Anleger stecken in der Kapitalerhaltsfalle

Wer bei der Geldanlage weder Rendite noch Risiko möchte, der sollte keinen Investmentfonds kaufen. Viele dieser Anleger haben es dennoch getan und sitzen jetzt in der Kapitalerhaltsfalle.

apriljan

Nach den Turbulenzen im Jahr 2008 wolle niemand mehr Fonds haben, obwohl sich ein Einstieg aus heutiger Sicht gelohnt hätte. Die Finanzindustrie hat auf die neuen Kundenwünsche reagiert und Produkte mit Versprechen aufgelegt. Seither werben sie mit schönen Begriffen wie „Kapitalerhalt“ oder „Gewinnsicherung„. Diese Konzepte können funktionieren, kosten aber wie man im aktuellen Marktumfeld sieht, extrem viel Partizipation.

Verspricht ein Mischfonds „Kapitalerhalt auf Sicht von 5 Jahren„, dann kann er nur begrenzt Wagnisse eingehen, die eine Rendite abwerfen könnten. Ging er diese Wagnisse in 2015 ein und realisierte dabei die tatsächlichen Risiken, dann tendiert der Fonds aktuell sehr wahrscheinlich unter seinen Höchstständen aus dem ersten Halbjahr 2015. Solche Fonds sind nicht selten 2% bis 6% unterhalb der Wasserlinie. Damit das Versprechen „Kapitalerhalt“ eingehalten werden kann, muss der Fonds nun in etwas mehr als 4 Jahren zu den Hochs aus 2015 zurückkehren.

Mischfonds, die ein Versprechen erfüllen müssen, können deshalb aktuell nur noch bedingt renditebringende Wagnisse eingehen. Benötigt ein ausgewogenes Mischprodukt in den nächsten 4-5 Jahren stolze 1-2% per Anno (nach Kosten), nur damit alle Anleger nichts verloren haben, dann ist das ziemlich knackig. Viel mehr als das Erreichen vergangener Höchststände können Anleger nicht erwarten, denn viele der betroffenen Fonds können quasi nur noch in Geldmarkt und Bundesanleihen investieren.

Ich sage es oft und sage es wieder: Wer weder Rendite noch Risiko möchte und wer einen Geldbetrag einfach nur nominal erhalten möchte, der sollte weder Wertpapiere, noch Häuser, noch Edelmetalle noch sonstwas kaufen. Investitionen sind mit Chancen und Risiken verbunden. Viele Mischfonds mit Strategieversprechen sind im aktuellen Umfeld nur noch überteuerte Geldmarktfonds mit Anleihenbaustein, weil sie in nächster Zeit mit dem Einhalten der Versprechen beschäftigt sein werden.

Eine langfristige Kapitalanlage mit Sachwerten und einer breit gestreuten Beteiligungskultur benötigt weder eine Kapitalgarantie noch ein Kapitalerhaltsversprechen. Wer einen geeigneten Anlagehorizont mitbringt und wer den Einstieg temporär diversifiziert, benötigt meiner Meinung nach keine störenden Placebos. Mit Kapitalerhalt wird eine Anlage ganz schnell zur Stilllage.

Die Deutschen legen laut BVI aktuell knapp 300 Mrd. Euro in gemischte Fonds/Dachfonds an. Nicht alle Produkte sind von der beschriebenen Problematik betroffen. 


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Bitte beachtet die Richtlinien für KommentareMail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de.

liebe Grüße, eure Jenny, @_JennyGER_

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3 Antworten zu “Anleger stecken in der Kapitalerhaltsfalle

  1. Wem gehören denn die meisten Fonds wirklich? Den Banken. Die laden dort ihren Finanzmüll ab. Mit Fonds macht man trotz vollen Börsen-Risikos und dem Emittentenrisiko wegen der eingerechneten Gebühren u. a. Nebenkosten beträchtlich Nasse. Egal, ob privat oder institutionell, garantieren kann man bei „Geld“ garnichts. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktienkurse nächste Woche steigen ist relativ hoch. Freitag wäre ein guter Tag (Un-)“Wertpapiere“ zu entsorgen.

    Die Baisse dürfte, nachdem nächste Woche Traghis Untaten gegen den Teuro mit steigenden Kursen gewürdigt wurden und Freitag zum Kleinen Verfall die Aktien unbedingt etwas höher stehen sollten, noch ganz andere Tiefs erreichen. Weder wegen „China“ noch „Ölpreiscrash“, sondern weil Murksel das „Vertrauen“ der „Investoren“ richtig verzockt hat. Ein wirtschaftlich schwaches Deutschland (Unternehmensgewinne, da war trotz Nullzins, Euroschwäche, Rohstoffpreiskollaps und Traghis Druckorgien 2015 garnichts gewachsen) plus politische Instabilität in Deutschland sollte Wirkung entfalten. Als ausländischer Investor würde ich eine Bananenrepublik, die nicht mal ihre Grenzen im Griff hat (wenn „Schengen“ nicht funktioniert ist die Landesgrenze dicht zu machen), wie die Pest meiden. Die jetzigen Machthaber Deuschlands kann man nur verachten. Nach dem Sturz des Regimes kann man mal wieder hinschauen.

    • Hallo Michael,
      dein Kommentar gefällt mir, er hat aber 2 extreme fachliche Fehler. 1. Fonds kaufen tatsächlich manchmal Müll, allerdings müssen sie sich an die Vorgaben aus dem Prospekt halten. Ein Aktienfonds darf dann z.B. keine Ramschanleihen kaufen etc…., 2. Bei Fonds gibt es kein Emittentenrisiko gegenüber der Fondsgesellschaft und noch weniger gegenüber dem Vertriebspartner (Bank).

      lg

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