Mythos Nullzins: Der Sparer wird nicht enteignet

„Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten“, sagte Draghi neulich in Frankfurt. Die Zeiten des leistungslosen Zinseinkommens für wohlhabende Sparer sind endgültig vorbei.

Risikolose Zinsen sind ein bedingungsloses Grundeinkommen für Reiche. Meiner Meinung nach sollte niemand ein Einkommen bekommen, das ohne ein unternehmerisches Wagniss einzugehen, quasi leistungslos, entsteht. Mario Draghi hat selbstverständlich recht, wenn er sagt, dass niemand an sein „heiliges Sparbuch“ gebunden ist. Wer wieder Zinsen möchte, muss sich beteiligen statt zu verleihen, anlegen statt stilllegen und investieren statt spekulieren. Die Zinslosigkeit stellt eine neue Normalität dar. Der Sparer wird nicht enteignet; wie ich gleich zeigen werde, gibt es durchaus noch gute Möglichkeiten, Kapitalerträge zu bekommen.

Nehmen wir einen klassischen Sparer aus der Mittelschicht, der 100.000 Euro zu 0,01% auf dem Sparbuch hat. Bleibt das Zinsniveau, um es in Draghis Worten zu sagen, für eine „extended period“ auf dem aktuellen Niveau, dann wird der Sparer in 7 Jahren ziemlich genau 70 Euro Zinsen erhalten haben. Nähme man stattdessen z.B. eine Stufenzinsanleihe (von der gleichen Bank wie das Sparbuch), dann bekäme man in sieben Jahren zirka 3.500 Euro. Bei einem bunten Strauß aus qualitativen Unternehmensanleihen (Daimler, Telekom, Post usw…) könnten es auch über 6.000 sein. Oder wie wärs mit „Aktien mit Risikopuffer“. Das sind Anlagen, mit denen man um die 3,5% vedienen kann, solange der Aktienmarkt nicht mehr als z.B. 50% einbricht: Es winken 24.500 Erträge! Für die ganz vorsichtigen gibt es natürlich auch offene Immobilienfonds. Hier kann man zirka 2% p.a. erwarten. Bei 3% Anfangskosten bleiben nach 7 Jahren immerhin 11.000 Euro Ertrag. Ich könnte stundenlang so weiter machen. Wichtig dabei ist, dass man nicht alles auf eine Karte setzt; selbst die hier vorgestellten risikoarmen Lösungen sollte man miteinander mischen. Die 70 Euro dieses beispielhaften Sparers sind NICHT alternativlos. Zum Thema Risiko: Bei einem Weltuntergang ist auch das Sparbuch weg!

Damit Sparer wieder Zinsen bekommen, müssen sie sich mit ihrem Geld beschäftigen. Leistungsloses Einkommen, ganz ohne Investition oder Arbeit, gibt es nicht mehr. Ein weiterer Punkt ist die Verfügbarkeit: Viele Sparer legen ihr Geld so an, dass sie es jederzeit in Bargeld konvertieren können. Braucht man wirklich 100.000 flüssig ? Und warum denken ältere Menschen immer, sie könnten nicht mehr mittel- bis langfristig anlegen? Wer hat denn eigentlich diese dämliche Regel erfunden, dass jede Geldanlage am Todestag liquide sein muss? Depots können, wie Immobilien, vererbt werden. Große Vermögen mit allen dazugehörigen Wertpapieren, Immobilien und Beteiligungen werden nach dem Tod einfach auf die nächste Generation übertragen. Niemand ist zu alt für Rendite. In der neuen Zinswelt gibt es noch immer Kapitalerträge, aber wie es Mario Draghi schon sagte: Die Sparer müssen sich um ihr Geld kümmern.

