Der DAX steht noch lange nicht bei 10.000

Hurra! Hurra! Juhuu! Endlich fünfstellig. Die Börsenwelt feiert den deutschen Aktienindex DAX und seinen Rekordstand von 10.013 Punkten. Im Jahr 1989 startete der Index bei 1.000 Punkten. Mit dem heutigen Rekordstand legte das Barometer in den letzten 26 Jahren eine Rendite von über 9% per Anno aufs Parkett. Doch der Schein trügt, denn der DAX steht noch lange nicht bei 10.000.

dax

Genau genommen steht der DAX erst bei 5.117 Punkten. Das wäre zumindest so, wenn man ihn so berechnet würde, wie man auch fast alle anderen Indizes berechnet. Der 10.000er DAX ist ein Performanceindex, der sämtliche Dividenden enthält. Weil diese jährlich ausgeschüttet werden, bläht es den Index künstlich auf. Der reine DAX-Kursindex, also die „Summe“ aller 30 Aktienkurse, steht heute bei 5.117 Punkten. Damit stehen die Aktienkurse noch immer knapp unter ihrem Hoch aus dem Jahr 2007. Der Performanceindex steht weit über dem 2007er Vorkrise-Hoch, aber nicht weil die Aktienkurse heftig gestiegen sind, sondern weil die jährlichen Dividenden als Indexpunkte miteinbezogen werden. Damit der wahre DAX bei 10.000 Punkte steht, fehlen noch zirka 5.000 Punkte.

Das Rekordhoch von 10.000 war schön anzusehen. Der Performance-DAX zeigt die real verdiente Aktienrendite. Den DAX als das ultimative Barometer zu sehen, halte ich allerdings für zu kurzsichtig. Im DAX sind nur 30 Unternehmen enthalten. Die theoretisch nächsten 50 findet man im MDAX. Auch der MDAX startete im Jahr 1989 bei 1.000 Punkten. Er steht heute (als Performanceindex) bei knapp 17.000 Punkten. Wir müssen uns an diese großen Zahlen gewöhnen. Steigt der DAX in diesem Jahr um 500 Punkte, dann sind das nur 5%. Wäre er im Jahr 2009 um 500 Punkte gestiegen, dann wären es 10% gewesen. So einfach ist die Prozentrechnung. Der DAX (Performanceindex) stieg in den letzten 5 Jahren um 100%. Wenn er das die nächsten 5 Jahren noch mal macht, dann steht er 2019 bei 20.000 Punkten. Die 100% zwischen 2009 und 2014 waren nur 5.000 Punkte. Die 100% zwischen 2014 und 2019 sind schon 10.000 Punkte. Faszinierend, gell?

Neben der 10.000er-Schlagzeile hat sich heute auch die EZB gemeldet. Sie unternimmt einen kleinen symbolischen Zinsschritt nach unten. Sie reduziert den Leitzins um mickrige 10 Basispunkte auf 0,15%. Naja, viel mehr Spielraum gibt es ja auch nicht mehr. Zudem wird der Einlagenzins für Banken auf negative 0,10% gesenkt. Dieser Schritt hat höchstens Signalwirkung, aber keine wirklichen volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Am Ende bezahlt die Rechnung der Sparer und die vielen Menschen, die ihre Altersvorsorge privat gestalten. Die EZB will Pferde zum saufen bringen, die keinen Durst haben. Sie stellt den Pferden so viel Wasser in, dass sie am Ende darin ersaufen. Eine Blase am Aktienmarkt sehe ich nur bedingt, denn wie gesagt: Die Aktienkurse der DAX-Aktien stehen auf dem Niveau von 2007.

Lesetipp: „Was tun bei Höchstkursen und ewigem Niedrigzins?“


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liebe Grüße, eure Jenny

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11 Antworten zu “Der DAX steht noch lange nicht bei 10.000

  1. Pingback: Der DAX steht noch lange nicht bei 10.000 | Der Blogpusher

  2. Die Realwirtschaft stagniert resp. hat längst den Rückwärtsgang eingelegt.
    Sinkende Realeinkommen steigende Arbeitslosigkeit mit wenigen Ausnahmen. Die Gewinne der Unternehmungen werden zunehmend aus der Geldschöpfung gespeist = Aktien- ,,Wertsteigerung,,. Wenn das nicht eine Megablase ist, was dann? Es wird extrem spannend wie lange man die Blase noch mit weiterer Geld- Flut pumpen kann. Erstaunlich ist lediglich das die Monetäre Wirtschaftsteuerung ( Konjunktur- Kurbelpolitik mit immer mehr Liquidität) das Ding knapp am laufen halten konnte. Die Schere driftet rasend schnell auseinander schleichend absaufende Realwirtschaftsdaten bei explodierender Geldmenge um den runden Faktor 10.
    Das wird dann mal verdammt heftig wenn die Geldblase final Platzt.
    Och und die EZB ,gestandene ,,gebildete,, Macher die, Megalacher, an den Weihnachtsmann glauben. Haben die hochgradig Alzheimer oder was???

  3. „Performance-Index“ Klasse Analyse! Hat mich vom Hocker gehauen!

    Danke! 🙂

    Ich habe mir anlässlich der heutigen EZB-Zinsentscheidung nochmal den Text der Bundesbank zu Vermögensabgaben durchgelesen. Die haben das wirklich im Köcher! Also habe ich es in meinem Blog in die Version lesbar übersetzt.

    Wer mag:
    http://www.klartextfinanzen.com/vermoegensabgabe-nicht-ausgeschlossen/

  4. Pingback: 21. Jahrhundert » Blog Archiv » Der DAX steht noch lange nicht bei 10.000 | Jenny´s Blog

  5. hierzu ein brillantes interview: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41939/1.html

  6. Hat dies auf LOB's Metier rebloggt und kommentierte:
    Ein denwürdiger Tag für Europa und Frankfurt…. der Sommer steht vor der Tür, in drei Tagen ist Pfingsten…es wird Zeit sein Spargeld von den Banken abzuziehen, auch vor dem Hintergrund, dass es demnächst kein Bargeld mehr geben soll! Also auf an den Schalten und die Banken von den Sparguthaben befreien.

  7. Danke für die Klarstellung, es wird Zeit das Spargeld von den Banken abzuziehen …. ein Denkfehler, wer meint sein Geld sei in den Händen der Banken sicher!

  8. Der Jahrhundertcoup der ZB`s und die Megaverarschung des „Anlegers“-ZB`s kaufen Aktien im Billionenmaßstab, aber die Aktienmärkte sind natürlich nicht manipuliert! Das erinnert sehr an den Esel vor dem schweren Karren, der die Möhre vor seine Nüstern präsentiert bekommt, die Möhre aber niemals zu fressen bekommt!

    http://blog.markusgaertner.com/2014/06/18/jetzt-ist-es-amtlich-notenbanken-haben-wie-entfesselt-aktien-gekauft/
    Eine größere Verarschung gibt es nicht, hurra wie machen eine Staatsfinanzierung aus der Notenpresse. Muahhh!

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