Der schwache Euro ist nicht nur ein Segen

Der Euro wird allmählich zur Weichwährung. Dies merkt man spätestens, wenn man nach Basel fährt um dort einen Kaffee zu trinken. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird zur Erfüllungsgehilfin der nationalen Regierungen. Der schwache Euro soll den Export ankurbeln, doch es gibt auch eine Kehrseite.

Export heißt, dass wir Waren und Dienstleistungen an das Ausland verkaufen. Hierbei verlassen Güter im Tausch mit Kreditforderungen unsere Volkswirtschaft. Dabei laufen auch die sog. Target-Salden auf, über die neulich Kollege Blecker von IKnews schrieb. Beim Import ist es umgekehrt: Wir erhalten Güter und müssen diese in der Währung bezahlen, in der sie geliefert werden. Und genau an diesem Punkt fängt die Draghödie an: Rohstoffe wie Öl, Gold, Silber, Platin, Kupfer, Kaffee, Kakao, Soja, Zucker, Baumwolle, Weizen, Aluminium und viele andere mehr werden an den Weltmärkten größtenteils in Dollar gehandelt.

Die Buchautoren  Marc Friedrich und Matthias Weik schreiben auf Geolitico: „Haben wir bereits vergessen, dass der Auslöser des letzten Crashs die viel zu niedrigen Zinsen und somit das viel zu viele billige Geld der Notenbanken war? Wieder sind die Notenbanken Brandstifter um sich dann als Feuerwehr aufzuspielen…“. Die Politik der EZB ist nicht nur schädlich sondern auch zu tiefst undemokratisch. Die Geldpolitik regelt viele Lebensbereiche und betrifft die Bürgerinnen und Bürger direkt. Doch Geldpolitik steht in keinem Wahlprogramm; der ehemalige GoldmanSachs Manager Mario Draghi kann tun und lassen was er will; selbst wenn es ganz normale Politik ist. „EZB-Staatsanleihekauf wird den Staaten erlauben, ihrem Allmachtsdrang noch leichter und kompromissloser nachzugehen als bisher.“, schreibt Prof. Thorsten Polleit im EF-Magazin.

Das radikaleuropäische Politikerpack sagt uns immer, eine schwache Währung wäre gut, weil sie für Arbeitsplätze sorgt und den Export stärkt. Doch sind wir nicht irgendwie Exportweltmeister? Es heißt doch in der staatlichen Propaganda immer, dass unser Export so stark sei und wir darauf stolz sein sollten. Warum muss man etwas stärken, was schon stark ist? Wer den Export durch eine schwache Währung stärkt, der schwächt den Import im gleichen Maße. Exporteure sind Unternehmen. Importeure sind größtenteils Konsumenten. Der abgeschmierte Euro nutzt der Exportwirtschaft, schadet aber uns Menschen. Die Geldpolitik kostet uns effektive Kaufkraft gegenüber anderen Währungsräumen.

Hinzu kommt der künstlich-manipulierte Niedrigzins. In den letzten 20 Jahren hat man die Beitragszahler dazu aufgefordert private Altersvorsorge zu betreiben. Durch die Marktmanipulation der EZB fehlt hier nun wichtige Rendite. Die Aktienmärkte haussieren zwar, doch beispielsweise Versicherungen und Pensionskassen dürfen nach deutschem Recht nur ca. 5% – 10% außerhalb von Staatsanleihen anlegen. Wer seine Rentenlücke privat schließen möchte, der benötigt bei diesem Zinsniveau natürlich entweder mehr Zeit, mehr Risiko oder höhere Sparbeiträge. Diese Enteignung kann man als Sondersteier verstehen. Vorteil für die Politik ist, dass diese Steuer nicht durch das komplizierte Gesetzgebungsverfahren geschickt werden muss.

Eine schwache Währung ist gut für den Export und schlecht für die Konsumenten, denn der Import wird teurer. Hinzu kommt der niedrige Zins, der an der privaten Vorsorge zehrt. All dies ist ein Beleg für die Verzweiflung und die Unfähigkeit der vom Wähler freiwillig gewählten Politik. Der Wahnsinn ist demokratisch legitimiert. Wenn mir jemand erzählt, dass der schwache Euro gut wäre, dann antworte ich: „Sorry, ich habe nichts zum Exportieren!!!“. Mario Draghi macht den Euro zur Lira. Zur türkischen. Mit der letzten Bazooka hätte man übrigens auch 3.400€ an jeden EU-Bürger vom Baby bis zum Kreis in bar auszahlen können. Stattdessen schiebt man es Banken in den A***.

Die Eurokrise ist also wieder im Eskalationsmodus. Die Merkelisten stecken in der Zwickmühle: Entweder sie verzocken unser Steuergeld, welches Sie unter Androhung von Gewalt von uns genommen haben und retten Banken und Krisenländer, oder sie lassen sich die Krisenländer kaputt sparen. Beides wird uns teuer zu stehen kommen und beides wird nicht klappen. Die radikaleuropäische Finanzreligion ist in einer Sackgassse. Aber dem Export geht´s gut. Herzlichen Glückwunsch.


