Ablasshandel im Supermarkt: Drei unbequeme Wahrheiten über Bio

Besorgte Konsumenten können sich inzwischen ganz einfach im Supermarkt ein reines Gewissen kaufen: Gegen einen saftigen Aufpreis erhalten sie eine Illusion von Reinheit, Gesundheit Korrektheit. Dieser Ablasshandel ist bereits so beliebt, dass viele Verbraucher die einfachsten Wahrheiten zu Bio-Lebensmitteln ausblenden.

  1. Kein Witz! Neulich hörte ich folgenden Satz: „Magst du auch Schokolade? Die ist Bio. Hat also garkeinen Zucker“. Das ist natürlich Quatsch. Bio-Schokolade hat genau so viel Zucker wie normale Schokolade auch. Zucker ist ein natürlicher Rohstoff. Oftmals hilf ein prüfender Blick auf die Nährwertangaben auf der Verpackung.
  2. Manche haben auch ein schlechtes Gewissen, weil wegen ihrer Ernährung Tiere leiden müssen. Für einen kleinen Aufpreis bietet die Industrie auch hier ihren Ablasshandel an. Bio-Fleisch ist von glücklichen Tieren, erzählt man uns. Die Wahrheit ist: Auch für Bio-Fleisch muss ein Tier sterben.
  3. Erinnert ihr euch an den Ehec-Skandal? Die Ursache waren Bio-Sprossen. Bio-Lebensmittel sind nicht sicherer! Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 200.000 Erkrankungsfälle durch Lebensmittel gemeldet. Biobauern verwenden keinen Kunstdünger. Sie verprühen Mist und Gülle, die mit Erregern belastet sein können.

Bio ist besser, und in Summe auch gesünder im Vergleich zu vielen Chemie-Lebensmitteln. Doch der betriebene Ablasshandel ist wieder eine typisch deutsche Verdummung. Die Verbraucher kaufen sich völlig überteuert ein reines Gewissen. Hinzu kommt noch eine weitere Falle: Viele bilden sich ein, Bio sei gesünder. Dies verleitet dazu, mehr zu essen – besonders bei Bio-Süßigkeiten. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Bei manchen ist der Hang zu Bio fast schon religiös. Als ich der Person, die behauptete, dass Bio-Schokolade keinen Zucker enthalten würde, darauf aufmerksam machte, hat sie es nicht geglaubt. Obwohl es groß und breit auf der Packung steht. Apropos Verpackung…


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Bitte beachtet die Richtlinien für KommentareMail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de.

liebe Grüße, eure Jenny, @JennyGER

3 Antworten zu “Ablasshandel im Supermarkt: Drei unbequeme Wahrheiten über Bio

  1. Hallo Jenny, manche Ihrer Artikel waren schon gehaltvoller. Wenn Sie sich mal ausführlich und tiefgründig über bio informieren möchten, stehe ich Ihnen mit > 30 Jahren Biomarkt-Erfahrung (seit einer Diplomarbeit anno ’84 zum Thema und seither in der Branche beruflich) gerne zur Verfügung. Gruß hs@ecofit.de

  2. Bernd Engelking

    … wenig gehaltvoll ist geschmeichelt. Ich denke hier soll Bio diskreditiert werden. Viele Menschen haben scheinbar Spaß daran und wollen die konventionelle Landwirtschaft in Schutz nehmen.
    Punkt 1.: Menschen können dumm sein ist kein Argument gegen Bio-Produkte.
    Punkt 2.: Alle Tiere müssen sterben. Dass ein Tier sterben muss, kann kein Argument gegen Fleisch essen sein, sondern nur die Haltung. Hat ein Tier artgerecht gelebt, hat es gesund gelebt und ist es gesund ernährt worden. Wem das nichts bedeutet, kann weiter den konventionellen Intensiv-Mast-Kram essen.
    Punkt 3.: Auch konventionelle Bauern verwenden Gülle und zwar noch extremer. Also auch kein Argument. Im Bio-Bereich gibt es genau so viele Skandale wie überall. Nur dort gibt es erheblich stärkere Regeln, vor allem bei der Tierhaltung. Ob man es sich leisten kann und will, ist eine andere Frage.
    Ich denke, Bio-Lebensmittel sind deutlich weniger vergiftet, als konventionelle.
    Es eine vernünftige Alternative. Die typisch deutsche Verdummung gibt es überall. Man sollte sich genau informieren, was in unserer Nahrungsmittelproduktion heute los ist, dem für uns wichtigsten Wirtschaftszweig. Dort herrscht Profitjagd mit allen Mittel.
    Die konventionelle, industrielle Landwirtschaft zerstört die Umwelt (Monokulturen, Überdüngung, Verschlechterung des Trinkwassers, Auslaugung der Böden, Vernichtung der Artenvielfalt) und produziert ungesunde Lebensmittel (Weichmacher; Konservierungs- und Geschmacksstoffe; Glyphosat, Antibiotika und resistente Bakterien, Nikotionide, Vitamin- und Nährstoffarmut).
    Aber sie ist nicht hauptverantwortlich. Hauptverantwortlich ist unser Wirtschaftssystem, was dazu führt, dass alle wachsen müssen, im Einklang mit der Politik, die durch Subventionen Fehlanreize setzt. Die Großen werden immer größer und die Kleinen werden geschluckt, wie überall. Die ländlichen Regionen „bluten“ in jeder Hinsicht aus, in der Natur durch Artenvielfalt, regionale Wirtschaften werden abgebaut, regionale Gemeinschaften durch Landflucht zerstört. Das passiert auch global (z.B. Land-Grabbing, Energiepflanzen, Soja aus Südamerika für unsere Masttiere)

    Es ist ein grundsätzliches Problem mit unserem Wirtschaftssystem.

  3. Herrlich, dein Artikel!
    Ebenso auch die (bisherigen) Kommentare. Das übliche geseiere der getroffenen Hunde.
    Ich habe deinen Artikel so verstanden, dass Bio nicht grundsätzlich verwerflich oder schlecht ist – jedoch ebenfalls Risiken birgt.
    Auch denke ich, dass konventionelle Landwirtschaft durchaus kritikwürdig ist und dies von dir ebenfalls so gesehen wird – nur leider, sind die Kritikpunkte andere, als die bei Bio…
    Im Grunde könnte man das Dillema auch hier wieder zurückführen auf den Neoliberalismus: Wenn immer alles billiger werden muss und die Kontrolle durch Behörden eingespart wird, dann werden konventionelle Lebensmittel qualitativ und in der Art der Erzeugung eben immer schlechter und Naturfeindlicher.

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