Schlagwort-Archive: Bankenunion

Der politische Preis der Deutschen Bank

Der politische Preis einer staatlichen Rettung der Deutschen Bank wäre sehr hoch. Jahrelang hat die Merkelregierung in der EU darauf gepocht, die Haftung der Steuerzahler zu reduzieren und Eigentümer sowie Gläubiger der Banken an ihre Stelle zu setzen.

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Seit dem 1. Januar 2016 ist der SRM in Kraft, wobei eine Staatsrettung zwar schnell und unkompliziert (siehe gestriges Posting) stattfinden kann, der Staat aber nur helfen darf, wenn Eigentümer und Gläubiger ebenfalls haften. Im Fall der italienischen Krisenbanken pochten die Merkelisten in altbekannter Gutsherrenart auf Einhaltung der neuen Regeln. „Italien muss EU-Bankenregeln anwenden“, titelt noch im Juli 2016 das Handelsblatt und zitiert dabei Wolfgang Schäuble. Wenn die Deutsche Bank gerettet werden muss, dann nur mit den neuen, strengen Regeln. Andernfalls könnte das viele Politiker/innen den politischen Kopf kosten.

Eine staatliche Rettung der Deutschen Bank brächte aber auch altbekannte Kopfe ins Spiel, die schon seit Jahren mit Zivilcourage, Mut und intellektueller Aufrichtigkeit die Rettungspolitik kritisieren. „Nicht mit unserem Geld“, fordert beispielsweise seit Jahren Frank Schäffler. Oder ist eine Rettung ausgeschlossen, weil wir Merkel wörtlich nehmen können? Diese sagte im Jahr 2014 auf dem G20-Gipfel in Australien: „Das heißt, es wird nie wieder notwendig sein, dass Steuerzahler dafür eintreten müssen, dass, wenn große Banken zusammenbrechen, sie dann praktisch ein erpresserisches Potenzial entwickeln und Steuerzahler diese Banken retten müssen.“ (SpOn berichtete).


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Wenn die Kuh nicht vom Eis wäre: Rettung der Deutschen Bank übers Wochenende

Die Strafzahlung für die Deutsche Bank in den USA soll angeblich deutlich auf 5,4 Mrd. Dollar reduziert werden. Die Aktie der Deutschen Bank legte im Tagesverlauf sprunghaft zu und konnte in der Spitze um 18 Prozent auf mehr als 11,70 Euro zulegen. Die Kuh ist also zunächst vom Eis. Wie hätte es im Worst Case ausgehen können?

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Seit 1. Januar 2016, gelten die gemeinsamen Regeln zur Sanierung und Schließung von Banken («Single Resolution Mechanism»/SRM).Das Abwicklungsgremium ist eine Agentur innerhalb des SRM und besitzt eine eigene Rechtspersönlichkeit. Entschließt sich das SRB, ein Institut abzuwickeln, können Europäische Kommission und Rat der Europäischen Union das Konzept binnen 24 Stunden ablehnen (Quelle: Bundesbank). Der neue Banken-Abwicklungsfonds ist die zweite Säule der Bankenunion.

Wikipedia schreibt:  Die Abwicklung soll innerhalb von 24 Stunden eingeleitet werden, wenn EU-Kommission und Mitgliedsländer keinen Einspruch erheben.

Die FAZ schrieb ziemlich konkret: „Der Fonds soll schnell einspringen, um Problembanken über ein Wochenende hinweg abzuwickeln.“  Der SRM-Fonds soll bis 2024 einen Umfang von 55 Milliarden Euro haben. In der Finanzkrise hatten die EU-Länder insgesamt 1,6 Billionen Euro in marode Geldhäuser gesteckt. Das Geld könnte also maximal für eine Wochenendaktion reichen.

Die Situation um die Deutsche Bank ist nun erstmal entspannt. Trotzdem muss man sehen, dass es inzwischen effiziente Regeln, Behörden und Mechanismen gibt, die in solchen Fällen eingreifen können und werden. Schaut man nach z.B. Italien dann sieht man zahlreiche Krisenbanken. Wer wissen will, warum die Banken nun wieder wackeln, kann das hier nachlesen. Und warum die EZB nicht alleine daran schuld ist, steht hier.


