Liegt der Aktienkurs am Bewertungstag z.B. auf oder über dem Basispreis, dann erfolgt die Rückzahlung zu 100,00 % des Nennbetrags. Liegt der Aktienkurs unter dem Basispreis, dann erfolgt die Rückzahlung in Aktien. Käufer von Aktienanleihen erwarten eine seitlich bis leicht steigende Entwicklung der zugrunde liegenden Aktie. Die feste Zinszahlung, die unabhängig von der Aktie gezahlt wird, ist entsprechend des Risikos höher im Vergleich zu normalen Anleihen. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist asymmetrisch: Die maximale Rendite ist der Zins. Das maximale Risiko ist der Totalverlust.

  • Bonus-Zertifikate

Hierbei handelt es sich um Anleihen mit fester Laufzeit. Zur Ausgestaltung eines Bonus-Zertifikats gehören ein Bonuslevel sowie ein Sicherheitspuffer in Form einer Barriere unterhalb des Basiswertes. Fällt der Basiswert während der Laufzeit nie unter die Barriere, dann erhält der Anleger den Bonus. Entwickelt sich der Basiwert besser als das Bonuslevel, dann können Anleger unbegrenzt an der Entwicklung partizipieren; manchmal wird aber auch ein Cap vereinbart. Berührt oder unterschreitet der Basiswert während der Laufzeit mindestens einmal die Barriere, dann orientiert sich die Rückzahlung an der tatsächlichen Entwicklung des Basiswertes. In diesem Fall können Verluste auftreten. Käufer von Bonus-Zertifikaten erwarten, dass der Preis des Basiswertes leicht fällt, sich seitwärts bewegt oder stark steigt.

  • Discount-Zertifikate

Ein Discount-Zertifikat bildet einen Basiswert nach. Dies kann z.B. eine Aktie oder ein Index sein. Der Käufer erhält einen Rabatt („Discount“) auf den Marktpreis und hat daher ein besseres Startniveau im Vergleich zur Direktanlage. Im Gegenzug gibt es aber eine Obergrenze für Gewinne („Cap“). Die Rückzahlung des Zertifikats zum Fälligkeitstermin hängt an der Entwicklung des Basiswertes. Durch den Discount entsteht ein kleiner Risikopuffer. Liegt der Basiswert über dem Cap, dann erhält man nur den Höchstbetrag (maximal mögliche Rendite ist also vorher bekannt; Verlust könnte 100% sein). Käufer von Discount-Zertifikaten erwarten, dass der Preis des Basiswertes zum Laufzeitende leicht steigt oder seitlich verläuft. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist asymmetrisch: Der Gewinn ist auf den Cap begrenzt; ein Totalverlust ist möglich.

  • Geldmarktanleihen

Hierbei handelt es sich um klassische Anleihen mit fester Laufzeit und Rückzahlung zu 100% des Nennwertes. Die Zinszahlungen sind allerdings variabel und an einen Referenzzins (z.B. Leitzins) gekoppelt. Manchmal wird ein Mindest- oder Höchstzins vereinbart. Beispiel: „Leitzins mal 2, mind. 0,5%, max. 3%“. Käufer von Geldmarktanleihen wollen eine sehr sichere Geldanlage und gehen tendenziell von einem steigenden Referenzzins aus.

Hinweis: Zertifikate sind Anleihen, sprich Kredite. Daher haben sie immer auch ein Emmitentenrisiko. Geht der Emmitent (Schuldner-Bank) pleite, dann ist die Einlage in Gefahr.


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liebe Grüße, eure Jenny

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11 Antworten zu “Zertifikate für Privatanleger

  1. Als die Zeiten ruhiger waren, habe ich auch mit Bonus- und Discount-Zertifikaten Seitwärtsrenditen erwirtschaftet.
    Im Moment haben wir aber unsichere Zeiten. Das Emmitentenrisiko, auf das Du ja auch hinweist, ist momentan enorm, denn die Schuldenblase wird sich bald in einer gewaltigen Erruption (nicht Erektion!) entladen (müssen), die zur Implosion des Bankensystems führen wird.
    Wohl dem, der dann Gold und Silber, statt wertlosem Papier hat!

