Lehman Brothers: Das Finanz-9/11 war ein Insidejob

Bei seinem ersten Auftritt seit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers hat ihr ehemaliger Chef Richard Fuld sein Schweigen gebrochen. Es habe sich um einen „angeordneten Bankrott“ gehandelt, betonte Fuld. Die Faktenlage gibt ihm recht.

Die Investmentbank hatte am 15. September 2008 Konkurs beantragt und war zuvor die viertgrößte Bank der USA. Die globale Politik brauchte diese Pleite zur Umsetzung ihrer Krisenstrategie. Mit der Lehman-Pleite hat man es geschafft, die ganze Welt mit ins Krisenboot zu holen. Der damals unter George Bush für Bankenrettung zuständige Finanzminister war Henry M. Paulson. Bis 2006 war er noch Vorsitzender und CEO der Investmentbank Goldman Sachs und persönlicher Bekannter des letzten Lehman-Chefs Richard Severin Fuld.

Das Insolvenzverfahren ist inzwischen abgeschlossen und die Zahlen liegen auf dem Tisch. Anleger erhielten zirka 80% ihrer Forderungen aus der Insolvenzmasse, die für ein „Pleiteunternehmen“ mit 15 Mrd. Euro durchaus gewaltig war. Auch die Deutsche Bundesbank hatte mit Lehman eine Rechnung offen – es standen 8,5 Mrd. Euro im Feuer. Inzwischen kamen 7,4 Mrd. Euro davon wieder zurück, wie das Institut selbst meldet.

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers war der Startschuss einer globalen Eskalation. Diese spezielle Pleite war nicht die Ursache, aber durchaus ein Brandbeschleuniger, der aktuell noch laufenden Krise. Zu den Einlegern bei Lehman Brothers gehörten vor allem europäische Sparer, Kommunen und Institutionen. Erst durch die Pleite am 15.09.2008 hat sich die Finanzkrise wie ein Spinnennetz über den Globus verteilt. Wenn dies jemand zum Ziel hatte, dann hat er sein Ziel erreicht. 80%-Rückfluss aus einer Insolvenz ist absoluter Rekord! Ähnlich hohe Quoten sah man bei vergangenen Bankenpleiten noch nie! Üblich sind hier, wenn überhaupt 0% bis zirka 10%.

Wie kam es eigentlich zur Pleite? Der US-Kongress hat nur wenige Wochen nach dem Börsenhöchststand des Jahres 2007 eine ziemlich dämliche Rechnungslegungsvorschrift eingeführt. Aus heiterem Himmel hat man die Vorschrift dem für EU-Banking geltenden IAS ähnelnden „SFAS 157“ eingeführt und von heute auf morgen mussten US-Banken ihre Anlagegüter so bilanzieren, als würden sie diese per sofort verkaufen wollen. Die Folge: Massenverkäufe! Klar, denn auf Abschreibungen hat niemand Lust. Danach entstand eine Kettenreaktion und die Papiere fielen natürlich im Preis, denn viel zu viele Händler haben versucht gleichzeitig zu verkaufen. Die umstrittene Vorschrift „SFAS 157“ wurde genau sechs Tage nach dem Börsen-Tiefpunkt im März 2009 wieder aufgehoben.

Andere Großbanken, wie Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac wurden von der US-Regierung großzügig gerettet. Die Lehmanpleite hat Prozesse in Gang gesetzt, die ohne sie undenkbar gewesen wären. Man wollte die Krise, man bestellte die Krise und man bekam die Krise, um den größten Raubzug der Geschichte zu starten. Lehman Brothers war nicht besonders spekulativ oder aggressiv am Markt. Sie war wie jede andere Bank auch. Nur mit dem Unterschied, dass man jede andere Bank gerettet hat. Lag es daran, dass vor allem Lehman Brothers am europäischen Markt aktiv war? Über solche Motivationen kann man nur mutmaßen. Was man aber klar erkennen kann, das sind Fakten und tatsächliche Auswirkungen.


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liebe Grüße, eure Jenny

12 Antworten zu “Lehman Brothers: Das Finanz-9/11 war ein Insidejob

  1. lothar harold schulte

    Hat dies rebloggt.

  2. Im September 2008 endete ein jüdisches Sabbatjahr
    genauso wie im September 2001
    und im September 2015

    Anmerkung der Redaktion: Danke für diese kalendarische Information, die m.E. nach nichts mit der Sache zu tun hat.

