Heftige Blase am Rentenmarkt

Überhitzungen, Spekulationsblasen und gefährliche Kurseuphorie sieht man nicht nur bei Aktien und Immobilien sondern seit langem auch am Rentenmarkt. Die Kurse vieler Anleihen sind enorm gestiegen, was die Renditen in den Keller drückt.

Renten, Bonds, oder auch Anleihen (ist alles das selbe) sind verbriefte Kredite. Oft werden sie auch einfach nur festverzinste Wertpapiere genannt; bei deutschen Staatsanleihen spricht man umgangssprachlich auch gerne von Bundesschatzbriefen oder Bundesobligationen. Solche Papiere haben einen Nennwert, eine feste Verzinsung und einen Kurs. Die Rückzahlung erfolgt stets zum Nennwert (Kurs 100%). Viele Anleihenkurse liegen aktuell weit über 100% und werden durch den Nennwertkonvergenz-Effekt starke Kurseinbußen sehen, die über die fixe Zinszahlung nur bedingt abgefedert werden können. Steigen die Kurse von Anleihen, dann freuen sich zwar Inhaber von z.B. Rentenfonds, aber die Erwerber dieser Papiere erhalten schlicht keine angemessene Risikoprämie mehr.

Damit die Kurse von Anleihen steigen, müssen 2 Dinge geschehen: Entweder das Zinsniveau sinkt oder das Risiko des Kreditnehmers sinkt. Beides stützt den Kurs und senkt die Rendite. Weil das viele frisch gedruckte Geld panisch Rendite sucht, schossen die Kurse nach oben, was die Renditen drückt. Viele Renditen vergüten längst nicht mehr das Risiko ihrer Kreditnehmer. Zu was fehlende Risikoprämien in einer Geldplanwirtschaft führen können, haben vergangene Krisen eindrucksvoll gezeigt. Bei deutschen Staatsanleihen ist es besonders extrem: 1 bis 7 jährige Laufzeiten rentieren negativ, die 10 jährige Variante wirft magere 0,11% p.a. ab. Der Kursgewinn des Renditerückgangs sieht in Rentenfonds und z.B. Überschussmitteilungen von Versicherern zwar schön aus, aber die nächsten Jahre ist hier nichts mehr zu erwarten.

Die Kursblase bei Anleihen zeigt sich sehr eindrucksvoll an aktuellen Marktdaten. Bulgarien bezahlt auf 10 Jahre nur 2,3%. Frankreichs 40-jährige Kredite bringen 1,07% pro Jahr. Irland bezahlt für 5 Jahre nur 1,01% p.a. und selbst ein Land wie Marokko muss für 5 Jahre nur knapp über 2% jährlich berappen. Rumänien kann sich aktuell auf 4 Jahre mit 1,05% p.a. verschulden, bei Ungarn ist es ähnlich. Die Türkei bekommt im Moment für 2,72% p.a. einen 10 jährigen Kredit in Euro. Konzerne wie BASF oder Bayer  bekommt den 10 Jahreskredit für jährlich ca. 0,65% Zinsen. Damit es bei Rentenfonds zu weiteren Kursgewinnen kommt müsste das Zinsniveau insgesamt weiter fallen. Diese niedrigen Renditen bepreisen in keinster Weise die dahinterstehenden Risiken. Das heißt bei Eintritt der Risiken muss wieder jemand Drittes dafür bezahlen. Wer das wohl sein wird?

Datenquelle: Anleihen-Finder der Börse Stuttgart

Zum weiter lesen: Die Jahrhundert-Blase


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liebe Grüße, eure Jenny

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10 Antworten zu “Heftige Blase am Rentenmarkt

  1. Heftig ist gut, das ist total Irre.
    In einer soliden Wirtschaft sollte angespartes oder geschöpftes Geld / Kapital investiert in Realwirtschaftlichen Projekten zu einem mehr an Realwirtschaftlichem Ertrag führen.
    Brutto Realwirtschaftlich sind die Realen Wachstumsmöglichkeiten längst ausgereizt, mehr noch da läuft längst schleichend das absaufen.
    Gleichzeitig steigt das Volumen der Geldmenge einmal über Geldschöpfung der Notenbanken, anderseits aber generiert der Geldmarkt weitere Liquidität.
    (Letzteres ist kaum ein Thema da recht komplex und unübersichtlich.)
    Mal sehen was für scheinbare Überraschungen die Entwicklung noch bereit hält. Das kann durchaus noch einige Zeit weiterlaufen im ,,Tricksen,, ist der Mensch oft erstaunlich kreativ.
    Gewiss ist lediglich am Ende bleibt die Physik, die auch in der Ökonomie wirkt, der finale Sieger.
    Freundliche Grüsse

  2. Pingback: Heftige Blase am Rentenmarkt - Der Blogpusher

  3. Stefan Lehmann

    Wie sieht die Lage bei Pfandbriefen und entsprechenden Fonds, z. B. Deka iBoxx € Liquid Germany Covered Diversified UCITS ETF
    aus. Einsteigen oder aussteigen?

    • Hierzu kann ich keine Empfehlung abgeben. Eine Prüfung von Angemessenheit und Geeignetheit eines Finanzproduktes bedarf eines persönlichen Gesprächt mit jemandem, der das darfst und die Empfehlung dann auch schriftlich protokolliert. Lg

    • Meckie Messer

      Hallo Herr Lehmann,
      Schaun Sie einfach mal auf den Kurs (Chart) des Bundfuture! Der Chart einer Assetklasse sagt mehr als tausend Worte, und beantwortet Ihre Frage eindeutig. Der BDI und die Zinssätze unterstützen die Aussage.
      MfG

  4. Bundesschatzbriefe, der guten Ordnung halber, Schnee von gestern:
    Bundesschatzbriefe wurden 1969 zur Vermögensbildung breiter Bevölkerungsschichten geschaffen, die Papiere von der Bundeswertpapierverwaltung ausgegeben. Zum 1. Aug. 2006 übernahm die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH das Privatkundengeschäft mit Bundeswertpapieren. Am 4. Juli 2012 gab die Finanzagentur bekannt, dass das Privatkundengeschäft ab 2013 aus Kostengründen eingestellt und keine Bundesschatzbriefe oder Finanzierungsschätze mehr aufgelegt werden. Gehört auch zum Fachwissen, wenn man drüber schreibt. Und, diese Entscheidung des Herrn Schäuble, wieder einmal eine einsame, wurde in der Anlegergemeinde durchaus bedauert, aber was kümmert das den schon.

  5. Sehr sehenswert:

  6. Pingback: Blitz-Crash: Schäuble muss dreimal so viel Zinsen bezahlen, wie noch vor 2 Wochen | Jenny´s Blog

  7. Hallo Leute

    Super Blog danke für die tollen Informationen, da hab ich doch schon wieder was dazu gelernt.
    Wer sich zum Thema Kredit und Kreditvergleiche ein paar Tipps und Tricks einholen möchte, habe ich hier eine super Seite und ein gratis E-Book zum gratis herunterladen gefunden.

    *Link von der Moderation gelöscht*

    Grüsse

    Fabian

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