Offene Immobilienfonds: Das neue Liquiditätsproblem

In Zeiten des Nullzinses suchen Anlegende immer aggressiver nach Alternativen. Es reichen schon wenige Basispunkte an Rendite und eine gewisse Illusion von Sicherheit: Schon stürmen die Anlegenden das Finanzprodukt.

Wenn viele Investierende ihr Geld gleichzeitig aus Immobilienfonds abziehen, kann das im Fonds zu Problemen führen, weil die Objekte nicht so schnell verkauft werden können, wie das Geld benötigt wird. Deshalb mussten einige sog. offene Immobilienfonds im Zuge der Finanzkrise schließen und Fondsrückgaben verweigern. Inzwischen hat sich das Blatt ins Gegenteil gedreht: Anlegende stürmen mit ihrer Liquidität die Fonds, doch diese können das viele Kapital nicht mehr rentabel anlegen. Einige Fondshäuser haben ihre Fonds schon geschlossen – für Neuanlagen. Anlegende können dann zwar noch Anteile zurückgeben, aber nur noch bedingt welche kaufen.

Für den Vertrieb ist das natürlich bitter. Die Kunden schreien nach einem Produkt, und die Verkäufer können es nicht anbieten. Die Anbieter gehen mit einem Renditeversprechen von zirka 2% an den Markt, wobei die Kunden dann auch einmalige Kosten in Höhe von 3%, manchmal sogar 5%, akzeptieren. Je mehr Geld eine Fondsgesellschaft in den Fonds nimmt, desto niedriger wird die Rendite aller Anteilinhabenden sein. Inzwischen haben einige Fonds eine Liquiditätsquote von 20% bis 35%. Dieses Geld innerhalb des Fonds ist nicht in Immobilien investiert. Damit die Rendite nicht zu sehr abschmilzt, müssen die Fondsmanagenden auch (über)teuerte Objekte kaufen. Dies heitzt den Markt weiter an.

Die Tatsache dass gierige Privatanlegende blind in einen Markt investieren, die Tatsache, dass viele Fonds das Geld der Kunden nicht mehr annehmen können und das derzeitige Preisniveau sind für mich drei wichtige Warnsignale. Eingedenk dessen stört mich bei diesen Produkten, dass man sie nicht börsentäglich an die Fondsgesellschaft zurückgeben kann. Man muss nach 24 monatiger Haltedauer auf 12 Monate kündigen. Ich muss also 1 Jahr vorher wissen, ob und dass ich das Geld möchte. Die Kündigung ist dann unwiderruflich: Einmal gekündigt, muss ich die Anteile dann in 12 Monaten zurückgeben – zum dann gültigen Preis.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog. Bitte beachtet die Richtlinien für KommentareMail: JennyGERmail-blog (at) yahoo.de.

liebe Grüße, eure Jenny, @_JennyGER_

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5 Antworten zu “Offene Immobilienfonds: Das neue Liquiditätsproblem

  1. Also, ich weiß nicht, ob Anleger in offene Immobilien-Fonds „gierig“ bzw. „aggressiv“ sind. Wer gierig ist, sucht sich in der Regel aggressivere Fonds als ein Produkt, dessen Rendite irgendwo um die Inflationsrate herum mäandert. Verzweifelt auf der Suche nach Werterhalt trifft es wohl eher.
    Markus ( https://der-5-minuten-blog.de )

  2. Pingback: Schlagzeilen des Tages vom 25. Februar 2017 › Opposition 24

  3. Der echte Gierling wird eher auf steigende Volatilität und / oder einen sehr deutlich fallenden S&P500 ohne Laufzeitbegrenzung wetten. Die Anstiege der Aktien scheinen von Automaten generiert zu werden. Solange es nur aufwärts geht, kein Problem, beide Zockermaschinen „gewinnen“. Aber nur fiktiv, denn wirklich gewännen sie nur, wenn sie Kasse machten und mit dem Ertrag auf bessere Zeiten warteten. Das Kasse machen führt wegen der relativ geringen eingesetzten Liquidität und gewaltigen Hebel aber recht schnell zum Crash. Sollte aber Sand ins Getriebe kommen, was unter Trump als mehr als wahrscheinlich gelten kann, könnte es senkrecht abwärts gehen. Dann aber in allen Asset-Klassen. Wir haben es mit der Mutter aller Blasen zu tun. Sie wird platzen, nur niemand weiß, wann.

    Immobilienfonds wurden den Sparern seit Jahren regelrecht aufgeschwatzt. Was einem aufgeschwatzt werden soll, kauft man nicht.

    Seit den hemmungslosen Zins- und Wechselkursmanipulationen durch die Zentralbanken herrscht kein „Anlagenotstand“, sondern Chaos. Die Mehrheit, nämlich 90% der Bevölkerung, haben nämlich kein Geld zum „Anlegen“. Wenn die, die genug zum „Anlegen“ hatten, die Hälfte verlieren, ist das völlig in Ordnung. Es träfe die „reichsten“ 10% und die besitzen zur Zeit zwischen 60% und 70% allen Vermögens. Selbst mit der Hälfte wären sie noch überdurchschnittlich wohlhabend.

    • Stefan K.

      Ich lese in dem Kommentar von Adamas Vorurteile über Vorurteile. Es gibt sehr wohl den kleinen Mann, der versucht aus seinem Geld ein wenig mehr zu machen. Darüber hinaus gibt es auch Personenkreise, die durch ehrliche Arbeit und Sparsamkeit (Verzicht) im Verlauf ihres Lebens nun mal etwas mehr Geld auf der Kante haben.
      Es wäre geschickter, wenn endlich eine neidlose und für alle “Sparer“ vernünftige Finanzpolitik betrieben würde.

  4. „Wenn viele Investierende … abziehen“ – das PPA klingt hier nicht nur sehr seltsam, sondern ist auch logisch nicht ganz richtig. Bevor man sein Geld wieder abziehen kann, muß man erst einmal investiert sein, d.h. die Investitionshandlung sollte bereits abgeschlossen sein (Perfekt). Wenn man schon eine dieser unsäglichen Partizipkonstruktionen verwenden will, dann lieber das PPP („investierte“). Inhaltlich kann ich dem Artikel nur zustimmen.

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