Rentenpolitik: Zurück zu Bismarck?

„Setzt das Rentenalter auf 99 hoch und ersetzt die Altesrente durch eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Jeder arbeitet dann so lang wie er kann.“ Diese Idee hatte ich getwittert und es kam ein relativ großes Echo. Die Idee ist nicht von mir, sondern von Otto von Bismarck.

otto_von_bismarck

Bismarck gilt als Erfinder der heutigen gesetzlichen Rentenversicherung. Doch das ist er nicht. Das heutige umlagefinanzierte System existiert erst seit 1957. Die unter Reichskanzler Bismarck im Jahr 1891 eingeführte erste Rentenversicherung war eine kapitalgedeckte Rente. Sie leistete bei Alter, Invalidität und beinhaltete eine Hinterbliebenenrente. Wegen des ersten Weltkriegs stiegen die Ausgaben so sehr, dass das System kollabierte. Die Hyperinflation der Weimarer Republik gab der Bismarck-Rente den Dolchstoß.

Die Finanzierung der Bismarck-Rente war höchst interessant. Die Beiträge wurden zu je einem Drittel von Arbeitnehmer, Arbeitgeber und dem Staat bezahlt. Das Rentenalter lag bei 70 Jahren – und das bei der damals geringeren Lebenserwartung. Das System wurde 1891 eingeführt, nur 27 Jahre später war der erste Weltkrieg beendet. Alle ab 1948 geborenen waren über 70. Das junge System konnte diesem Andrang an Leistungsempfängern nicht standhalten, weil der Anteil an Steuerfinanzierung aus dem Reichshaushalt kriegsbedingt immer höher wurde. Ab 1938 flossen die restlichen Summen der Rentenkasse in Kriegsvorbereitungen für den nächsten Krieg.

Weil das damalige System nie die notwendige Kapitaldecke aufbauen konnte, war die Rentenversicherung quasi schon damals umlagefinanziert. Gescheitert war also nicht nur die Kapitaldeckung, sondern auch die Umlagefinanzierung. Bei Hyperinflation und Weltkrieg würde wahrscheinlich auch das heutige System zusammenbrechen. Doch heute kann man einen Kapitalstock auch global über mehrere Assetklassen und Währungen streuen, was damals noch nicht funktionierte.

Zurück zu Bismarck wäre vielleicht keine schlechte Idee. Das Rentenalter würde utopisch hochgesetzt und durch eine Erwerbsunfähigkeitsrente ersetzt. Dann arbeiten alle so lange, wie sie können. Wer früher gehen will, finanziert das selbst über einen Kapitalstock. Dieser darf natürlich nicht aus Staatsanleihen (damals: Kriegsanleihen) bestehen, sondern sollte global über viele verschiedene Anlageklassen diversifiziert sein. In der heutigen Zeit sind Hyperinflation und Weltkriege unwahrscheinlich. Ohne diese beiden Faktoren ist das alte System wahrscheinlich das bessere.

Der wichtigste Faktor für die Sicherheit der Rente ist ein größtmöglicher Schutz vor plündernden Politikern. Eine kapitalgedeckte Rente sollte vor dem Zugriff des Staates geschützt sein. Auch darf der Kapitalstock nicht zum Spielball von verrückten Notenbankern werden. Erst wenn diese beiden Personenkreise von einer echten Demokratie entmachtet sind, kann eine sozial gerechte Alterssicherung aufgebaut werden.

Zum weiter lesen: Das große Dossier zur Altersvorsorge – Von Riester bis zur Streuobstwiese


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liebe Grüße, eure Jenny, @_JennyGER_

3 Antworten zu “Rentenpolitik: Zurück zu Bismarck?

  1. Grundsätzlich kann man da lang und breit zum
    Thema Altersvorsorge debatieren.
    Letztlich muss immer die nachvolgende Geneartion/en,
    die Altersvorsorge real erwirtschaften.
    Ergo gibt es nur einen Grundsatzweg,den Erhalt, die Vörderung
    einer hoch produktieven soliden Volkswirtschaft.
    Das jeweils angewandte Modell ist da sekundär.
    Das Umlageverfahren ist mit Sicherheit das einfachste
    und effizienteste, ergänzt durch individulle Kapitalbildung.
    Lezteres ist letztlich genau so sicher oder unsicher, entsprechend
    dem was der Kapitalmarkt solide hergibt.
    Das Kernproblem ist weder die Überalterung noch sonst irgendwelche
    zum teil diffus aus der Luft gegriffene und diffus zusammengebastelten
    Argumente sondern, der schleichende Niedergang der Pro- Kopf
    Produktivität in der grossen Breite, in der Gesamtbillanz der
    Volkswirtschaften.Mit einer steigenden Masse an Menschen die immer
    weniger real produktiev leben müssen, sind die Aufwendungen für
    die Altersvorsorge schlicht nicht erwirtschaftbar.
    Auch eine Kapitalbasierte Altersvorsorge MUSS unabwendbar ganz
    real erwirtschaftet werden.
    Gelegentlich ist es ganz erheblich ,,Schokierend,, wie unterentwickelt,
    der solide Ökonomische Sachverstand breitester Kreise ist, bis hinauf
    in den Kreis der sog. Eliten und sog. Experten.
    Das mit der Betriebswirtschaft passt ja noch so knapp in die ,,Spatzenhirne,,. Im Bereich Nationalökonomie wird das schon bedenklich
    eng. Im Bereich Globalökonomie ist dann der Ofen sehr schnell aus.

  2. Nochmals: Volle Zustimmung !

  3. Es gibt kein Rentenproblem, es gibt nur ein Systemproblem !

    System und Zinssystem weg Problem weg.

    Wer Schaft Geld aus dem nichts und sagt alle Völker der Welt mit Zinsen aus ?
    Fragt doch mal Mutti an wen Sie fleißig unser Geld verschleudert (Zinszahlungen),
    ach ja die arbeiten ja für die „Elite“ Parasiten.

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