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Warum Banken fast immer zu wenig Eigenkapital haben

Seit über 8 Jahren rettet der Steuerzahler nun schon Banken und ein Ende ist nicht in Sicht. Es liegt in der Natur der Sache, dass Banken fast immer mit sehr wenig Eigenkapital unterwegs sind.

Eigenkapital bei Banken,  das sind die Anteile der Eigentümer zzgl. Rücklagen. Das Eigenkapital darf eine definierte Größe in Relation zur Bilanzsumme (= Eigenkapital plus Kreditvergaben) nicht unterschreiten. Vergibt eine Bank 100€ Kredite, dann benötigt sie beispielsweise 10€ Eigenkapital. Möchte sie nun aber 150€ Kredit ausleihen, dann braucht sie 15€ Eigenkapital. Die Relation bleibt immer gleich. Für eine Ausweitung der Kreditvergabe, benötigen Banken mehr Eigenkapital.

Möchte eine Bank nun ihre Ausleihungen jährlich um 3% steigern, dann muss sie ihr Eigenkapital ebenso um 3% p.a. anschwellen lassen. Zuführungen zum Eigenkapital kommen klassischerweise aus dem Jahresüberschuss. Hier entsteht das Problem, dass auch die Anteilseigner gerne etwas vom Gewinnkuchen abhaben möchte. Deshalb haben die italienischen Banken brav ihre Gewinne ausgeschüttet und das Eigenkapital auf einem Minimum belassen.

Weil die Ausleihungen in Italien nicht so sehr stiegen, wie man dachte, bestand hierin auch eigentlich kein Problem. Doch es kam anders: Viele bestehende Kredite wurden faul. Wird ein Kredit ausfallgefährdet, dann muss er abgeschrieben werden. Abschreibungen laufen 1 zu 1 in die Gewinn- und Verlustrechnung, sie schmälern also das ohnehin schon minimale Eigenkapital. Damit italienische Banken wieder neue Kredite vergeben können, was für ein Wirtschaftswachstum unabdingbar ist, bräuchten sie frisches Kapital, wobei wir wieder den Steuerzahler auf dem Schirm haben.

Banken fahren gerne mit minimalem Eigenkapital, denn so bleibt für die Anteilseigner mehr Rendite. Logisch: Der Gewinn muss dann weniger Mäuler stopfen. Ein Lösungsweg wäre die Politik der deutschen Sparkassen. Entgegen der Erwartung manch eines Bürgermeisters, wollen sie ihre Gewinne nicht ausschütten, sondern fast komplett dem Eigenkapital zuführen. Somit kann die wachsende Kreditnachfrage von Häuslebauern und Mittelstand zuverlässig bedient werden. Aber auch hier gilt: Erhöht die Sparkasse ihr Eigenkapital nur in der Höhe, wie die Kreditvergabe wächst, dann bleibt die Eigenkapitalquote gleich.

Das Problem der klammen Banken wird uns noch sehr lange beschäftigen, denn nicht alle Ausleihungen müssen mit gleichviel Kapital unterlegt werden. Vergibt eine Bank einen Kredit an einen Privatmann, benötigt sie beispielsweise 10% Eigenkapital; vergibt sie den Kredit an einen AAA-Staat, dann sind es z.B. nur 2%. Ich weiß nicht ob die Zahlen stimmen, aber die Relation könnte passen. Durch strengere EK-Vorschriften (Basel2, Basel3 usw…) werden die Kapitaldecken der Banken immer wieder von regulatorischer Seite her nach unten korrigiert.

Sorry für dieses etwas fachliche Posting. Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen erklären, was das aktuelle Problem der italienischen Banken ist.


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Linkspartei verteidigt die kapitalistische Wirtschaftsordnung

Verkehrte Welt? Ganz und gar nicht. Letzte Woche ist im Deutschen Bundestag viel passiert, aber keine Angst ich schreibe nicht über Wolf Biermann. Viel interessanter war die Sitzung am Donnerstag, wo über Änderungen des ESM sowie über die Bankenunion abgestimmt wurde.

