BIP-Berechnung: Sex, Drugs and Rock´n´Roll

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt erhöht sich schlagartig um das BIP von beispielsweise Aserbaidschan oder Weißrussland. Grund hierfür ist eine von der UN vorgeschlagene Änderung der Berechnungsmethode. Die Auswirkungen sind gering, öffnen aber neuen Spielraum für Fantasie.

Das Bruttoinlandsprodukt soll alle wirtschaftlichen Aktivitäten einer Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres messen. Man ändert nun die Berechnungsmethode, weil man eine Vereinheitlichung schaffen möchte, damit die Staaten vergleichbar werden. „Forschung und Entwicklung“ in Unternehmen gilt künftig als Investition. Auch staatliche Rüstungsausgaben gelten nicht mehr als Staatskonsum sondern als Investition. Weil beim BIP „alles“ gemeint ist, gehören natürlich auch alle illegalen Aktivitäten dazu. So wird künftig auch Schmuggel, Drogenhandel und Prostitution hinzu gerechnet. Das Sexgewerbe ist in vielen Ländern illegal, weshalb es im bisherigen deutschen BIP nicht berücksichtigt wurde.

Schmuggler, Schwarzarbeiter und Drogenhändler legen aus naheliegenden Gründen selten eine Bilanz vor. Deshalb müssen diese Aktivitäten geschätzt werden. Hier will man auf Daten des Bundeskriminalamtes zurück greifen. Es entsteht ein Stellhebel, den man je nach Bedarf größer oder kleiner schätzen kann. Durch die einmalige Bewertung der Schattenwirtschaft steigt das deutsche BIP nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf einen Schlag um 72 Milliarden Euro. Für die Politik entstehen hierdurch neue Spielräume: Mehr Schulden sind möglich, denn die Staatsverschuldung in Bezug auf das BIP sinkt um zirka 2,5%-Punkte auf nun 76%.

Kommt es also künftig zu mehr Rüstungsexporten, Schwarzarbeit,  Schmuggel, Prostitution und Drogenhandel, dann kann die Politik mehr Schulden machen. Das Statistische Bundesamt wird das neue BIP übrigens bis 1991 zurück rechnen. Deshalb kommt es zumindest in den ofiziellen Zahlen nun nicht zu einem wundersamen Wachstumgsschub. Man weiß nicht wirklich was man von dem neuen BIP halten soll. Wie schon beim alten BIP handelt es sich um eine staatliche Statistik. Man sollte mit solchen Zahlen absolut vorsichtig umgehen und sie niemals für „echt“ halten.

Das BIP sagt wenig über Wohlstand oder die Leistung der Menschen aus. Die Arbeit einer „Mutter“, eines „Vaters“ oder Pflege in der Familie wird nicht mit einbezogen. Auch Ehrenämter oder Hobbys fehlen komplett. Krieg und Naturkatastrophen hingegen erhöhen das BIP. Das Thema Umweltschutz fehlt komplett. Zerstören wir unseren Planeten für Profite, dann steigert dies das BIP. Wachstum im Sinne des BIP ist also nicht zwangsläufig ein Grund zum feiern; außer für die Politik natürlich, denn sie kann wieder mehr Schulden machen. Das kann man sich wie ein automatischer Dispokredit vorstellen: Steigt das BIP, dann steigt das Kreditlimit. Mehr Wachstum bringt mehr Verschuldung und mehr Verschuldung bedeutet mehr Zinszahlungen im Bundeshaushalt. Diesen Effekt sehen wir aber (noch) nicht, weil die Zentralbank die Zinsen künstlich niedrig hält.


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liebe Grüße, eure Jenny

5 Antworten zu “BIP-Berechnung: Sex, Drugs and Rock´n´Roll

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  2. Das währe dann die totale Perversion der bereits heute gängigen Berechnungsmetoden. Bereits die Berechnungsmethode in Geldeinheiten ist sehr Fragwürdig, auf dem Hintergrund der rasant steigenden Geldmenge ergibt sich mit dieser Methode ein massiv Verzerrtes Bild im Abgleich zum realen Zustand ganzer Volkswirtschaften.
    So schaffen beispielsweise Rüstungsausgaben im Ökonomischen Sinne keine Nutzbaren Produkte oder Dienstleistungen.
    (Das mit der Sicherheit oder Verteidigung ist eine andere Sache die nur bedingt einem Realwirtschaftlichen Nutzen dient.)
    Das gleiche gilt für einen überproportional aufgeblasenen Dienstleistungsanteil in einer Volkswirtschaft.
    Im Grundkern gibt es in einer Volkswirtschaft +Weltwirtschaft 2. Faktoren, den Produktions und den Konsumfaktor. Diese beiden Faktoren sollten idealerweise bestmöglich in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.
    Ein annähernd reales Bild ergibt sich erst aus einem Abgleich Realwirtschaftlicher Daten ZB. Realproduktion innerhalb einer Zeiteinheit oder in den Gesamtvolumina.
    Doch auch mit dieser Methode sind Relativierungen mit noch anderen Faktoren unabdingbar. ZB. Bedarfs, resp. Marktsituation.
    Freundliche Grüsse

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  4. Kann es sein, daß ich den Artikel schon am 20.6. – leicht verändert – gelesen habe? http://conservo.wordpress.com/2014/06/20/puff-koks-waffen-fur-bip-barroso-draghi-co/ Trotzdem, schöne Grüße, hättsde auch leichter haben können – einfach übernehmen (mit Quelle)

    • Nein, ich habe den Artikel nicht abgeschrieben. Manchmal mache ich das aber diesmal wirklich nicht. Der Artikel http://conservo.wordpress.com/2014/06/20/puff-koks-waffen-fur-bip-barroso-draghi-co/ ist völlig anders geschrieben; er hat einfach nur das gleiche Thema. Über das Thema „neue Berechnung des BIP“ haben unzählige Medien und Blogs geschrieben. Mein Artikel und der verlinkte sind in keiner Weise ähnlich. Einfach mal googlen wer alles über dieses Thema geschrieben hat. Es sind hunderte. Die behauptung die Artikel seien ähnlich ist eine dumme Lüge, die jeder selbst nachprüfen kann.

      lg

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