WachstumsWAHN & SchuldenWAHN: Sind wir alle WAHNsinnig?

Unter dem Begriff Wahn versteht man in der Psychiatrie eine inhaltliche Denkstörung. Der Wahn ist eine inhaltlich falsche, die Lebensführung behindernde Überzeugung, an der der Patient trotz der Unvereinbarkeit mit der objektiv nachprüfbaren Realität unbeirrt festhält. Wachstum bezeichnet die Zunahme einer bestimmten Messgröße im Zeitverlauf. Somit übertreibe ich nicht, wenn ich die aktuell gültigen politischen Denkweise als „Wahnsinn“ bezeichne.

Unter Wirtschaftswachstum wird der Zuwachs des BIP (Bruttoinlandsprodukts), also der Summe der Preise der in einer Volkswirtschaft produzierten ökonomischen Güter (Waren und Dienstleistungen), innerhalb eines Jahres verstanden. Politisch gesehen ist „Wachstum“ immer dann gegeben, wenn das BIP zunimmt. Dies muss es zwingend tun um die wachsende Schuldenlast zu tragen. Je mehr Schulden eine Volkswirtschaft hat, desto mehr Wachstum benötigt sie um aus diese Last zu bewältigen. Stellt man sich dies grafisch vor , dann sieht man eine exponentielle Kurve: Bei einem Geldmengenwachstum = Schuldenwachstum) von „nur“ 5% pro Jahr benötigen wir ebenfalls 5% BIP Wachstum pro Jahr um nicht pleite zu gehen. Der Wohlstand würde sich in diesem Szenario noch nicht mehren, denn die „Mehrproduktion“ würde komplett in den exponentiell wachsenden Schuldendienst fließen. Dies ist auch die innere Bedeutung des Wahlslogans „Sozial ist was Wachstum schafft“. Ohne reales Wachstum hätten wir einen Rückgang des Wohlstandes, sofern der Sozialstaat nicht in der Lage ist diesen Rückgang durch neue Schulden abzufedern. Diese neuen Schulden bedürfen allerdings ein noch höheres Wachstum in der Zukunft. Ein Teufelskreis mit einer Ursache namens „Geld- und Schuldensystem“.

Wo kommt dieser Wahnsinn her? Denken wir zurück an das Jahr Null. Gott schuf die Erde und dann die Zentralbank (im Jahr 1914). Diese druckte Geld (Betrag X) und verlieh es an die Volkswirtschaft. Nach einem Jahr hatten manche Leute mehr und andere weniger Geld. In Summe gab es immer noch den Betrag X. Nun will die Zentralbank das verliehene Geld wieder zurück; allerdings mit Zinsen. Nun gehen irgendwelche Wirtschaftssubjekte (z.B. Menschen) pleite, oder sie nehmen einen Kredit auf. Alternativ können sich die Menschen ab dem Jahr 1 als Staat zusammen tun und sich kollektiv verschulden. Der Vorteil wäre dann der, dass sie den Kredit auch gemeinsam tilgen können. Die Unlösbarkeit dieser Situation besteht nun darin, dass das Geld für die Zinsen niemals vorhanden ist. Es müssen stets neue Schulden aufgenommen werden. Die Schulden wachsen dabei exponentiell, denn auch Zinsen kosten Zinsen und mehr Zinsen kosten noch mehr Zinsen. Der scheinbar einzige Ausweg laut aktueller Polit-Propaganda: „Wachstum, Wachstum, Wachstum!“. Der pure Wahnsinn.

Europäische Volkswirtschaften dürfen sich bis zu 60% des BIP verschulden. Zudem darf die jährliche Neuverschuldung 3% des BIPs ausmachen. Wenn ein Staat beispielsweise ein BIP Wachstum hatte, die Schulden aber gleich blieben, dann entsteht ein sogenannter „Spielraum“. Die Diskussion über die Verwendung dieses Spielraums füllt dann ganze Talkshows. Die Wahnsinnigen diskutieren über den Wahnsinn; Was für ein Wahnsinn! Durch den exponentiellen Zuwachs der Schulden muss auch das BIP exponentiell wachsen. Nur so kann der Wohlstand in seiner gewünschten Maßgeblichkeit weiter existieren. Wenn wir bei 5% Inflation und 5% Zinsen (incl. Zinseszinsen) unseren Wohlstand nur halten wollen, dann müssten wir das BIP alle 10 Jahre verdoppeln, denn die Schulden würden sich auch verdoppeln, weil wir ja nicht auf Wohlstand verzichten und die Zinseszinsen immer als neue Schulden verbucht werden. Eine Verdoppelung des BIP in 10 Jahren wäre durch den technischen Fortschritt sehr gut machbar, die Vervierfachung in 20 wäre eventuell noch zu stemmen. In 30 Jahren wäre es allerdings schon das achtfache und in 40 Jahren das 16-fache. In den letzten Jahrzehnten hatte dies geklappt, denn es gab nach den Kriegen sehr viel aufzubauen. Zu sehen ist dieses „Wachstum“ auch an der Entwicklung der deutschen Staatsschulden seit den 50er-Jahren (siehe Bild). In 60 Jahren müssten wir ein 64-faches BIP haben als heute. Lasten wir unseren nachfolgenden Generationen hierbei nicht ein bisschen viel an?

