Der Ölpreisverfall im Detail

Der Ölpreis hat sich lange Jahre über der Schwelle von 100 USD pro Barrel gehalten. Durch Rückkehr Libyens an die Weltmärkte und durch eine zwiespältige Rhetorik anderer Öl-Produzenten hat sich der Ölpreis im Jahr 2014 fast halbiert. Die einen leiden darunter, und viele andere freut es.

Ein Liter der Rohölsorte Brent kostet aktuell zirka 0,40 Euro und ist damit günstiger, als beispielsweise Mineralwasser. Oft wird der Preisverfall mit US-Fracking begründet. Doch dies ist zu kurz gedacht, denn Fracking spielt global noch immer keine große Rolle. Viel wichtiger sind die OPEC-Fördermengen. Diese haben sich seit 1984 fast verdoppelt, obwohl man in den 80er Jahren dachte, es würde bald kein Öl mehr geben. Falsch gedacht: Es gibt mehr Öl als gedacht und es kann wesentlich billiger sein, als gedacht! Der Der Club of Rome ist demnach die schlechteste „Ratingagentur“, die es jemals gegeben hat.

  • Die Gewinner und Verlierer

Nettoproduzenten sind Verlierer der aktuellen Situation und Nettokonsumenten haben durch den günstigen Ölpreis einen volkswirtschaftlichen Mehrwert. Zu den Gewinnern gehört die USA, denn die Amerikaner importieren mehr Öl, als sie exportieren. Auch Brasilien, Schweden, die Türkei, die Schweiz und die gesamte EU profitieren vom billigen Öl. Indien, China, Australien und auch Japan stehen ebenfalls auf der Gewinnerseite. Die Verlierer sind Kanada, Russland, Saudi-Arabien, der Iran, Mexiko und Norwegen. Diese Länder „legen drauf“. Die anderen verdienen unterm Strich.

  • Konjunkturelle Effekte

Global betrachtet ist ein günstiger Ölpreis besser, als ein höher. Während die Welt im Jahr 2013 noch gut 4,90% des BIPs für Öl ausgeben musste, könnten das bei einem Ölpreis von 50 USD nur noch 2,90% sein. Ein Ölpreis der nachhaltig um 50 USD notiert, entlastet die Weltwirtschaft um zirka 1,40%. Das billige Öl ist für die Welt quasi ein Konjunkturprogramm. In vielen energieintensiven Branchen wird man eine Entlastung spüren. Auch die privaten Haushalte werden mehr Einkommen haben, denn Kosten für Energie und Mobilität werden entlastet. Zu den größten Gewinnern gehören ölimportierende Schwellenländer, die durch die gesparten Milliaren auch Investitionen in den Wohlstand tätigen könnten. Konventionelle „Öl-Scheichs“ und Fracking-Unternehmen werden Einbußen verzeichnen.

  • Wirtschaftswachstum durch billiges Öl

Fitch Rating hat ausgerechnet, wie sich die Wirtschaft verändert, wenn der Ölpreis 2015 und 2016 bei durchschnittlich 66 USD/Barrel bliebe. Deutschland hätte allein durch diesen Effekt ein zusätzliches Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,3% im Vergleich zu einem Ölpreis bei 85 USD/Barrel. Die USA werden in diesem Szenario sogar um zusätzliche 0,7% wachsen; UK um 0,6%. In Russland würde ein 2015-16 Ölpreisd bei 66 USD  zu einem kumulierten BIP-Rückgang in Höhe von 2,5% sorgen.  Zusammenfassend lässt sich feststellen: Der Pazifik-Raum, Nordamerika und Europa werden die Gewinner dieses Szenarios sein. Afrika, Russland und der mittlere Osten sind die Verlierer.

  • Break-Even in weiter Ferne

Der „Break-Even“ ist ein Preis, ab dem sich die Öl-Förderung rentiert. Eine Förderung zu günstigeren Preisen wäre defizitär. Im nahen Osten, Russland und in Westafrika lohnt sich die Ölfördernug ab ca. 20-30 USD. In der Nordsee werden schon knapp 50 USD benötigt. Ölsande, Schiefergas, EU Ethanol, Biodiesel und andere Spezialitäten rentieren sich erst bei Ölpreisen von teils weit über dem aktuellen Niveau. Eine Förderung in der Arktis lohnt sich sogar erst ab ca. 120 USD. Die Hauptverlierer des niedrigen Ölpreises haben die besten „Break-Even“-Preise. Diese Produzenten können das aktuelle Niveau also auch aussitzen, während z.B. Frackingunternehmen ihren Betrieb überdenken müssen.