Auf der Tagesordnung stand unter anderem das „Gesetz zur Änderung des ESM-Finanzierungsgesetzes„. Der ESM wurde uns damals als alternativloses Instrument zur Rettung von Staaten verkauft. Inzwischen werden durch den ESM auch Banken gerettet, was man damals noch absolut ausschloss. Über den Bankenrettungsfonds werden künftig auch solche Banken (und deren Sparer) zur Haftung gezogen, die im großen Casino nicht mitspielen. Das Haftungsvolumen des deutschen Steuerzahlers und Sparers steigt hierdurch um weitere 15 Milliarden Euro.

Es war Aufgabe der Linkspartei in der Debatte am Donnerstagmorgen, die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu verteidigen. Die im Gesetz beschriebene Haftungskaskade, dass der Steuerzahler erst als Letztes herangezogen wird, entlarvte Sahra Wagenknecht als Schön-Wetter-Regel, denn im Gesetz selbst kann davon abgewichen werden, wenn „Not am Manne“ ist und man erneut in den Abgrund schaut, schreibt Frank Schäffler im EF-Magazin.

Ebenfalls interessant ist auch, dass sich Angela Merkel indirekt als schlechte Europäerin geoutet hat. Was alle ahnten, ist jetzt eine Gewissheit. Am 25. März 2010 sagte sie: „Deshalb sage ich: Ein guter Europäer ist nicht unbedingt der, der schnell hilft. Ein guter Europäer ist der, der die Europäischen Verträge und das jeweilige nationale Recht achtet und so hilft, dass die Stabilität der Euro-Zone keinen Schaden nimmt.“ Nun werden wieder Verträge gebrochen, Zusagen verändert und der Wähler mit Propaganda gefügig gemacht sowie die Haftsumme um 15 Milliarden Euro erhöht. Ich finde Merkel hat recht: Sie ist eine schlechte Europäerin. In einem freien Land mit freien Märkten müssten Banken auch pleite gehen können. Komisch, dass dies (so ähnlich) nur die Linke fordert.

Quelle: 2-3 Sätze sind 1 zu 1 von Frank Schäffler´s Artikel rauskopiert


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99,64% der europäischen Banken fallen nicht durch den Stresstest der EZB

 Insgesamt 25 Banken sind durch den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) gefallen. Das sind gerade mal ca. 0,36% aller europäischen Banken. Weil die EZB mit Daten zum Stichtag 31.12.2013 geprüft hat, haben scheinbar bereits 12 der 25 durchgefallenen ihre Probleme gelöst. Der Stresstest ist nichts weiter als ein mediales Ereignis.

Die Zentralbank übernimmt ab dem 4. November die zentrale Aufsicht über die 120 führenden Banken innerhalb der Eurozone. Die anderen ca. 6.880 europäischen Banken werden weiterhin national beaufsichtigt. Der Test sollte das Vertrauen der Märkte und der Bürger in die Geldhäuser stärken und zudem für mehr Transparenz und Stabilität sorgen. Herzlichen Glückwunsch! Wir wissen jetzt, dass 120 von insgesamt ca. 7.000 Banken geprüft wurden. Was soll das aussagen? Über 90% der Deutschen sind Kunde einer Volksbank oder Sparkasse. Diese Banken wurden nicht geprüft. Die 120 getesteten Banken bekamen am vergangenen Donnerstag die Ergebnisse mitgeteilt und hatten in mehreren Korrekturschleifen die Möglichkeit, Daten anzupassen.

Schon im Juni 2013 haben sich die Finanzminister der Eurostaaten darauf geeinigt, dass man die Mittel des ESM auch für Bankenrettungen verwenden wird (Quelle: Handelsblatt). Dies solle aber nur für systemrelevante Großbanken, also auch die 120 getesteten Banken, gelten. Der Steuerzahler kann also davon ausgehen, dass er für die 25 Pleitebanken bezahlen muss, obwohl unsere Regierung in 2008/09 hoch und heilig versprochen hat, dass es künftig keine Bankenrettungen auf Steuerzahlerkosten geben darf. Die EZB beginnt am 04.11.2014 mit der Aufsicht über systemrelevante Großbanken. Banker beaufsichtigen künftig Banker. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Ein bisschen Bank-BWL kann ich mir bei diesem Thema natürlich nicht verkneifen. Der Stresstest hat vor allem das sogenannte Kernkapital der Banken untersucht und wie es sich in diversen Szenarien verhalten würde. Dabei geht es nicht um das Kapital ansich sondern um die Relation zur gewichteten Risikoaktiva. Auf deutsch: Hat eine Bank 100 Euro verliehen und 5 Euro Kernkapital, dann beträgt die Kernkapitalquote 5%. Um diese Quote zu erhöhen kann man zwei Dinge tun: Entweder weniger Kredite vergeben oder mehr Eigenkapital bilden. Die EZB forderte 5,5% Kernkapital für ein Krisenszenario.

