Stupid German Money: Immobilien

„Stupid German Money“ ist an den Kapitalmärkten eine feste Größe, mit der manch ein Marktteilnehmer immer wieder rechnet. Seien es ökologische Schrottanleihen oder klimafreundliche Ramschanteile – immer wieder trifft man auf dummes deutsches Geld. So auch bei Immobilien.

Der Begriff „Immobilienblase“ taucht immer häufiger in den Medien auf. Dabei handelt es sich um eine durch Niedrigzins, mentaler Beschränktheit und Gier verursachte Spekulationsblase. Die Anlageklasse Immobilie wird von vielen Anlegern als absolut sicher eingestuft; ja, sogar von solchen Anlegern, die wirklich jede Form von Risiko scheuen. Weil wir in den meisten Teilen Deutschlands noch nie fallende Immobilienpreise sahen, gehen sie davon aus, dass die Preise immer weiter steigen werden.

Immobilienblase bedeutet, dass man in X-Jahren mehr Kredit hat, als Haus. Damit es zu einer weiteren Preissteigerung kommt, müssen mindestens zwei Faktoren mitspielen: Die Nachfrage muss in Zukunft höher sein und die Gebäudesubstanz muss durch Ersatzinvestitionen erhalten bleiben. Beides ist ungewiss. Der Nettomietertrag geht oftmals in voller Höhe für die Anfangskosten, Mietausfälle und Reinvestitionen drauf. Rein mathematisch bleibt dann kein Gewinn mehr übrig – außer man nutzt die Immobilie selbst. Doch je weniger Wohneinheiten in einem Objekt sind, desto höher sind die Ersatzinvestitionen je Wohneinheit.

„Es trägt sich ja selbst“, sagt der klassische Anleger und schielt dabei auf den Niedrigzins. Wer eine Darlehensrate in Höhe von 500€ hat und eine Kaltmiete in Höhe von 500€ bekommt ist eben nicht neutral, denn das Objekt wird älter und die Ersatzinvestitionen summieren sich in ca. 50 Jahren auf die Höhe des heutigen Kaufpreises. Zudem wird die Darlehensrate gnadenlos fällig, während die Miete gerne auch mal ausfällt, weil der Mieter krank oder arbeitslos wird. Wer hier von einer risikolosen Anlage spricht, ignoriert mit aller Gewalt die Realität.

Ein erfolgreiches Investment in eine fremdgenutzte Immobilie braucht Wohnraumverknappung, hohe Nachfrage und einen dauerhaft niedrigen Zins. Bei solch einem Investment werden viele Jahre vergehen, bis man die Anfangskosten verdient und im Gewinnbereich ist. Ist das Objekt finanziert, dann kann in 10, oder 15 Jahren noch die Zinskeule drohen. Wer möchte mir eine Immobilie abkaufen, wenn die Darlehenszinsen bei z.B. 8% stehen? Bei eigengenutzten Objekten sehe ich das allerdings anders: Hier wohnt man selbst drin und hat einen mathematisch nur schwer messbaren Nutzwert, der die Kosten in aller Regel übersteigt.

Immobilien sind, wie jede andere Anlageklasse auch, mit Risiken verbunden. Aufgrund der sich andeutenden Spekulationsblase können diese Risiken im aktuellen Umfeld erhöht sein. Tipp: “Der kritische Immobilienkurs” – Dieses Buch gibt einfach und schlüssig einen kompletten Überblick über einen Immobilienerwerb.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Bitte beachtet die Richtlinien für KommentareMail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de.

liebe Grüße, eure Jenny, @_JennyGER_

10 Antworten zu “Stupid German Money: Immobilien

  1. „Dabei handelt es sich um eine durch Niedrigzins, mentaler Beschränktheit und Gier verursachte Spekulationsblase.“ sehr gut treffender kann man es nicht schreiben 🙂