BIP, Schulden und Wohlstand bilden quasi einen Teufelskreis. Ausgelöst durch das Zentralbankensystem, das Anfang des letzten Jahrhunderts installiert wurde. Mehr Schulden verlangt mehr BIP-Wachstum. Die Überschuldung der Staaten zwingt sie in den Wachstumswahn! Hierbei muss man auch kritisch sehen was alles in das BIP mit eingerechnet wird: Pflegekosten, Medizin, Pharma, Rüstung, Umweltzerstörung, GEZ, Gema, Kriege und viele andere Dinge, die zwar Geld kosten aber keinerlei Wohlstand bringen. Die genannten Dinge und vieles mehr werden wir in Zukunft brauchen um das BIP zu steigern, welches benötigt wird um die Schuldenberge „zu unterlegen“. Der pure Wahnsinn. Wären die Deutschen im Schnitt 50% gesünder als sie es sind., dann gäbe es eine Wirtschaftskrise, denn das BIP würde um mehrere Prozentpunkte fallen. Die Pharma- und Gesundheitsindustrie ist ein großer Bestandteil des BIP. Würde die USA nicht alle 10 Jahre einen neuen Krieg anzetteln, dann wären sie per sofort pleite, denn das Verhältnis „Schulden zu BIP“ würde rapide in die Höhe schießen. „Wachstum, Wachstum, Wachstum“, dies wird als die heilige Lösung aller Probleme gesehen. Ich sehe es andersrum: Nicht Wachstum ist das Problem, sondern seine Notwendigkeit. Es gibt aktuell keine im Bundestag vertretene Partei, die nicht dem WachstumsWAHN unterliegt. Wenn wir bald wieder wählen, dann ändern sich nur die Farben aber nicht die Politik.  Die Wahnsinnigen legitimieren ein wahnsinniges Wahn-System.

Man muss sich klar machen, dass Kapitalismus und Sozialismus  zwei Seiten der selben Medaille sind. Das was wir aktuell als Kapitalismus bezeichen ist etwas anderes, es ist eine Kapitalplanwirtschaft, denn „Preis und Menge eines Gutes werden von einer zentralen Stelle vorgegeben“. Die alles bestimmenden Güter nennen sich Geld und die zentrale Stelle ist die Zentralbank – unser Geld funktioniert also planwirtschaftlich. Ob es nun das Geld oder die Gütermärkte sind, die planwirtschaftlich laufen, ist nur noch reine Geschmacksache. Beide Systeme sind nicht freiheitlich. Im Kapitalismus werden Menschen durch andere Menschen ausgebeutet, im Sozialismus ist es genau umgekehrt.

PS: Ich beschreibe hier im Posting ein Problem, biete aber keine Lösung an. Das tut mir natürlich leid. Wichtig wäre es trotzdem, dass die breite Masse zunächstmal das Problem erkennt.

Dieser Artikel ist vom 25.01.2012 und erschien im Archiv.


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liebe Grüße, eure Jenny

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11 Antworten zu “WachstumsWAHN & SchuldenWAHN: Sind wir alle WAHNsinnig?