  • Fazit

Öl ist billig und das ist für die Mehrheit der Menschen auf unserem Planeten ein Vorteil. Auch unsere Volkswirtschaft wird gestärkt, das verfügbare Einkommen nimmt zu und nährt den Wohlstand auch in Ländern wie Indien oder Brasilien. Die Scheichs verdienen nun etwas weniger, können es aber wegen eines niedrigen Break-Even aussitzen. Fracking und „Biosprit“ lohnt sich bei den aktuellen Preisen teilweise nicht mehr. Die Marktwirtschaft wirkt somit bereinigend; auch für die Umwelt. Der günstige Ölpreis ist ein makroökonomischer und umweltpolitischer Gewinn. Das größte Risiko hat Russland, denn die Russen sind auf die Einnahmen angewiesen. Die russische Volkswirtschaft muss sich langfristig breiter aufstellen und kann nicht mehr alles auf Öl- und Gas setzen. Die Marktentwicklung wirkt langfristig diversifizierend.

Quellen: eigene Berechnungen, Fitch Rating, Research mehrerer Banken, BP Statistical Review, IWF, Marktdaten von Thomson Reuters.


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liebe Grüße, eure Jenny

9 Antworten zu “Der Ölpreisverfall im Detail

  1. „Das muss sich hier im Lande rasch ändern…sonst geht die ganze Energiewende-Strategie noch baden oder „Bioleck“ !
    Man wird doch in diesem Bundestag eine entsprechende Lösung bald finden um die alten Normen wieder herzustellen ?! Wohlstand für alle, wo kämen wir denn da hin ? Nun zunächst ist mal Weihnachten und die so gestressten MdB´s kommen endlich mal zur Ruhe…und können entsprechend nachdenken…

  2. Hallo Jenny,
    Wieder ein sehr gut recherchierter Artikel von Dir, der aber einige Aspekte offenläßt und das Fazit daher nur auf den ersten Blick richtig ist.
    „Öl ist billig und das ist für die Mehrheit der Menschen auf unserem Planeten ein Vorteil. Auch unsere Volkswirtschaft wird gestärkt, das verfügbare Einkommen nimmt zu und nährt den Wohlstand auch in Ländern wie Indien oder Brasilien. “
    Diese Aussage ist für Deutschland und auch europäische Länder falsch.
    Der Ölpreis ist um 60% gefallen, die Preise an der Tanke aber nur um 20%. Entscheidend ist die staatliche Regulation des Energiemarktes. Da wir aber unter einer grünmaoistischen Khmerregierung leben, nützen uns niedrige Ölpreise gar nichts, da der Staat diesen Energieträger massiv repressiv verteuert. Die hohen Preise für Öl, Gas und Treibstoff sind staatlich hausgemacht, denn es soll ja alles grünmenschlich ökologisch sein, wie der Wahnsinn auf dem Elektrizitätsmarkt zeigt. Öl- und Gaskraftwerke werden zugemacht und durch Brenngläser und Windmühlen, Technik des 17.Jhrds. ersetzt. Was für eine Dummheit und Wahnsinn. Wir bezahlen das mit mittlerweile 12 verschiedenen Steuern. Außerdem sind über 60% des Treibstoffpreises Steuern des Staates! Das verfügbare Einkommen der normalen Menschen nimmt dadurch nicht zu, da auf alles eine saftige Ökosteuer draufgesattelt wird und die kalte Progression alles verschlingt. Der Biosprit wird weltweit ausgebaut, da er massiv subventioniert wird (totaler Wahnsinn), und dafür werden riesige Flächen Urwald gerodet und mit Ölpalmen bepflanzt, gleich tote Monokultur. Ebenfalls wird Mais in riesigen Mengen angebaut, nur um zu Bioethanol vergoren zu werden. Lebensmittel als Treibstoff zu verbrennen ist ein Jahrhundertsakrileg ersten Ranges, wenn Menschen verhungern!
    Ein niedriger Ölpreis ist auch deshalb gefährlich, da er eine Subprimekrise auf dem amerikanischen Hochzinsfrackinganleihemarkt auslösen kann. Der Frackingboom in den VSA ist auf Kredit gebaut, denn die Frackingfirmen haben Hochzinsanleihen von über 8% p.a. im Multimilliardendollarmaßstab ausgegeben, die sie mit einem Ölpreis unter 70 $ pro Barrel WTI nicht mehr bedienen können. (2008 läßt grüßen!)
    Rußland ist ein Spezialfall, da hier fast alles über die Ölschiene läuft, aber ein in die Enge getriebener Putin, kann irrational, militärisch zuschlagen.Auch hier geht es um die Vorherrschaft des Petrodollar und die gewaltigen Gasreserven von mindestens 2 Billionen Kubikfuß auf dem Gebiet der Ukraine.
    Fazit: per se wäre ein niedriger Ölpreis ein Segen für die Menschen, aber im speziellen leider nicht, da hier gewaltige Gegeninteressen aufeinander prallen.
    MfG