  2. Hallo Jenny,
    Sie enttäuschen mich, denn von einer Vollblutbankerin hätte ich etwas mehr erwartet, als diesen giftigen Finanzmüll der sich Zertifikate schimpft! Zertifikate dienen nur ausschließlich dem Emittenten und sicherlich nicht dem Privatanleger! Außerdem wettet die Bank dann immer gegen den Halter des Zertifikates und manipuliert nach Herzenslust! Es gibt eigentlich nur 3 Klassen in die der Privatanleger investieren kann, ohne bis aufs Hemd ausgezogen zu werden, und das sind auch in normalen Zeiten keine Zertifikate jeglicher Colleur!
    Eine Klasse hat Drudenfuß schon beschrieben!
    Auch hier gibt es Probleme, wie folgendes Telefonat beweist:
    Neulich am Telefon:

    „Ben? Bist Du es? Hier Barack. Und Lloyd, bist Du auch da?“

    „Hier Ben“ – „Hier Lloyd“

    ( Ben Bernanke: Chef US-Notenbank, Barack Obama: US-Präsident, Lloyd Blankfein: Chef der US-Großbank Goldman Sachs)

    „Prima, dann steht die 3-er Konferenz.“

    Barack: „Ich brauch mal euren Rat!“

    Ben: „O.k. – schieß los.“

    Barack: „Also, mich hat eben die NSA (Geheimdienst der USA) angerufen. Die haben mir gesagt, Angie (Angela Merkel) werde die nächsten Tage auf mich zukommen.“

    Ben: „Was will die?“

    Barack: „Die will ihr Gold, das bei uns lagert.“

    Ben lacht schallend und prustet los: „Das ist doch weg!“

    Barack: „Ja eben; und die NSA sagt, Angie will das Gold zurück ins Reich holen.“

    Lloyd: „Oh shit!“

    Ben: „Nana, nicht so eine Sprache, Du weiß doch, die NSA hört auch bei uns mit.“

    Lloyd: „Sorry – das Wort soll die NSA im Protokoll streichen.“

    Barack: „… und was sag ich Angie?“

    Ruhe …

    … dann Lloyd: „Wir kaufen das Zeugs. Du, Barack, sorgst dafür, dass wir etwas Zeit gewinnen. Ich sorg für günstige Kaufkurse, Ben kauft das Gold – und dann soll Angie es doch haben.“

    Barack: „Super, so, als Dreigestirn, kommen wir aus dem Dilemma raus. Ich danke Euch. Bis dann also.“

    Lloyd: „Nur kurz, Barack. Denk dran, wenn Angie anruft, darf sie nicht merken, dass Du schon alles weißt.“

    Barack lacht: „Keine Problem. Ich tu so, als wäre alles neu. Das mach ich bei allen Verhandlungen. Die NSA sagt mir doch immer vorher, was kommen wird.“

    Barack, Ben und Lloyd beenden verschwörerisch lachend die Telefonkonferenz.

    Lloyd Blankfein sorgte über seine weltweiten Kontakte für einen rapiden Preisverfall bei Gold.

    Ben Bernanke kaufte mit frisch gedrucktem Geld Zug um Zug das vorher verjubelte Gold.