  3. Deutscher Patriot

    Lag es daran, dass vor allem Lehman Brothers am europäischen Markt aktiv war?
    ————————————————————————-
    Genau das war der Grund, daß man Lehman Brothers in die Insolvenz schickte.
    Insbesondere in Deutschland wurden die wertlosen Zertifikate verkauft, nachdem die rot-grüne Bundesregierung den Zertifikatshandel ermöglicht hat.

  4. Was für eine spannende Erkenntnis!!!

  5. Hallo Jenny,
    Du liegst mit Deinen Erkenntnissen wieder Jahre zurück. Der ganze Schwindel mit der Pleite von Lehmann Brothers ist schon seit 2010 bekannt, zum Großschaden des deutschen Volkes. Noch am Tag der Lehmann Pleite überwies die KfW 300 Mille an die Pleitebank und dann wären da noch die DePfa in Ir-land und HSH Nord-Bank usw.
    Alles nachzulesen bei Tetra Hattric Letters von Bill Murphy (2010) & veröffentlicht im Ralf Keser Blog (2013).
    Von den 10 Bil-lionen € sind bis auf den heutigen Tag nicht ein Heller oder Pfennig zurücküberwiesen worden, oder denke an die Vielen griechischen Rettungspakete. Wer bezahlt die wohl?
    Man kann gar nicht soviel fressen wie man kotzen könnte! 😦 😦 😦
    MfG

  6. Hier noch ein erstklassiger Kommentar von P.C.Roberts zum Finanzsystem, als intellektuelle Zugabe:
    http://n8waechter.info/2015/05/freie-finanzmaerkte-sind-ein-hoax/
    Hiermit ist klar, wer die Welt & das Finanzsystem dominiert.
    MfG

    • Interessant Ausführungen von Craig Roberts.
      Tja der fast ,, Beweis,, da wird hinter den Kulissen ohne
      schlüssigen ,,Gesamtplan,, herummanipuliert was das Zeug hergibt.
      Tja und die sog. Star- Ökonomen spielen im Hintergrund Dirigent.
      Das Orchester ( die Fakten) spielen Melodie A. der Taktstock der Dirigenten spielt Melodie B.
      Wär das ganze nicht eine Megascheisse, könnte man sich ob der komischen Veranstaltung kugelrund Lachen.
      Freundliche Grüsse

  7. Danke für diesen Artikel, man lernt immer noch etwas dazu.

  8. Ja ja der ,, grosse Plan,,???
    Wen jetzt auch noch einer wie der Herr Richard Fuld
    ins Lager der Verschwörungstheoretiker wechselt,
    dann spricht das ganze Bibliotheken.
    Das Wahrscheinlichere liegt wohl etwas anders.
    Da hat es wohl einigen hinter den Kulissen gedämmert das,
    das Finanzwesen vollständig aus dem Ruder zu laufen drohte.
    Das mit dem Gesetz SFAS 157 wahr einfach ein untergeworfener
    Rad- Keil, Lehmann Brother hat es wohl eher zufällig erwischt.
    Das da gleich wegen einer Pleitebank das Weltfinanzsystem einzustürzen
    drohte, wurde da wohl nur bedingt einkalkuliert.
    Als Gegenreaktion wurden, musste Postwendend die Liquiditätszufuhr
    massiv ausgeweitet werden, insbesondere USA und Europa.
    Auch wenn das zu viele nicht schnallen wollen, können.
    Grins so ,,Kaliber,, wie ein Richard Fuld, so Kaliber gibt es haufenweise.
    Das ganze ,,System,, ist längst jenseits von gut und böse.
    Die haben den Gesamtüberblick längst verloren.
    KEINER weiss oder kann wissen was den da so abgeht.
    Da laufen nur noch Feuerwehrübungen jeweils da wo es grade aktuell brennt.
    Das vom ,,grossen Plan,, ist eine Lachnummer.
    Wenn einer aus dem Obersten Kreis von Verschwörung
    Schwadroniert dann sagt das nur noch eines aus.
    Der Oberste Kreis wird von den elenden Fakten immer schneller
    wie die Sau durchs Dorf getrieben.
    Grosser Plan ??? da ist nur noch eines, Ratlosigkeit- Panik.
    Tja das will einfach fast niemand für wahrhaben.
    Freundliche Grüsse

  9. Wer immer noch nicht verstehen kann oder will, dass hier eine Ereignisskette weiter und weiter abgearbeitet wird – eben nach Plan, was denn sonst – ist wohl weiter gefangen in seiner kognitiven Dissonanz und darf die weiteren ehemaligen VT´s in VP = Praxis, baldigst wiedererkennen. Solange, bis das vollumfänglich auf der Kette ist.

  10. Pingback: Letzte Runde | denkbonus

  11. Pingback: Die “Lehman Brothers”-Verdummung | Pinksliberal

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