  3. Im Handel mit den Opec-Ländern erzielt Deutschland Milliardenüberschüsse (ganz vorne: VAE und Saudi Arabien). Man kann sich jetzt überlegen, inwiefern D-Land profitiert, wenn diese Länder kein Geld mehr haben…

  4. Gutes Interview bei Lanz:

  5. Hier ein ausgezeichneter Artikel, der die Gefährlichkeit des momentan stark fallenden Ölpreises von der Seite der Absicherungsgeschäfte der Großbanken versus der großen Ölgesellschaften erklärt. Und auch hier wartet wieder eine große Bombe im Finanzsystem:
    http://konjunktion.info/2014/12/oelpreis-und-finanzkollaps-wir-werden-die-mit-rohstoff-derivaten-vollgesaugten-banken-wieder-einmal-retten-muessen/
    Ich würde auch hier wieder sagen, Finanzkrise 2008 reloaded und der Sturm bricht los. Volle Deckung.
    MfG

  6. Sehr gut Recherchiert und sehr genau berechnet, bis 2 stellen nach dem Komma.
    Auf den ersten Blick ist die Sache sicher ,,Segensreich,,.
    Doch da gilt es 2 Faktoren mit einzubeziehen.
    1.Die ,,Gewinne,, in Bezug auf die Gesamtwirtschaft bewegen sich im Bereich Plus resp. Minus im Bereich von Rund o,5- 3% des Gesamtvolumens. Einfach viel zu gering um Entlastung bei den Grossen Brocken allen voran die Überschuldung spürbar zu entlasten.
    2. Sollten diese Preise über einen längeren Zeitrahmen im aktuellen Bereich bleiben kommt das nächste Problem. Die Investitionen in die Ölforderung könnten deutlich sinken. In der Folge kann die Sache nach hinten Losgehen. Mittel und Langfristig massiv sinkende Fördermengen und zwangsläufig erneut massiv explodierende Preise.
    Dermassen massiv schwankende Preise sind in einer Branche die auf langfristige Kontinuität angewiesen ist, extrem schädlich für die längerfristige Energieversorgung der Gesamtwirtschaft.
    Dazu gibt es auch Technische Zwänge, Fördertechnische, Verarbeitungstechnische, Transporttechnische und ,,Kapitaltechnische,, mit zu Berücksichtigen.
    Da ist so einiges NICHT von Tag zu Tag Steuer und anpassbar.
    Freundliche Grüsse

  7. Die Ölnachfrage ist gesunken? Nur in unbedeutendem Umfang. Andere Rohstoffpreise gaben auch nach. (Beide, Öl- und Rohstoffpreise wurden von den Finanzmarktakteuren hochgezockt. Jetzt läuft eine normale Gegenbewegung. Die US-Banken mussten sich von ihren Rohstoffbesitztümern trennen. Eine Forderung von Frau Yellen Anfang 2014. Hat nur niemand zugehört. Eine Baisse im Ölsektor war die Folge. Die Ölpreise dürften ihr Tief durchschritten haben. Wenn die Förderkosten im Schnitt weltweit 15$/b (das ist sehr hoch geschätzt, die meisten sind billiger) sind und 20% der Gesamtkosten ausmachen wäre ein Durchschnittspreis ohne nennenswerte Verluste der Ölfirmen 75 $/b.) Mit ein paar Ausfällen von „Biokraftstoffen“, Fracking und Ölsanden werden die Preise später wieder anziehen. Einige Staaten haben nicht viel davon, weil ihre Wechselkurse unter Druck stehen. Die Weltwirtschaft kommt NICHT aus ihrem substanzlosen „Wachstum“. Dazu müssten die Regierungen ihre Hausaufgaben machen und nicht die Zentralbanken Blüten drucken lassen. Auch in den USA und Japan, nicht nur in der Eurozone. Aber nicht nur der „Westen“ steht in der Kritik. Seit 2008 litten so ziemlich alle nennenswerten Regierungen an kollektiver Verantwortungslosigkeit. Nicht ein Problem gelöst, alles in nicht vorhandenem „Geld“ ersäuft. Von „Deflation“ oder geringer Inflation konnte gar keine Rede sein, sonst würde eine Apple nicht die Marktkapitalisierung von 60% aller DAX – Firmen haben. Man sehe sich Kurse und Gewinne von Amazon usw. an. Das spricht ganz gewiss nicht für einen starken US-Dollar. Aber die Bullen sind wie nur sehr selten frohen Mutes, dass Aktien und Produkte darauf alternativlos sind. 🙂

  8. Pingback: Über die Journaille und den Öl-Preis | Jenny´s Blog

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