Dass die Sparer enteignet werden, halte ich für eine rechtspopulistische Verschwörungstheorie. Wenn man Reichen ihr leistungsloses Einkommen wegnimmt und dafür sorgt, dass sie sich an der Wirklichkeit beteiligen, dann ist das keine Enteignung.

zum weiterlesen:


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Bitte beachtet die Richtlinien für KommentareMail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de.

liebe Grüße, eure Jenny, @_JennyGER_

16 Antworten zu “Mythos Nullzins: Der Sparer wird nicht enteignet

  1. …als ob die Reichen dieser Welt ihr Vermögen jemals auf dem Sparbuch gehabt hätten? Blödsinn. Vielmehr ist es die Mittelschicht, die ihre paar Kröten in einer Form investiert haben, die sie auch verstanden haben. Wo sie 15 Jahre gespart haben, um das Eigenkapital für Ihr Reihenhaus zusammenzubekommen.
    Hand aufs Herz, wieviele Anleger, verstehen schon wirklich wie ein Aktienfond funktionierte? Wie unabhängig ist dieser, wenn die emittierende Bank Eigenhandel betreibt und die Wertpapierabteilung im Nachbarraum ihre Geschäfte tätigt?
    Klar, aktuell bekommst du deine AnlageTipps bereits vom Taxifahrer – und schon wieder routiert der alte Kostolani im Grab.
    Natürlich enteignet draghi die Sparer, z.b. Diejenigen Trottelchen, die langfristige Kapitallebensversicherungen abgeschlossen haben und die jetzt feststellen, dass die erwartete Auszahlung nur noch Makulatur ist. Und behauptest du jetzt ohne rosa zu werden, dass die Reichen ihr Geld in Lebensversicherungen investiert haben?

    • Ich spreche im kompletten Posting weder über Aktienfonds noch über Versicherungen. Das im Kommentar erwähnte Thema Beratungsqualität sehe ich auch sehr wichtig an. Die Anlageempfehlung muss angemessen und geeignet sein.

      lg

  2. Ok…du sprichst über offene immobilienfonds: zwischen 2008 und 2010 mußten doch sehr viele schließen und haben mangels Liquidität keine Anteile mehr zurückgekauft. Ist doch noch gar nicht solange her. Ich habe mich eigentlich nie für diese Fonds interessiert. Mir ist aber in Erinnerung, dass bei vielen dieser Fonds der Verkehrswert bedeutend geringer als der Buchwert war und teilweise abenteuerlich hohe Vertriebs-/Verwaltungskosten anfielen.
    Auch Aktien erwähnst du…diese Idee ist nicht neu: es wurde früher dem kleinen Mann/Frau von seriösen Anlageberatern immer die Witwen- und Waisenpapiere als Alternative empfohlen. Du bist ja sicherlich jünger als ich. Weißt du welche „risikolosen“ Aktien gemeint waren?

    Auch Deutsche Bank bei Kursen um 80 wurden gern als Altersicherung gekauft.
    Gruß Norbert

  3. Ich bin im Immobilienbereich mit kompletten Objekten in einer zentralen Großstadt investiert. Die Preise steigen seit etwa 8 Jahren mit durchschnittlich 5-7% p.a. Wenn ich die bei mir die Zinsreduzierung von 6% auf 1% oder weniger bei entsprechender Bonität herausrechne gibt es fast keinen Wertzuwachs. Mit anderen Worten, wenn die Zinsen heute wieder bei 6% stehen würden gäbe es keinen Wertzuwachs. Auch anders ausgedrückt, nur die gesunkenen Zinsen haben die Werte der Geschossflächenbauten nach oben gehoben. Ein Situation die durchaus sich wieder umdrehen könnte, nicht morgen oder übermorgen, aber duch irgendein externes Ereigniss.

  4. Bernd Engelking

    Die Leute sollen (mehr) zocken. Klar, die Oma von nebenan soll mal gerade die Anlagemöglichkeiten checken.
    Dummerweise wollen die Menschen das aber nicht. Der Punkt ist, dass sie dazu gezwungen werden sollen. Sie sollen mehr ins Risiko gehen, da die Oberen nur so an die Spargelder dran kommen. Die Leute gehen einfach nur arbeiten und verdienen mehr Geld, als sie ausgeben und das soll nicht so sein. Da ist offensichtlich noch ziemlich viel auszubeuten.
    Leider ist es so, dass wenn man sich ausgerechnet, dass die Kohle so und so lange reicht und man den Eindruck gewinnt, dass möglicherweise einiges schief läuft (da fällt einem ja gerade i.M einiges ein), dann will man sie einfach nicht aufs Spiel setzen.
    Weniger als 10% sind im Aktienmarkt direkt aktiv, nicht ohne Grund. Warum versetzt man sich nicht in die Lage der einfachen Menschen und kommt immer wieder mit solchen unrealistischen Vorschlägen? Aber die einfachen Menschen, also die große Mehrheit, kann hier wohl auch nicht gemeint sein.
    Aber dann soll man auch sagen, das man sich an die Privilegierten richtet.
    Was früher richtig war, ist heute falsch geworden, z.B. jemandem vertrauen. Es sind aber immer noch dieselben Menschen und die sollen heute alles beurteilen können, wo sie möglicherweise abgezockt werden könnten, nicht nur bei der Bank. Die Menschen werden flächendeckend und länderübergreifend belogen und betrogen. Ist da mehr Risiko wirklich angebracht?
    Das ist die Verschwörung und da das belegbar ist (z.B. bei Riester, Bankenrettung, Privatisierung, erneuerbare Energien, und und und), dann soll man mich halt als rechts bezeichnen und sich damit selbst als ehrenwert erheben.

