Rohstoffe: Wenn ein Trend verpufft

„Rohstoffe – der attraktivste Markt der Welt“. So lautet der Titel eines im Jahr 2005 erschienenen Buches von Rohstoffguru Jim Rogers. Es war die Zeit, in der man dachte, Rohstoffe würden immer seltener und teurer werden. Doch es kam anders.

Zwischen 2004 und 2008 stieg der Preis für ein Barrel ÖL (Brent) von ca. 40 USD auf über 130 USD. Viele Investmentgurus empfahlen daraufhin ihren Anlegern Rohstoffaktien und andere Rohstoffanlagen. Die Marktteilnehmer bildeten sich ein, dass es immer weiter gehen müsse, denn Öl wird scheinbar immer knapper und Chinesen, Inder etc. benötigen schließlich auch immer mehr davon. Der eingangs erwähnte Jim Rogers sprach sogar von einem „Jahrhundertboom“. Auch andere Rohstoffe wurden 2004 bis 2008 extrem teurer: Weizen stieg von 400 USD auf 1.100 USD, Kaffee von 60 USD auf 165 USD und Soja von 600 USD auf 1.600 USD je handelbarer Einheit. Die Story war klar: Die Weltbevölkerung wächst, der globale Wohlstand wächst, die dritte Welt industrialisiert sich, durch den Klimawandel gibt es immer weniger Anbauflächen und fossile Rohstoffe werden immer knapper. Doch die Realität holt uns nun ein. Es kam anders als gedacht.

So gut und schlüssig manche Investmentstorys manchmal sind, sie gehen eben auch mal schlief. Der Öl-Preis steigt seit 5 Jahren nicht mehr. Ein Fass der Sorte Brent kostet so viel wie im Jahr 2010. Allein in 2014 rauschte der Preis von 110 USD auf aktuell 86 USD in den Keller. Erklärt wird der Rückgang mit Fracking, doch andere Rohstoffe zeigen das gleiche Bild; auch ohne Fracking. Weizen kostet so viel wie im Jahr 2009 und wurde allein in den letzten 12 Monaten um 25% billiger. Baumwolle kostet noch so viel wie in 2007 und wurde in den letzten 12 Monaten um über 20% günstiger. Der Preis von Kupfer ist seit 2011 um ein Drittel eingebrochen und Silber kostet so viel wie in 2010. Wo ist denn nun der Jahrhundertboom?

Begleitet vom Rohstoffboom hat man den Anlegern auch einen grünen Boom versprochen. Viele Anleger haben blind auf Unternehmen aus der Solarbranche gesetzt und ihr Geld verloren. Die Deutsche Börse berechnet seit 2004 den ÖkoDax. Es handelt sich hierbei um einen Index mit 10 Werten aus dem Bereich „Green Economy“. Der Index hat sich von 2004 bis 2008 mehr als verfünffacht. In 2008 erreicht der Index bei 800 Punkten sein Allzeithoch. Heute steht der Index bei 35 Punkten. Allein das Minus der letzten 12 Monate betrug über 37%.  Was will ich damit sagen? Manchmal erfinden Marketingmenschen tolle Storys rund um ein Thema. Zwei dieser tollen Storys der letzten 10 Jahre waren Klimawandel, Rohstoffe und grüne Energie. Anleger sollten mit gutem Gewissen in Nachhaltigkeit investieren und alle sind happy. Doch es kam anders und die meisten Anleger sitzen heute auf Verlusten.

Exkurs: Warum wird mit sinkenden Rohstoffpreisen nicht alles billiger? Wir merken den Rückgang des Öl-Preises an der Zapfsäule nur kaum. Dies liegt daran, dass die meisten Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden und der Euro stark an Wert verloren hat. Während die US-Notenbank FED das Gelddrucken verlangsamt läuft die EZB noch immer Amok um den Euro zu drücken. Dies begünstigt unsere Exportwirtschaft, verteuert aber Importe. Der Euro verlor gegenüber dem US-Dollar in den letzten 12 Monaten knapp 9%. Um diesen Prozentsatz verteuerten sich die Dollar-Importe. Demnach bezahlen wir an der Ladentheke und an der Zapfsäule für die Euro-Geldpolitik.


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liebe Grüße, eure Jenny

2 Antworten zu “Rohstoffe: Wenn ein Trend verpufft

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  2. Peter von Frosta

    Liebe Jenny,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag der richtige Fakten enthält aber a.m.S. den Kern nicht trifft. Es ist zwar richtig, dass die meisten Rohstoffe in Dollar bewertet seit einigen Jahren billiger werden. Allerdings liegt das zumindest bei den Nahrungsmitteln nicht daran, dass diese weniger nachgefragt werden, sondern daran dass sich die Bezugsgröße Dollar verändert hat (Geldmenge+Umlaufgeschwindigkeit). Wenn wir den echten Marktpreis von Sachwerten bewerten möchten, so können wir dies nur gegen echtes Geld tun. Für eine Unze Gold oder Silber bekommt man heute immer noch mehr oder weniger die gleiche Menge Mais, Reis oder Weizen wie vor ein paar Jahren. Auf lange Sicht sowieso.

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