  2. Immobilien sind langfristige Geldanlagen. Auch Renditeimmobilien sind zum spekulieren völlig ungeeignet.. Die Rendite liegt etwa bei 1,5 – 2%.. wenn man damit leben kann ist das OK. Ohne mindestens 30% + einige 1000,00 für unvorhersehbare Reparaturen flüssig zu haben ist die Pleite fast sicher. Es ist nicht ratsam, die Immobilie nur über die Rendite abzahlen zu wollen. sinnvoll kann eine immobilie als Geldanlage sein, wenn man sehr viel Geld sehr lange anlegen will.und die Immobilie dann zu 80 -100% einfach bezahlt. Klumpenrisiko muß man dabei aber vermeiden.
    Eine selbst genutzte Eigentumswohnung muß man in 10 – 12 jahren abzahlen können oder man kann es sich eben nicht leisten.
    Unbedingt warnen muß man vor offenen Immobilienfonds. Verluste von 70 – 80% sind durchaus möglich,, besonders wenn die Zinsen wieder steigen, und die Blase platzt., auch wenn Bankberater das immer wieder abstreiten.

    • Warum bist du bei offenen Immobilienfonds so pessimistisch? Das würde mich interessieren. Vor allem die fachlichen Hintergründe.

  3. Offenbar haben es so einige nicht so recht mitbekommen.
    Zum Auslöser der mit nichten überwundenen Finanzkriese,
    wurde der Hypothekenmarkt in den USA.
    Richtig ist solange die Nachfrage das Angebot übertrifft geht die Sache auf.
    Jedoch nur solange die Nachfrager die entsprechende Kaufkraft mitbringen als Käufer oder Mieter. Bekanntlich wird die Breite dieser Bevölkerungsschicht bis weit in die Mittelschicht immer schmaler. Derweil steigt das Angebot im hohen Preissegment überproportional an, eine sich immer weiter öffnende Schere.
    Tja eine Frage der Zeit dann korrigiert der unerbittliche Markt.
    Was denn die nächste Finanzkriese einleitet ist offen.
    Es können die Aktien oder es kann auch das sog. ,,Betongold,, sein.
    Besonders hoch ist das Risiko in der Schweiz, dieses Land hat eine der höchsten Hypothekarverschuldungen Weltweit.
    Diese Verschuldungsblase wird seit jahrzehnten mit Fiskalischen Vergünstigungen, auch noch indirekt gefördert.
    Ein riskantes Spiel mit erheblicher Sprengkraft.

    • Ich verstehe wirklich nicht, wie jemand anspruchsvolle Sätze formulieren aber gleichzeitig das Wort „Krise“ nicht richtig schreiben kann ??

  4. Danke Jenny, wie Recht Du doch hast

  5. Pingback: Eine Alternative oder mehrere, was tun? – traderabc.de

  6. Ich versuche das Wort mal richtig zu schreiben ohne den Anspruch anspruchsvolle Sätze zu formulieren.
    Die Immobiliengriese kommt spätestens dann, wenn vom erworbenen Haus der Putz runtergrieselt. Gerade die Instandhaltung wird von vielen Käufern kostenmäßig ausgeblendet. Beim Einfamilienhaus ist der Besitzer noch bis zu einem gewissen Grad selbstbestimmt, wann und in welchem Umfang, bzw ob in Eigenleistung die Arbeiten erledigt werden sollen.
    Bei der Eigentumswohnung ist man und auch frau dem Beschluß der jährlichen Versammlung und den Informationen des Verwalters hilflos ausgeliefert.
    Wenn dann das Betongold zwangsversilbert werden muß, weil die beschlossene Sonderzahlung nicht erbracht werden kann, ist selten ein guter Verkaufspreis zu erlösen.
    Sowohl für den Haus- , als auch für den Wohnungseigentümer gilt: Kredite sollten daher generell so niedrig wie möglich gehalten, am besten vermieden werden. In den allermeisten Fällen wird es nun mal nicht ganz ohne Finanzierung abgehen können.
    Andererseits ist Immobilienbesitz auch Grundbesitz und wird nicht so schnell wertlos wie buntes Papier mit schönen Zahlen darauf gedruckt, oder gar Bits und Bytes auf dem Rechner der Bank.
    Über Generationen aufgebauter und erhaltener Reichtum beinhaltet zu einem nicht unwesentlichen Teil auch Haus- und Grundbesitz.
    Sorgfältig kalkuliert ist Betongold durchaus werthaltig und Ackergold nicht nur eine Kartoffelsorte.

  7. TOP ARTIKEL JENNY
    Den werde ich gleich mal verbreiten.

    Gutes Interview mit Friedrich und Weik – schon gesehen?

  8. Pingback: Mein Blog macht Sommerpause… | Pinksliberal

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