    Barack Obama lud Angela Merkel zum Essen ein und sorgte für lange Rückgabefristen.
    Sicher sind nur Anlagen, die ich als Privatanleger auch wirklich halbwegs kontrolliere, möglichst außerhalb des Bankensystems!
    MfG

    • „Sie enttäuschen mich, denn von einer Vollblutbankerin hätte ich etwas mehr erwartet, als diesen giftigen Finanzmüll der sich Zertifikate schimpft!“

      Auf so einen Kommentar habe ich quasi schon gewartet *fg*

  3. Hallo Jenny,

    ich habe eine Frage. Welchen ungeförderten Riestervertrag würdest Du favorisieren? Wenn möglich mit Einfluß auf die Anlageform. Bisher habe ich“DWS Riester-Rente Premium“ gefunden. Jedoch investieren die in Dachfonds.

    MfG

    • Deka Zukunftsplan wäre mal interessant. Die Allokation der Anlageklassen kannst du hier zwar nicht steuern, aber du kannst aus verschiedenen Fonds wählen, die gemischt werden sollen. Wegen der gesetzlichen Kapitalgarantie (nach Kosten!!!) wird sicher kein Anleger den Kunden die Anlageklassen selbst mischen lassen.

      lg

  4. Liebes Fräulein Jenny,
    Ich halte Sie für viel intelligenter & raffinierter, als sie sich in dem Zertifikateartikel dargestellt haben.Sie haben das in vielen vorherigen Artikeln bewiesen! 🙂
    Warum soll ich als Anleger diese Zertifikate kaufen und wie sind genau die mathematischen Modelle dahinter? z.B. die implizite Volatilität bei OS, ist für mich weder transparent noch abschätzbar. Bei der Riesterrente weiß ich, daß ich mindestens 81 Jahre alt werden muß, um überhaupt einen finanziellen Vorteil davon zu haben, also Ausschuß.
    Ansonsten ein prima Block ( weiter so!), zum kuglig lachen. 🙂
    MfG

    • Selbstverständlich rate ich nicht zum Kauf dieser Zertifikate oder anderer Finanzinstrumente. Ich möchte nur erklären, wie sie funktionieren.

      lg

  5. So ergeht es Zertifikate- und Riester-Rürup Anlegern:

    Ob long, ob short, das Geld ist fort!
    MfG

    • „Zertifikate- und Riester-Rürup Anlegern“ das ist eine sehr sehr sehr starke Vereinfachung. Es gibt bei Riester oder Rürüp verschiedene Durchführungswege und keiner davon hat mit Zertifikaten zu tun.Noch haben die wenigsten Anleger Vermögen verlogen – das muss man auch mal festhalten. Das heißt nicht, dass ich staatliche bis halbstaatliche Altersvorsorge gut finde. Allerdings möchte ich ein bisschen auf fachliche Korrektheit setzen.
      lg

  6. Liebes Fräulein Jenny,
    Es wäre für viele Leser vielleicht hilfreicher, die 3 wichtigsten Anlagemöglichkeiten(Assetklassen) vorzustellen und dazu die passenden Anlagestrategie! D.h. wie von Ihnen schon vorgestellt der Cost average Effekt, aber noch besser die eingearbeitete Zeitkonponente, das Lebensalter, die verschiedenen Börsen- und Wirtschaftszyklen, als auch das Systemtrading z.B. Metatrader. Die Zykliken von Aktien, Rohstoffen und Bonds im Vergleich. Welche Anlagetechniken gibt es überhaupt? usw. Die Zertifikate als Anlageklasse sind von Christian Röhrl in den 90-ziger Jahren entwickelt worden und wegen des Emirisikos und der Manipulation für den Normalverbraucher nur bedingt tauglich.
    MfG

  7. Hallo Jenny,
    Wie geht das, Vermögen verlügen? Ich dachte das machen nur Bankster? Und wie kann man sein Vermögen welches in Händen der Bankster liegt auch noch festhalten? Das geht auf keinen Fall!
    Eher geht, mir ist eine Fniege in den Hans gefnogen!
    Aber das Riester-Rürupvermögen ist auf jeden Fall schon durch die Politbankster verlogen und weg!
    Was die Schelmen nicht stehlen, das zertreten die Narren!
    Hellau!

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