  1. Fast jeder kennt den „Energieerhaltungssatz“. Keine Energie geht verloren (kann nur umgewandelt werden). Darum gibt es natürlich kein Wachstum in einem geschlossenen System. Der hier beschriebene Wahnsinn hat als Ursache die menschliche Gier: Ich, Meins, Mehr, Noch Mehr, Noch viiiel Mehr (was psychologisch betrachtet natürlich auf einen Mangel im Inneren zurückzuführen ist). Die Lösung ist also die Auflösung der Gier (und des Hasses). Etwas konkretere Lösungsansätze findet man unter http://www.wissensmanufaktur.net/plan-b

  2. Meines Erachtens existieren zwei praktische Lösungswege.

    Erstens: Der überwiegende Teil der Menschheit wird tatsächlich vernünftig und etabliert eine Wirtschaft und Lebensweise, die auf Nachhaltigkeit, Ökologie, geistiger Gesundheit und BESCHEIDENHEIT beruht und erhält und entwickelt diesen Planeten und die Gesellschaft LANGSAM UND SCHONEND…oder…

    Zweitens: Das bestehende System, welches einzig auf der menschlichen Gier beruht, erfindet sich durch beständige Kriege, Umweltkatastrophen und Sklaverei beständig neu, bis entweder das System nicht mehr erneuert werden kann und zusammenbricht (weil Katastrophen und Kriege zu zerstörerisch waren) oder eine allmähliche Wandlung zu Lösung Nummer Eins stattfindet. Szenario 1: Rückentwicklung der Menschheit bis zur völligen Auslöschung. Szenario 2: Entwicklung der menschlichen Vernunft und Etablierung einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

    Die menschliche Gier ist übrigens kein Naturgesetz oder angeborener Instinkt, sondern lediglich eine natürliche Folge von Todesangst und der Sehnsucht nach Liebe, welche in immer neuen Ersatzdrogen wie Macht, Besitz, Religion oder Ruhm gesucht und nicht gefunden wird, da das Echte nicht ersetzbar ist. Je weniger Menschen von ihren Eltern lernen, was echte Liebe ist und das an ihre Kinder weitergeben können, desto „schlechter“ wird die Gesellschaft, je mehr es lernen und weitergeben, desto besser und stabiler wird sie. Liebe ist Aufmerksamkeit, Gemeinsamkeit und GEBEN, nicht NEHMEN UND RAFFEN. Und schon gar nicht TAUSCHEN.

    Meiner Ansicht nach ist das Denken beim überwiegenden Teil der Menschen nicht in der Lage, diesen komplexen Zusammenhang zu begreifen. Demzufolge ist eine Vernichtung der Lebensgrundlagen auf diesem Planeten, wie wir sie heute kennen, wahrscheinlich; eine Art „Neustart“ recht unwahrscheinlich, rein entwicklungstechnisch aber möglich. Es existiert allerdings noch keine wissenschaftliche Erkenntnis oder gar Lehre, die die Zusammenhänge und Gleichartigkeiten der biologischen und gesellschaftlichen, ja selbst der geologischen Entwicklung auf planetarer und kosmischer Ebene erkennt und behandelt.

    Daher die Schlussfolgerung eines wahrscheinlichen Endes der menschlichen Entwicklung. Geschätzter Zeitrahmen ohne äußere Einflüsse etwa 1200-2500 Jahre.

  3. Hätten wir einen Goldstandard, wäre der Wachstumswahn irgendwas zwischen überflüssig und unmöglich.

    Und in der Papierwelt gedacht: wieso eigentlich muß die Wirtschaft einer schrumpfenden Gesellschaft wachsen?

  4. Dieser Wahn wird sie früher oder später vernichten. Nichts kann ewig wachsen,wachsen, wachsen..Irgendwann müssen wir mit dem auskommen, was wir haben. Das wird die große Ernüchterung , die dem Wahn folgt, die auf uns zu kommt.

  5. Pingback: Sind wir alle Wahnsinnig? | FreieWelt.net

  6. Hi Jenny,
    es ist in vielen Blogs / Alternativen üblich, trotzdem: Ich finde es immer schade, wenn von der „breiten Masse“ gesprochen wird, den „Schafen“ usw., die doch so blöd ist, unverständig, dumm usw.

    Persönlich halte ich das a) für falsch, b) für arrogant und c) den Anliegen der Alternativen Medien für abträglich.

    Es gibt keine Masse. Es gibt immer nur Menschen, die versuchen, sich in ihrem Leben zurechtzufinden. Da hat jeder seine Geschichte und gute Gründe, so zu sein, wie man ist, und das zu glauben, was man eben glaubt.
    Der Unterschied zwischen einem Einstein (in dem Fall Dir) und einem Normalo (in dem Fall die „Masse“) ist objektiv betrachtet nicht so groß. Du oder ich oder sonstwer ist nicht wirklich sehr viel schlauer als andere – wir sind nur darauf fokussiert, auf die Unterschiede zu achten. Und es liegt in der Natur der Sache, dass wir das, worin wir uns gleichen, nicht wahrnehmen können.