Das Perfide am Kernkapital ist, dass nicht alle Kredite gleich gewichtet werden müssen. Vergibt eine Bank Kredite an Unternehmen und Privatpersonen, dann benötigt sie mehr Kernkapital. Kredite an Staaten mit AAA bis AA- Rating müssen hingegen garnicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Um nun eine höhere Kernkapitalquote zu bekommen müssen die Banken einfach weniger in Privatmenschen und Unternehmen investieren und dafür ihre Kreditschöpfung eher an den Staat richten. Aus diesem Grund „müssen“ Banken in völlig unrentable Staatsanleihen investieren. Hierdurch werden die Zinsen gedrückt und die Haushalte entlastet, damit sich Politiker damit profilieren können. Würde man die Kernkapitalquote mit echten Zahlen errechnen, also mit allen Krediten (egal an wen), dann kommt man auf Quoten zwischen 1% und 2%.


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EZB will Markttransparenz abschaffen

In der zweiten Oktoberhälfte veröffentlicht die EZB ihren großangelegten Banken-Stresstest. Ziel ist es, mögliche Pleitebanken möglichst schnell und zielgenau der neuen Aufsicht zu überführen. Doch wie nun das Handelsblatt und andere Medien berichten, dürfen die Bürger und auch Politiker nichts negatives von den Ergebnissen erfahren.

Schön war die Zeit, als es noch eine politische Kraft mit der Forderung nach „Transparenz“ gab. Ende Oktober weiß die EZB, welche Banken in der Eurozone gesund und welche krank sind. Aber die Parlamente und auch die Bürger sollen nichts davon erfahren. Aus „wenn es ernst wird, müssen wir lügen“ wird „wenn es ernst wird, sagen wir einfach nichts mehr“.  Die EZB hat alle Banken dazu genötigt,  eine Vertraulichkeitserklärung zu unterschreiben. Hierin war vereinbart, dass Banken nicht über die Ergebnisse und Inhalte des Stresstests reden dürfen. Auch solle man sicher stellen, dass innerhalb der Bank nur bestimmte Personen Zugang zu diesen Informationen haben. Banken sind nach EU-Kapitalmarktrecht dazu verpflichtet, alle kursbeeinflussenden Infos sofort zu publizieren. Massenklagen von Aktionären wären zu erwarten gewesen. Man kann auch von Zensur und Marktmanipulation sprechen.

Weil die Banken ausnahmsweise nicht wie von der EZB befohlen, gegen EU-Kapitalmarktrecht verstoßen wollen, haben sie Protest eingelegt. Deshalb wird die EZB ihre Vertraulichkeitserklärung überarbeiten. Egal was in dieser Erklärung steht: Allein die Tatsache, dass es eine solche Erklärung gibt, ist ein Skandal! Man sagt uns doch immer, dass die Banken sicher sind. Merkel und Steinbrück haben es in 2008 hoch und heilig versprochen. Warum zeigt man uns dann nicht alle Testergebnisse? Ich finde die Bürger und die Politik sollten ein Recht auf Transparenz haben und alle Daten verlangen. Dieser Vorgang zeigt erneut, wie gefährlich unsere Zentralbank ist. Sie ist nicht nur Hüterin der Währung sondern künftig auch Bankenaufsicht und Euroretter. Hierbei lässt sie sich unter anderem auch von Blackrock beraten (siehe Posting von gestern). Die Piratenpartei war doch früher immer für Transparenz. Warum jetzt nicht? Zu dumm dazu oder traut man sich nicht?


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Einlagen, Versicherungen und Fonds: Ein detaillierter Blick auf die Einlagensicherung

„In der EU sind 100.000 Euro pro Sparer geschützt. Wenn das nicht reicht, dann haftet der Staat, denn Merkel hat es versprochen.“ Diesen Satz hört man in den Medien fast täglich. Was ist die Einlagensicherung und Merkel´s Garantie wirklich wert? Eine Analyse.

Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Einlagensicherung vom Staat

Wenn der Staat in diesem Fall bezahlt, dann tut er dies nur aus moralischen Gründen; nicht aus juristischen. Merkel´s Versprechen wurde niemals in einem parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren als Gesetz niedergeschrieben. Eine Garantiesumme auf alle deutschen Spareinlagen wäre zirka 15 mal höher als ein Bundesjahreshaushalt. Die Merkelgaratie ist nichts weiter als ein gewöhnliches Politikerversprechen. Das Wort „Versprechen“ kommt daher, dass man „sich verspricht“. Das Einlagensicherungsgesetz §8 Absatz 1 sagt eindeutig: „Die Mittel für die Entschädigung werden durch Beiträge der Institute erbracht“. Vom Staat ist nicht die Rede.

Aber die 100.000€ sind ja gesetzlich gesichert, oder?

Manchmal lohnt ein Blick in den Gesetzestext. Dort steht in §8 Absatz 10: „Für die Erfüllung der Verpflichtungen haftet die Entschädigungseinrichtung nur mit dem auf Grund der Beitragszahlungen (von den Banken) zur Verfügung stehenden Vermögens“. In §4 wird die Erfüllung auf 100.000€ pro Person gedeckelt. Jeder Anleger bekommt maximal 100.000€; aber nur, wenn das zur Verteilung stehende Geld reicht. Wie lange wird das Geld reichen? Der Bundesverband der Banken sagt dazu: „Die gesetzliche Absicherung ist nicht für den Einsatz von mehreren Pleiten gedacht“. Die Absicherung berücksichtigt nur den Zusammenbruch einer größeren Bank; für mehr reicht es nicht. Im Falle von tatsächlichen Bankruns und Massenpaniken sind die Einlagen also nur bedingt geschützt, oder wie das Bundesministerium für Finanzen auf seiner Homepage schreibt: „In einem gewissem Umfang“.

Der Satz „In der Europäischen Union sind 100.000 Euro pro Sparer geschützt“ steht so in keinem Gesetz. Einlagen bei Sparkassen und Volksbanken sind allerdings definitiv sicherer aufgehoben als bei Privatbanken, die oftmals nur die gesetzliche Einlagensicherung bieten. Regionalbanken haben zusätzlich noch Haftungsverbünde und eigene (freiwillige) Sicherungsfonds. Diese kosten natürlich Geld, weshalb diese Banken meist nur mit kleineren Sparzinsen am Markt agieren.

Wie sieht es mit Sparguthaben in Fonds aus?

Fonds benötigen keine Einlagensicherung, denn es handelt sich nicht um Einlagen sondern um Eigentum. Das Inventar der Fonds (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien etc…) sind Eigentumswerte. Die Inventarwerte von Fonds tauchen nicht in den Bilanzen der Fondsgesellschaften oder Depotbanken auf. Geht eine Kapitalanlagegesellschaft pleite, dann sind die Fondsvermögen nicht in der Haftung. Der Wert eines Investmentfonds richtet sich nach dem, was drin ist (Inventarwert); über Chancen und Risiken sowie das Management und die verschiedenen Investmentstile lässt sich hierbei natürlich streiten aber ein Emittentenrisiko wie bei Zertifikaten oder im übertragenen Sinne bei Versicherungen hat man hier nicht.

