Warum Banken fast immer zu wenig Eigenkapital haben

Seit über 8 Jahren rettet der Steuerzahler nun schon Banken und ein Ende ist nicht in Sicht. Es liegt in der Natur der Sache, dass Banken fast immer mit sehr wenig Eigenkapital unterwegs sind.

Eigenkapital bei Banken,  das sind die Anteile der Eigentümer zzgl. Rücklagen. Das Eigenkapital darf eine definierte Größe in Relation zur Bilanzsumme (= Eigenkapital plus Kreditvergaben) nicht unterschreiten. Vergibt eine Bank 100€ Kredite, dann benötigt sie beispielsweise 10€ Eigenkapital. Möchte sie nun aber 150€ Kredit ausleihen, dann braucht sie 15€ Eigenkapital. Die Relation bleibt immer gleich. Für eine Ausweitung der Kreditvergabe, benötigen Banken mehr Eigenkapital.

Möchte eine Bank nun ihre Ausleihungen jährlich um 3% steigern, dann muss sie ihr Eigenkapital ebenso um 3% p.a. anschwellen lassen. Zuführungen zum Eigenkapital kommen klassischerweise aus dem Jahresüberschuss. Hier entsteht das Problem, dass auch die Anteilseigner gerne etwas vom Gewinnkuchen abhaben möchte. Deshalb haben die italienischen Banken brav ihre Gewinne ausgeschüttet und das Eigenkapital auf einem Minimum belassen.

Weil die Ausleihungen in Italien nicht so sehr stiegen, wie man dachte, bestand hierin auch eigentlich kein Problem. Doch es kam anders: Viele bestehende Kredite wurden faul. Wird ein Kredit ausfallgefährdet, dann muss er abgeschrieben werden. Abschreibungen laufen 1 zu 1 in die Gewinn- und Verlustrechnung, sie schmälern also das ohnehin schon minimale Eigenkapital. Damit italienische Banken wieder neue Kredite vergeben können, was für ein Wirtschaftswachstum unabdingbar ist, bräuchten sie frisches Kapital, wobei wir wieder den Steuerzahler auf dem Schirm haben.

Banken fahren gerne mit minimalem Eigenkapital, denn so bleibt für die Anteilseigner mehr Rendite. Logisch: Der Gewinn muss dann weniger Mäuler stopfen. Ein Lösungsweg wäre die Politik der deutschen Sparkassen. Entgegen der Erwartung manch eines Bürgermeisters, wollen sie ihre Gewinne nicht ausschütten, sondern fast komplett dem Eigenkapital zuführen. Somit kann die wachsende Kreditnachfrage von Häuslebauern und Mittelstand zuverlässig bedient werden. Aber auch hier gilt: Erhöht die Sparkasse ihr Eigenkapital nur in der Höhe, wie die Kreditvergabe wächst, dann bleibt die Eigenkapitalquote gleich.

Das Problem der klammen Banken wird uns noch sehr lange beschäftigen, denn nicht alle Ausleihungen müssen mit gleichviel Kapital unterlegt werden. Vergibt eine Bank einen Kredit an einen Privatmann, benötigt sie beispielsweise 10% Eigenkapital; vergibt sie den Kredit an einen AAA-Staat, dann sind es z.B. nur 2%. Ich weiß nicht ob die Zahlen stimmen, aber die Relation könnte passen. Durch strengere EK-Vorschriften (Basel2, Basel3 usw…) werden die Kapitaldecken der Banken immer wieder von regulatorischer Seite her nach unten korrigiert.

Sorry für dieses etwas fachliche Posting. Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen erklären, was das aktuelle Problem der italienischen Banken ist.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Bitte beachtet die Richtlinien für KommentareMail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de.

liebe Grüße, eure Jenny, @_JennyGER_

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3 Antworten zu “Warum Banken fast immer zu wenig Eigenkapital haben

  1. Ein gewisser Henry Ford soll einst geäußert haben: „Eigentlich ist es gut, daß die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“

    Moderne Geldmechanismen (Modern Money Mechanics)

    Material zum Herunterladen (*.pdf):

    Modern Money Mechanics (Federal Reserve Bank of Chicago, USA 1961-1992)
    https://tinyurl.com/z76pcgp
    Credit River Case (First National Bank of Montgomery vs. Jerome Daly, USA 1968/69)
    https://tinyurl.com/j772352
    Geld aus dem Nichts (Raiffeisenbank Wildenberg eG/VR-Bank Landau, BRD 2013)
    https://tinyurl.com/zokksn8
    Deutsche Bundesbank (Geld und Geldpolitik, BRD 2014)
    https://tinyurl.com/z64cbcu (auszugsweise)
    https://tinyurl.com/jlpm4mc (komplett)

  2. Einwandfrei richtig und logisch erklärt.
    Tja wo liegt das Kernproblem.
    Inzwischen tendieren die Gewinne gegen null, ausreichnde Eigenkapitablidung ist nicht mehr möglich.Genauer durch Realwirtschftich
    erwirtschaftete Kapitalbildung.Da wirkt längst eine ganze Reihe von Logowirkungen.(Sehr lange Liste) Inzwischen ist das Brottovolumen von
    Ausfalrisiko und solide möglicher Kapitalbildung,irre aus dem Gleichgewicht,schlicht nicht mehr verfügbar,,,Ausweg,, Geldpumpe bis zum geht nicht mehr. Kernursache die Bruttogeldmenge im Verhälnis zum Realwirtschaftsergebnis ist ins Gigantische gewachsen.Stagnierendes resp.
    Rückläufiges Realwirtschaftsergebnis, gegen rasende Ausweitung der Geldmenge, grins, kann und wird NICHT schlüssig aufgehen.
    Das gehörte mal zur Grundbildung der Ökonomen.
    Innzwischen haben längst die Konjunkturkurbel- Ökonomen das Feld besetzt. Klartext mit immer mehr Geld= Kredit NICHT Real erwirtschaftem,
    Kapital= Geld, Wohlstand und Wachstum ,,generieren,,.
    Sicher in bald Spuren sind solide argumentierende Ökonomen noch
    auszumachen. Die total erdrückende Mehrheit schwadroniert nur noch von absolut nicht mehr schlüssigen Rezepten schlicht Mist.
    Soooo lange werden uns die Banken nicht mehr beschäftigen, Lacher, oder wir wollen uns mit Zusammenggeklappten Kartenhäusern beschäftigen. Nur noch 2 Szenarien möglich.
    Die Banken melden in Massen Insolvenz an.
    Oder die Kunden stürmen die leeren Banken.
    So oder so da liegt Megachaos immer deutlicher auf dem Programm.
    Endergebnis na ja lasse das mal.
    Die Sonne geniessen solange die noch scheint.
    Logo die am Firmamament wird mit Sicherheit noch lange Wärmen.
    Zum Abschluss ein Zitat von A. Einstein.
    Grenzenlos ist nur das Universum und die Dummheit der Menschen.
    Freundliche Grüsse

  3. Hienweis:
    DMN
    Ein Artikel der zum Thema passt.
    Italiens Banken müssen sich aus eigener Kraft retten.
    Na dann mal ran an die Sache liebes Italien.
    Da ist dann mal ein happiger Kraftakt notwendig.

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