    Wenn man von „Masse“ spricht, übernimmt man die Gedankenwelt der Entmündige und Unterdrücker. Man entwürdigt sich als Individuum und notwendiger Teil der Gesellschaft (=Masse) selbst, wenn man solche Worte nutzt, finde ich.

    Und es gibt viel bessere Formulierungen.

    Herzlich,
    B.

  7. stromerhannes

    *Kommentar von der Moderation gelöscht. Grund: Passt nicht zum Thema, zu lang und unerwünschter Inhalt*

  8. Fred Feuerstein

    Alles richtig was Du schreibst. Das Problem ist das System: mit der Wahrheit gewinnt man keine Wahlen. Und die Politiker haben für sich selbst hervorragend gesorgt, besonders in Brüssel. Dazu kommt die Loyalität zu den USA und den PIIGS-Staaten, die beide weit stärker über ihre Verhältnisse leben als wir. Immerhin sind wir der Einäugige unter den Blinden.

  9. Pingback: Wachstums-Wahn und TTIP | Blue's Astrologie Café

  10. friededenhuetten

    Die Verblendung und die Gier sind kein neues Phänomen; seit der Antike bekannt. Mit dem Unterschied, daß die Grundsätze vom „guten Leben“ auch den Superreichen Grenzen setzten und der Vernunft am Beispiel des Römischen Reichs unter Hadrian zum Durchbruch verhalf, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben.
    In kapitalistischen Gesellschaften gibt es gegen Zentralbanken vernünftigerweise wenig einzuwenden, so lange sie den Bürgern verpflichtet sind, also dem Staat gehören. Hängt eine Regierung finanziell von den Banken ab, „dann kontrollieren diese und nicht die Führer der Regierung die Situation, da die Hand, die nimmt, immer über der Hand steht, die gibt.“ (Napoleon). Amsel Mayer Rothschild begründete sein Imperium nit der Kontrolle der britischen Bank. Die Gründung der FED am 23. Dezember 1913, auch wesentlich ein Rothschild-Projekt, ist der größte Raubzug der Geschichte. Damit ist die Gier als einem der Grundübel menschlichen Verhaltens zum Prinzip moderner Volkswirtschaften erhoben und das Mantra vom unverzichtbaren Wachstum begründet worden. Das nichts anderes als die Zinsen repräsentiert, die Privatleute für das Privileg fordern, Papier zu bedrucken, das sie „Geld“ nennen. Der Schwindel hat bis heute keinen Einzug in die Vorlesungen der Geldjünger gehalten, so wenig, wie die Staatsobligationen der FED auf den Grundbesitz aller Amerikaner. Der Idealist Woodrow Wilson wurde als Strohmann benutzt, der optimale Zeitpunkt vor der Weihnachtspause des US-Kongresses abgepaßt. Kurz vor seinem Tod ging Wilson ein Licht auf: „Er sei getäuscht worden und habe sein Land betrogen“. Seit John F. Kennedy Oktober 1963 ballistisch entsorgt wurde, weil er den Amerikanern ihr Geld wiedergeben wollte, hat es nie wieder jemand gewagt, der Hydra den Hals umzudrehen.
    Die USA verstehen sich als Nachfolger der Römer, scheinen aber mit Ratgebern wie Breczinsky („Die einzige Weltmacht“) den Begriff Selbstkontrolle nicht zu kennen. Und die e-Funktion zu negieren. Die sind völlig durchgeknallt, stehen aber gerade wegen der Machenschaften ihrer skrupellosen Bankster mit dem Rücken an der Wand. Wie schon 1914 werden die Investitionen in Kriege mit Gewalt eingetrieben (J.P.Morgan, einer der Gründer der FED, finanzierte die Pleite der Briten; Fuck-Nuland hat sich verquatscht: der Ukraine-Putsch kostete 5 Mrd. $).
    Individuell vernünftig wäre, sich so weit wie überhaupt möglich dem Konsum zu entziehen, keine Kredite bei Banken aufzunehmen. Mit öffentlicher Vernunft ist nicht mehr zu rechnen.
    Spätestens mit der Cyber-Krise 2000 wissen wir um die Symptome der Dauerkrise, die längst exponentielle Dimensionen angenommen hat. Das System wird über kurz oder lang kollabieren und eine Menge Leute mitnehmen.
    „Wen die Götter verderben wollen, dem nehmen sie den Verstand“ – wußte man in der Antike.
    Die größten Hornochsen bekommen heute Nobelpreise.

    Das Leben geht weiter, liebe Freundinnen!
    Grüße Günter

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