Bei Versicherungen sieht es etwas anders aus

In dieser Sparform lagern oft Gelder, die als Riesterrente, betriebliche Altersvorsorge oder Rürüprente deklariert sind. Guthaben in Renten- und Lebensversicherungen liegt im sogenannten Deckungsstock und muss mit dem Garantiezins verzinst werden. Kommt es aufgrund von Marktverwerfungen zu Abschreibungen, dann muss die Gesellschaft Rückstellungen auflösen um die garantierten Leistungen weiterhin darstellen zu können. Hierzu bilden die Versicherer Risikopuffer von ca. 1% der Garantiesummen. Reicht dies nicht aus, dann haftet die Protektor AG, der sich die meisten Versicherungen freiwillig angeschlossen haben. Die Protektor AG wieß im Geschäftsbericht 2011 ein Sicherungsvolumen von nur 749 Millionen Euro aus. Dies entspricht gerademal nur 1 Promille der gesamten Einlagen (auf Deutschland bezogen). 1 Promille ist auch das, was man womöglich zur Beruhigung benötigt, wenn man als Kunde entsprechende Sparverträge besitzt. Die Protektor AG sichert satzungsmäßig ca. 1% der 1%-Rückstellungen (also max. 1 Promille vom Gesamtvolumen) innerhalb der Gesellschaften ab. Braucht eine Versicherung ihre Rückstellungen komplett auf, dann müssen die anderen Gesellschaften über Beiträge an Protektor den Fehlbetrag (aber nur bis zur 1% Grenze) wieder auffüllen. So kommt man im Sicherungsfall einer Gesellschaft auf ein Haftungsniveau von maximal 1% der gesamten Guthaben; vorrausgesetzt, dass diejenigen Gesellschaften, die die Beiträge bezahlen sollen, nicht ebenfalls pleite sind. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mehrere Versicherungen gleichzeitig Probleme bekommen, denn alle Versicherungen müssen ihren Deckungsstock nach den gleichen gesetzlichen Vorgaben investieren.

Was passiert mit Versicherungsguthaben im Abwicklungsfall?

In diesem Fall setzt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Verpflichtungen aus den Verträgen um bis zu 5% der vertraglich garantierten Leistungen herab. (§ 125 Abs. 5 VAG). Der weitergehende § 89 VAG kommt zum tragen, wenn die Gesellschaft (nicht der Deckungsstock) in eine finanzielle Schieflage gerät. Auch dann können garantierte Leistungen durch die Finanzaufsicht herabgesetzt werden. Versicherungssparer haften also gleich doppelt: Auf Seiten des Deckungsstocks und auf Seiten der Versicherungsgesellschaft.

Da war doch was mit den Realzinsen?

Richtig! Mit Einlagen mit Laufzeiten bis zu einigen Jahren erhalten Sparerinnen und Sparer einen negativen Realzins. Das heißt, der Kaufkraftverlust ist höher als der Nettozinsertrag. Bei kurzen Laufzeiten ist der Effekt sehr gering. Studien haben ergeben, dass die meisten Leute ihr Geld zwar in kurzfristige Anlageformen stecken, es dort aber für lange Zeit liegen lassen, denn „sie wollen immer dran kommen“. Diese kalte Enteignung wirkt wie eine Zwangsabgabe, denn Schuldner (der Staat ist der größte Schuldner), die geringe Zinssätze für ihre Kredite bezahlen müssen (die BRD zahlt Minizinsen!), profitieren davon. Die BRD hat zuzüglich der Geldentwertung einen positiven Kreditzins bzw. einen stark verringerten Zinssatz. Die Sparer hingegen werden enteignet. Selbst wenn der Realzins positiv ist, so ist er wesentlich geringer im Vergleich zu Normalsituationen. 1% oder 2% weniger Zinsertrag kann auf Sicht von 30 oder 40 Jahren (Altersvorsorge) einen Unterschied im fünfstelligen Bereich ausmachen. Zum Glück können die meisten Deutschen nicht Prozent- und Zinseszinsrechnen. Den meisten fehlt das Abstraktionsvermögen für exponentielle Verläufe. Wie sagte es Hassknecht von der HeuteShow neulich? „Die Einlagensicherung ist fürn Arsch, denn ich verliere durch die Inflation“.

Bitte verlässt euch nicht auf Politikerlügen und Versprechen von irgendwelchen heiliggesprochenen Kanzlerinnen. Lest die Gesetzestexte und spielt alle möglichen Szenarien durch. Es gibt aktuell keinen Anlass, sich über klassische deutsche Einlagen Sorgen zu machen. Trotzdem gibt es große Unterschiede zwischen Kontoguthaben, Versicherungsguthaben, Fondsguthaben oder sonstigen bei der Bank verwahrten Depotwerten. Die Thematik ist viel zu komplex um sie mit dem plumpen Satz „die Einlagen sind sicher“ vom Tisch zu wischen. Es droht aktuell keine Pleite deutscher Banken und Versicherungsgesellschaften. Wenn dies aber mal der Fall ist, dann stehen alle Paragraphen bereit.

Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv und wurde nur leicht verändert bzw. aktualisiert.


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