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liebe Grüße, eure Jenny

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8 Antworten zu “Der schwache Euro ist nicht nur ein Segen

  1. Der niedrig bewertete Euro hatte seine Ursache im relativ gesehenen Schwächeanfall der deutschen Industrie. Die Südstaaten haben nichts, was sie in Fremdwährungsräume von Rang und Namen exportieren könnten. Die Südstaaten wollen den schwachen Euro zur Bilanzkosmetik. Die bisherige Euroschwäche war Hysterie. Der €/CHF von 1,0 erscheint wegen der „Rettungstaten“ angemessen.

    QE ist eine Fehlleistung der EZB. Relativ zum Fed-QE ist das EZB-QE bedeutungslos. Draghi muss sich vor Augen führen, dass die EZB andere Aufgaben hat als das Fed. Die Geldstabilität war ohne QE gesichert. Das EZB-QE kann höchstens den „Märkten“ noch den Goldenen Schuss verpassen, der wirkliche Nutzeffekt tendiert gegen Null. Was die Märkte machen wird in New York entschieden, für die US-Börsenindizes kann ich keine Steigerungspotenziale mehr erkennen. Politisch ist das EZB-QE kontraproduktiv. Es ist ein völlig falsches Signal die Reformverweigerung (darunter verstehe ich nicht Sozialabbau) zu belohnen. Sonst wäre es keine Randnotiz wert.

    Man kann auch durch Steuererhöhungen die Inflation hochtreiben. Ein Jahr später kommt es natürlich, rein technisch, zu einem „Inflationsloch“. Siehe Japan. Genau sowas wollen uns ein paar Ökonomen-Kasper als „Deflation“ verkaufen. Es ist nicht nur der Rohstoffpreisverfall, sondern auch ein Steuererhöhungsnachschwingen in der Eurozone. Das war vorhersehbar und ist in ein paar Monaten vorbei. Steuerreformen sind weitaus ungefährlicher als das Treiben von irre gewordenen Zentralbankern. Hysterie und Panik sind schlechte Ratgeber.

    Letztlich versagen die Bundesregierung und Merkel wieder mal kläglich. Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Draghi sollte möglich sein, um dieses QE zu verhindern. Unter dem Strich kommt raus, dass in der EZB ziemlich viele Stümper oder Schwerstverbrecher zu sitzen scheinen.

  2. … es geht und ging doch nie um die Ankurbelung der Wirtschaft, Jenny. Oder um die Bekämpfung der Deflation. Wir haben keine. Nur getürkte Erhebungsmethoden in den USA (s. shadowstats.com) und in Europa.. Das hat auch weder in den USA noch in Japan funktioniert, wie jeder mit halbwegs klarem Blick überprüfen kann. Denn es ging und geht einzig und allein darum, zum einen den Banken die faulen Kredite und brisanten Risiken abzunehmen und den völlig überschuldeten Staaten die Zinslast abzunehmen sowie den Absatz ihrer wertlosen Schuldverschreibungen auch weiterhin zu ermöglichen. Diesen Preis zahlen die Bürger. Und dieser Preis wird steigen bis … die Märkte die Reset-Taste drücken, keiner das ahnen konnte und das Spiel von vorne beginnt. Zum Glück bin ich kein Pessimist …!

  3. und irgendwann wird dann frau merkel sagen: so ihr lieben leut, wir haben alles getan um das system zu retten und jetzt seit ihr dran, ab heute gibt es nur noch arbeit für freie kost und logis — und alle werden freudig mit dem kopf nicken, weil wir ein volk von jammerlappen sind

  4. Was soll man dazu sagen das ist ein Wirtschaftskrieg gegen die Menschen Europas und ganz speziell gegen die Deutschen ! Das läuft doch schon seit hunderten von Jahren………………………..
    Die wollen uns vernichten, Massenzuwanderung, Megaverschuldung, Inflation bis bald zur Hyperinflation.
    Das haben die schon zwei mal in den letzten 100 Jahren mit uns gemacht, die Geschichte wiederholt sich……………
    Krieg mit anderen mitteln.

  5. Dieser italienischer Verbrecher und EZB-Führer ist sehr gerissen.
    Der getürkte und durch Preisverfall beim Öl begründete Rückgang der Inflation soll als Begündung herhalten. In Wirklichkeit verfolgt er bzw. seine Auftraggeber ganz andere und viel brisantere Ziele. Nachzulesen hier: http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/weltwirtschaftsforum-ezb-verteidigt-anleihenkaeufe/11276740.html
    Die Nationalstaten sollen ihree Selbsbestimmung abgeben und sich dem Diktat der EU bzw. Lobbyisten und Bankstern beugen und zu Reformen gezwungen werden können. Wenn Wachstum ausbleibt gerät das System ins Wanken. Das soll unter allen Umständen verhindert werden dann dann wäre es mit der allumfassenden Macht der Bankster und ihner Helfershelfer vorbei.

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