Vermögensaufbau: 1% Zins reicht nicht um 1% Inflation auszugleichen

„Um nach Inflation Erträge zu erwirtschaften, benötigt man eine Rendite, die mindestens so hoch wie die Inflationsrate ist.“ Diese Lehrmeinung wird noch immer von vielen Stellen vertreten. Sie gilt aber nur bei Einmalanlagen! Bei Sparplänen, die dem Vermögensaufbau dienen, benötigt man eine höhere Rendite um die Geldentwertung auszugleichen.

Die Rechnung ist simpel: Um bei z.B. 2% Geldentwertung die Kaufkraft zu halten, benötigt man eine Verzinsung in Höhe von 2%. Dies stimmt für Geldanlagen, die mit einer einmaligen Summe getätigt werden. Beim Sparen in regelmäßigen Sparraten, wie man es üblicherweise bei der Altersvorsorge macht, benötigt man eine wesentlich höhere Verzinsung, um keinen Realverlust zu haben. Bei der Renditeberechnung von Sparplänen muss man die künftigen Einzahlungen der heutigen Kaufkraft anpassen, denn die Geldentwertung verringert nicht nur die Renditen sondern auch die künftigen Sparraten. Die Realrendite eines Sparplans gibt darüber Auskunft, ob das Anfangskapital um den Geldwertverlust bereinigt, zu- oder abgenommen hat. Hierbei setzt man künftige Sparraten mit dem heutigen Barwert an; man zinst sie also mit der Inflationsrate ab.

Einfaches Beispiel: Jemand möchte ab sofort 30 Jahre lang monatlich 100€ fürs Alter beiseite legen. Der Anleger scheut das Risiko und möchte nur 1% Rendite. Wäre die Geldentwertung in den nächsten 30 Jahren auch nur bei 1%, dann käme folgendes raus: Der Sparer hat selbst 36.000€ angespart. Mit der 1%-Verzinsung hat er ein Guthaben in Höhe von 41.968 Euro. Um 1% p.a. Inflation bereinigt ergibt sich eine Kaufkraft von 31.137 Euro. Der eigentlich sicherheitsorientierte Sparer hat also einen Kaufkraftverlust von knapp 10.000 Euro. Um die 1%-Inflation durch Rendite auszugleichen benötigt er (nach Steuern) eine Verzinsung von ca. 1,92% pro Jahr. Um 2% Inflation auszugleichen würde der gleiche Anleger sogar eine Verzinsung in Höhe von ca. 3,70% jährlich benötigen, um nicht „enteignet“ zu werden. Liegt die Inflation in den nächsten 30 Jahren sogar bei 3%, dann benötigt der skizzierte Sparer sogar 5,37% Rendite – und das nach Abzug der Abgeltungssteuer. Dieses Gap wächst also mit steigender Geldentwertung: Steigt die Inflationsrate auf jährlich 5%, dann benötigt man schon 8,5% Rendite. Bei 10% Inflation sind es schon 15,53% an notwendigem Jahreszins und so weiter.

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte und dies in regelmäßigen Sparraten macht, braucht für den Inflationsausgleich eine höhere Rendite im Vergleich zu einer Einmalanlage. Grund ist, dass auch die künftige Sparleistung an Kaufkraft verliert. Ziel der EZB ist eine Inflation von nahe 2% (lt. EG-Vertrag)). Schafft die EZB dieses geldpolitische Ziel, dann benötigen Langfristsparer eine Rendite von mindestens 3,7% jährlich, um keine Kaufkraft zu verlieren. Viele Anlageformen wie Sparkonten, Lebens- oder Rentenversicherungen schaffen diese Rendite nicht. Die reine Subtraktionsrechnung, die viele noch immer machen, ist leider falsch! Mathematisch korrekt berechnet ist der Kaufkraftverlust beim langfristigen Vermögensaufbau höher, als bisher angenommen. Volkswirtschaftlich gesehen ist der negative Realzins der Sparer der Schuldendienst für Staatsschulden (Begründung hier). Wer langfristig Vermögen aufbauen will muss daher auf Sachwerte setzen, deren Wert mit der Geldentwertung zunimmt. Auch renditestarke Produkte mit breiter Diversifikation können einen echten Kaufkrafterhalt schaffen. Und noch was: Warum soll man Geld investieren, nur damit man die Inflation ausgleichen kann? Sinn und Zweck einer Geldanlage sollte eigentlich sein, echte Erträge und Mehrwerte zu generieren.

Quelle: Prozentrechnung, 6. Klasse, Realschule


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liebe Grüße, eure Jenny

5 Antworten zu “Vermögensaufbau: 1% Zins reicht nicht um 1% Inflation auszugleichen

  1. Pingback: Vermögensaufbau: 1% Zins reicht nicht um 1% Inflation auszugleichen | Der Blogpusher

  2. Tja das ist den wohl Geschichte das mit dem Sparen und gleichzeitig über Zinsen das Angesparte Vermögen auch nur bescheiden zu mehren.
    Im günstigsten Falle kann man wenigstens die Kaufkraft erhalten.
    Nun auch letzteres wird zunehmend Geschichte.
    Bleibt nur noch die bittere Pille schlucken oder entsprechend mit den unvermeidlichen Risiken leben.
    Das Elend es fehlt zunehmend an langfristig entsprechend ertragreichen Investitionsmöglichkeiten in der Realwirtschaft.
    Das sind halt jetzt die, vorhersehbaren Folgen der Wirtschaftspolitik der letzten rund 25 Jahre. Wirtschaftspolitik über die Geldschöpfung im Übermass. Wirtschaft kurbeln bis zum geht nicht mehr.
    Es gibt resp. gab nur einen Weg, rundum solide Wirtschaften oder das Ding geht schleichend den Bach runter.
    Das war im Kern vorhersehbar nur eben das wollten die wenigsten wissen,
    und Wahrheben. Das mit dem Geldzählen und Rechnen passt mal recht schnell in die Köpfe. Ökonomie in der ganzen breite und Tiefe bracht halt noch einiges mehr an grauen Zellen.
    Nanu da kann man nur wenig ausrichten, wenn da die Mehrheit nicht mitzieht, dann bleibt nur eine Feststellung, wer zu spät erkennt und handelt den bestraft die elende Realität. Zeit und Geschichte kann man niemals zurückdrehen. Ist ein Schaden zu gross ist er nicht mehr Reparierbar.
    Freundliche Grüsse

  3. Nein! totale Milchmädchenrechnung! Die 25 Euro, die ich in 30 Jahren einzahle, sind durch die Inflation weniger Wert als jetzt. Daher lässt sich die Gesamtsumme der eingezahlten Beträge mit der Inlationsbereinigten Gesamtsumme NICHT vergleichen! Gruß

  4. Stephan Schwarz

    Inflation ist eben doch die sozialst[e] verträglichste Form der Enteignung. Man sollte als ego-zentrierter ‚Asozialer ‚, wenn man schon mit einem Anlagemodell indiv. Wealth-Preservation mittels Rentier-Bezug vorlieb nehmen will und somit der natürlichen des Vergänglichkeit des Kapitals entgegensteht / paroli bietet, wenigstens das Hirn haben, in einer Hartkern-Währung zu sparen… ^_^

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