  5. Na, da bin ich über Deine Ansicht doch etwas irritiert. Wie viele Bundesbürger haben mal locker 100.000 auf der Kante? Von woher bekommst Du qualifizierte Beratung? Ich verstehe nicht, weshalb Du das Teufelszeug (Immobilienfonds/Zertifikate) als normale Investments darstellst? Hierfür ist eben der Normalsparer überfordert!
    Einzig bei den Aktien (Sachvermögen) stimme ich Dir zu. Allerdings ist dieses Engagement auch mit Arbeit/Lernen verbunden. Es ist eben nicht so, dass man einfach mal Aktien kauft. Die Kurse gehen rauf/runter und diese Tatsache macht eben etwas mit dir. Und hier ist richtiges Handeln – bedingt durch Wissen und Erfahrung – gefragt. Und da hilft auch kein „guter Berater“, dessen Geld nicht im Feuer ist.
    Wir selbst müssen die Verantwortung für unser Geld tragen und das hätte ich gerne klarer aus Deinem Artikel herausgelesen.

  6. Es ist richtig, daß es kein „Grundrecht“ auf eine möglichst einfache und risikolose Kapitalanlage / Altersvorsorge gibt, genausowenig gibt es das für eine Mindestverzinsung. Allerdings ist der vorgeblich zur EU-Rettung praktizierte Sozialismus nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Einklang zu bringen. Auch mit Marktwirtschaft hat das rein gar nichts zu tun.
    Noch etwas mehr störe ich mich allerdings am Begriff des „Leistungslosen Einkommens“: Zinsen auf Kapital sollen also dazugehören, Mieteinkünfte vermutlich auch – denn das Kapital ist ja nunmal schon da und die vermietete Immobilie auch. Woher bitte schön soll denn das Kapital kommen, wenn nicht aus „Leistung“? Ist es etwa vom Himmel gefallen?
    Zu den zentralen Merkmalen der Marktwirtschaft gehört, daß Kapital ein Engpassfaktor ist. Und der hat seinen Preis. Das Gegenteil ist Sozialismus – da druckt man eben das Geld nach Bedarf. Aber da kommt eben auch der „Strom aus der Steckdose“. Daß das nicht der Lebenswirklichkeit entspricht, wurde in den letzten 25 Jahren vergessen. An den Fakten hat das allerdings nichts geändert.

  7. Ich könnte jetzt, sogar zur Unzeit ausserhalb der Geschäftszeiten, „meinen Bankberater“ aufstöbern. Und ganz sicher hat der draghische Angebote für mich persönlich bereits zum Ausdrucken vorbereitet. Eine kluge Aktion jedenfalls wäre das nicht!
    Aus dem mir von meinen mir es gut meinenden Eltern eingetrichterten Willen zu sparen, also für eventuelle finanzielle Schieflagen vorzusorgen, ist Ratlosigkeit geworden.
    Groteskerweise scheint mir aus heutiger Sicht der bessere Weg gewesen zu sein alles sofort zu verfrühstücken und ausgiebig mich an Sozialsozialem unselig, also nehmend, gütlich zu tun.
    Das alte Sptichwort muss umformuliert werden:
    „Spare in der Not, da hast du Zeit dazu!“

    Sollte bei meinem Ableben noch was Nennenswertes übrig bleiben für meine Nachkommen, dann kommen die Beamten im Auftrag des Gesetzgebers und holen sich von mehrfach Besteuertem ex perpetuis mobilis wieder Steuern.
    Sogar ein grob undankbares Kind kann ich enterben, aber grob undankbare Machthaber kann ich nicht wirksam testamentarisch ausschliessen.
    Genau das blendet der Artikel gezielt aus und verdreht es ins Gegenteil.

