Finger weg von Geldmarktfonds

Banken scheuen Liquidität, wie der Teufel das Weihwasser. Kunden, die täglich verfügbare Einlagen horten, kosten Geld und bringen keinen Ertrag. Diese Sparer wollen keine Rendite; sie wollen nur Sicherheit und Verfügbarkeit. Bei negativer Verzinsung würden sie ihr Geld sofort abheben, weshalb diese Kundengruppe immer mehr zum Problem für die europäischen Banken wird.

Bei manch einer Bank ist selbst der Nullzins auf dem Tagesgeldkonto schon eine Sonderkondition mit negativem Deckungsbeitrag. Am liebsten würde man eine Verwahrgebühr verlangen, doch angesichts der erwartbaren Reaktion der Einleger, versucht man dies (noch) zu verhindern. Man sitzt die Sache aus. Eine kreative Idee der Banken, die lästige Liquidität ihrer Kunden loszuwerden, sind Geldmarktfonds. Auf Euro lautend versprechen sie Renditen zwischen 0% und 0,10%. Doch Vorsicht, denn diese Finanzinstrumente haben es in sich!

Die Rechnung der Banker geht so: Täglich verfügbare Einlagen von Sparern kosten Geld. Eigentlich wäre es das Beste, die Kunden zu einer anderen Bank zu schicken, doch dann verliert man die wertvolle Adresse. Also bietet man den Sparern eine außerbilanzielle Lösung an, womit man Provisionen vereinnahmt. Erzkonservativen Anlegern bietet man seit Neustem Geldmarktfonds an. Sie bieten Verfügbarkeit, eine Illusion von Sicherheit und eine Rendite knapp über 0%. Für die 5 bis maximal 10 Basispunkte Rendite gibt der Sparer dann die Einlagensicherung auf und stürzt sich in den Kapitalmarkt.

Ziemlich pervers sind auch die Kosten. Ein Anbieter in Deutschland verspricht „eine planbarer Rendite in Höhe von 0,05% p.a. für den laufenden Monat“ und kassiert hierfür lt. PIB ca. 0,24% Kosten. Das heißt der Fonds wird vor Kosten ca. 0,29% bringen müssen und auch Risiken für 29 Basispunkte eingehen. Von diesen 29 Basispunkten gibt man dem Sparer 5 und behält 24 für sich selbst. Sagt mal, gehts eigentlich noch?

Für diese läppischen 5 Promille Rendite verzichtet der Sparer auf die Einlagensicherung und bekommt kurzlaufende Anleihen von südeuropäischen Banken und wackeligen Südstaaten. Um eine Verzinsung von über 0% zu finden, ist es mehr als logisch, dass sich der Fonds in Südeuropa umschauen muss. Die zu stellende Frage ist, ob das der typische Tagesgeld-Anleger will? Ziemlich dreist ist auch das Vergütungsmodell mancher Fonds. Einzelne Anbieter vereinnahmen „bis zu 100% der Rendite, die eine klassische Geldmarktanlage übertrifft“. Masterfrage: Wie viel Risiko wird ein Fondsmanager mit dieser Klausel im Prospekt wohl eingehen?

Tipp: Wird bei einem Wagnis das Risiko nur unzureichend vergütet, dann sollte man das Risiko auch nicht eingehen. Bei vielen Geldmarktfonds sehe ich es so: Lieber 0,00% SICHER, als 0,05% UNSICHER.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Bitte beachtet die Richtlinien für KommentareMail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de.

liebe Grüße, eure Jenny, @_JennyGER_

2 Antworten zu “Finger weg von Geldmarktfonds

  1. Nach Kredit auf sicher Pfändbarem, Bausparvertrag und Lebensversicherung gehören Fonds zum Inhalt der modernen Toolbox des provisionsbewußten Bankberaters.
    Ein Aktiendepot eröffnen ist den Bürgern vom Herrn Gesetzgeber mit umfangreichem Ausfragen mittlerweile vergällt. Selbst wer sich durch die Inquisition durchgequält hat, bekommt gleich wieder Fonds für das frische Depot angeboten, mit dem dezenten Hinweis, der Fondsmanager hätte doch alles viel besser im Griff und viel schneller die zum Agieren nötigen relevanten Nachrichten.
    Im Klartext: „Sie sind viel zu blöd! Wir sind die Expertenund wissen, was für Sie gut ist (zu sein hat)!“
    Edelmetallkauf sollte auch nur per Fonds abgehen und wenn es doch echte Barren und Münzen sein sollen, dann bitte lieber mit Vorbestellung und Abbuchung vom Konto.
    Schöne Krawatten haben sie um den Hals windsorgeknotet und in edlem Zwirn uniformieren sie sich, die sogenannten Bankberater! Eigentlich sind sie auch nur Knechte, die Vorgaben ihrer Vorgesetzten erfüllen müssen. Der Beruf wird zunehmend weniger iös.

    In der Küche ist ein Fonds eine eingedampfte Brühe in welcher das Eingebrachte reduziert wurde. Diese Eselsbrücke ist eine gute Nachdenkhilfe hinsichtlich der hier themengebenden Fonds.

  2. Fünft Promille sind fünf Tausendstel, meine Liebe!

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