    Politikereinkommen ist auch weitgehend leistungslos, besonders in der üppigen Rente derselben. Mehr noch: Diese Kaste gibt Gesetze um anderen zu nehmen, aber mißt sich selbst zuallererst Automatismus an hinsichtlich der Erhöhung der eigenen Bezüge. Wegnehmen ist immer solange schön, wie es nur nicht bei sich selber ansetzt. Ich halte das für linkspopulistische Verschwörungspraxis.

  8. Logo ist das keine Enteignung im Sinne des Begriffes.
    Die Politik der EZB fördert die Ausweitung der Geldmenge bei deutlich
    weniger Wachstum des Ertrages aus der Realwirtschaftlichen Tätigkeit.
    Hier wirkt ein nicht aushebelbarer Marktmechanismus.Der Realtauschwert
    des Geldes sinkt.( Anmerkung:Kapital ist angesammeltes Geld.)
    Es gibt zu viele die glauben man könne mit welchen Ideen und Massnahmen, Naturgesezlich gegebene Mechanismen=Marktmechanismen aushebeln.
    Geldmenge ausweiten und gleichzeitig den Realwert erhalten ist ein nicht aushebelbarer Wiederspruch.
    Genau das gleiche gilt für den Versuch mit der Ausweitung der Geldmenge,
    die Realwirtschaft= Ergebnis wieder ins Lot zu fahren. Ein Irrtum der Politik
    und wie es scheint auch der EZB.
    Sicher so Massnahmen wirken,jedoch nicht aushebelbar NUR auf Zeit.
    Leider zu viele WOLLEN und können es offenbar nicht schnallen.

  9. Liebe Jenny,
    Kann ein Sparer wirklich sein Geld vermehren bei Nullzinsen?
    Ich denke nein! Denn wenn er deine Vorschläge umsetzt, ist er kein Sparer mehr sondern etwas anderes wie z. B. ein Spekulant, Unternehmer, Investor oder ein sonstwie Kapitalgeber.
    Da bei Null Zinsen die Inflation das Kapital im Wert reduziert wird, wird ein Sparer eben doch enteignet. Durch Deflation wird das Ersparte nicht mehr wert auch wenn es allen eingeredet werden soll.
    Deine Schlussfolgerungen sind aus diesen Gründen einfach falsch.

  10. Sven von Känel

    Hallo!
    Das ist schon eine sehr optimistische Sicht 🙂 Es ist sicher richtig, das man mit flüssigem Geld und eigener Mühe ein hoffentlich besseres Ergebnis erzielen kann (genau weiß man es halt erst, wenn der Anlagezeitraum vorbei ist).
    Ansonsten gibts noch die vielen Irren (wie mich), die vor vielen Jahren in Lebens- und Rentenversicherungen investiert haben. Offensichtlich ist deren Management entweder nicht in der Lage – oder darf es schlicht nicht – einige Deiner Empfehlungen umzusetzen. Anders lassen sich die jährlich sinkenden Prognosen kaum interpretieren. Und hier tritt sehr Wohl ein Verlust in erheblicher Höhe auf, den man auch durch Kündigung schwer umgehen kann.
    Dito haben private Krankenversicherungen die Eigenschaft, personengebundene Rücklagen anzulegen, die dann leider mangels Verzinsung im Alter wesentlich weniger Wert sind. Bin schon jetzt depressiv, wenn ich an meine zukünftigen KV Beiträge denke 😉 Prinzipiell trifft es eigentlich alles, was nicht umlagefinanziert ist, also Betriebsrenten, Pensionsfonds etc.
    Trotzdem danke für Deinen Optimismus und Tipps.

  11. Jemand der seit 42 Jahren in diesem Geschäft arbeitet: Absoluter Schwachsinn. Entschuldigung.
    Freundliche Grüße
    Udo Mestner

  12. Pingback: Im Check: Friedrich & Weik Wertefonds | Pinksliberal

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s